VÖ: bereits erschienen 
(Lübbe)

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Klapptext:

Die schwangere Klara führt mit ihrem Mann Tobias und dem gemeinsamen Sohn mittlerweile ein beschauliches Leben in Königsee. Doch dann wird ein Wanderapotheker ihres Schwiegervaters unter dem Verdacht verhaftet, den Rübenheimer Bürgermeister mit einer vergifteten Arznei ermordet zu haben. Als Tobias nach Rübenheim reist, um dem Beschuldigten beizustehen, wird er als vermeintlicher Erzeuger der Arznei ebenfalls verhaftet. Klara setzt alles daran, die Intrige um die Ermordung des Bürgermeisters aufdecken, um ihren Mann zu retten - und stößt dabei auf Feinde, die nichts unversucht lassen, sie zu vernichten.

Gelesen von: Anne Moll

Kritik:

Mit „Die Liebe der Wanderapothekerin“ setzt das Autorenpaar Iny Lorentz die Geschichte um die mutige und entschlossene Wanderapothekerin Klara fort. Als zunächst ein Wanderapotheker, der die Erzeugnisse der Apotheker-Familie Just im Land verkauft, und schließlich auch ihr Mann Tobias wegen einer Mord-Anschuldigung in Rübenheim verhaftet wird, macht sich die schwangere Klara auf, der Sache auf den Grund zu gehen. Weil der Bürgermeister der Stadt durch vergiftete Arznei, welche von ihnen verkauft wurde, zu Tode kam, sinnt dessen Tochter auf Rache und will sowohl den Wanderapotheker als auch Tobias hinrichten lassen. Bei ihren Nachforschungen stellt Klara fest, daß die verkaufte Medizin durch den Zusatz giftiger Tollkirsche den Bürgermeister der Stadt getötet hat. Schnell stößt sie auf ein dichtes Netz von Intrigen. Es wird klar, daß ein geheimnisvoller Feind auf Rache sinnt, der bereits zwei Morde begangen hat, die in Verbindung zueinander stehen. Darüber hinaus versucht jemand, die Königseer Apotheker in Verruf zu bringen, indem er deren Arzneien vergiftet, und ihre Handelsprivilegien zu gefährden. Während schließlich im Haus ihres Schwiegervaters ein Feuer gelegt wird und die Familie nur mit knapper Not ihr Leben retten kann, wartet Tobias in Rübenheim auf seine Hinrichtung. Klara reist kreuz und quer durchs Land, um den Feind zu entlarven, die Morde aufzuklären und ihren Mann zu retten. Dabei stehen ihr der Rübenheimer Apotheker Stößel und der Richter Hüsing tapfer zur Seite, was sie ebenfalls in die Schußlinie der Bürgermeisterstochter bringt. Als Klara dabei ist, die Drahtzieher hinter der Mordaffäre aufzudecken, wird ihr kleiner Sohn entführt…. Iny Lorentz steht seit langem für solide Unterhaltung im Bereich des historischen Romans. Mit der Fortsetzung der Wanderapothekerin bietet man auch dieses mal abwechslungsreiche und spannende Unterhaltung. Die Handlung entwickelt sich interessant und wird auch durch anschaulich geschilderte Schauplätze sowie liebevoll gezeichnete Nebencharaktere belebt. Wenn sich ab einem gewissen Zeitpunkt auch alles recht vorhersehbar entwickelt, wird der Hörer dennoch im Geschehen gefangen. Soweit bietet man gute Unterhaltung. Negativ fällt indes, wie häufig bei den Romanen von Iny Lorentz, auf, daß die Charaktere gewohnt eindimensional dargestellt werden, die sich wenig bis gar nicht entwickeln. In ihren Eigenschaften teilweise bis zur Absurdität überzeichnete Bösewichte nehmen leider eine große Portion Glaubwürdigkeit aus der Geschichte und sorgen so für wenig Überraschungen. Auch werden diese in ihren Handlungen so übertrieben, daß auch hier ein weiterer Punkt an Glaubwürdigkeit verloren geht. So zum Beispiel in Form der blutjungen Bürgermeisterstochter, die im 18. Jahrhundert allen Amts- und Würdenträgern der Stadt Rübenheom zum Trotz ganz allein den Taktstock schwingt, über Wohl und Wehe der Bürger entscheidet und selbstherrlich ohne jede Kontrolle einsperren oder hinrichten läßt, wer ihr gerade in den Kram paßt. Zweiter Kritikpunkt wäre die sprachliche Ausgestaltung. Wenn auch die oft etwas althergebrachte Sprach- und Ausdrucksweise in den Dialogen dafür sorgt, daß sich der Hörer gut in vergangene Jahrhunderte einfühlen kann und so das historische Bild gut belebt, so irritieren ab und an doch sehr ungeläufige Begriffe wie Stäupen (Als Stäupen (…) bezeichnete man im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit eine Körperstrafe, bei welcher der oder die Verurteilte am Pranger geschlagen wurde / Wikipedia) oder Werg (Das Werg (…) ist eine niedere Faserqualität, die beim Reinigen (Hecheln) von Bastfasern wie Leinen, Hanf oder Jute anfällt./ Wikipedia). Diese werden auch nicht besser verständlich, wenn sie des öfteren wiederholt werden. Und zum Thema „Wiederholung“ sei noch gesagt: Spätestens nach CD Nr. 1 kann man das Wort „Buckelapotheker“ nicht mehr hören. Hier wäre ab und an ein Alternativbegriff wünschenswert gewesen; ist doch unsere schöne Muttersprache an sich sehr wort- und abwechslungsreich. ( Zumal der Titel des Romans ja auch nicht „Die Liebe der Buckelapothekerin lautet“, was sich zugegebenermaßen auch nicht wirklich schick anhören würde.) Sprecherin Anne Moll liest wie immer sehr facettenreich und verleiht jedem Charakter seine ganz eigene Stimme. Manchmal allerdings wird die Charakterisierung ein wenig übertreiben, insbesondere bei den haßverzerrten, nahezu hysterischen Erzählparts der „Bösewichte“, die dadurch etwas anstrengend geraten. Allen Unkenrufen zum Trotz weiß das Hörbuch dennoch solide zu unterhalten. Kann man sich auf die „Iny Lorentz-typischen“ Schönheitsfehler einlassen, durchlebt man abwechslungsreiche und spannende Stunden in vergangenen Zeiten.

Fazit: Solide und spannende Unterhaltung des Erfolgsautoren-Paares, die auch hier mit ihren gewohnten Qualitäten ihre Fans begeistern dürften. Allerdings geht die Überzeichnung der Charaktere manchmal zu Lasten der Glaubwürdigkeit. Für Fans der „Wanderhure“ & Co. eine absolute Empfehlung.

7 von 10