VÖ: bereits erschienen
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Klapptext:

Italien im 13. Jahrhundert: Pandolfina, Tochter einer Sarazenenprinzessin und eines apulischen Grafen, wächst wohlbehütet am elterlichen Hofe auf. Doch als ihr Vater stirbt, bringt der Widersacher und Nachbar ihres Vaters Silvio di Cudi die Burg in seinen Besitz - und will das 14-jährige Mädchen zur Heirat zwingen. Pandolfina kann entkommen und findet Schutz am Hofe von Friedrich, des Königs von Sizilien und Kaisers des Heiligen Römischen Reiches. Fortan setzt die Prinzessin alles daran, Friedrich zur Rache gegen di Cudi zu bewegen ...

Gelesen von: Anne Moll

Kritik:

Am Hofe des Staufers Friedrichs II findet die junge Pandolfina nach dem Tod des Vaters Zuflucht. Nach der überstürzten Flucht aus der heimatlichen Burg, die durch einen Überfall durch Silvio die Cudi in dessen Besitz gebracht wurde und der plant, Pandolfina zur Heirat zu zwingen, erfleht sie die Hilfe Kaiser Friedrichs, das geschehene Unrecht zu ahnden. Verstrickt in politische Konflikte sieht der Kaiser sich jedoch anderen Problemen gegenüber und vertröstet das Mädchen auf später. So wächst Pandolfina am Hofe Friedrichs zu einer selbstbewussten jungen Frau heran, die den Kaiser auf seinen Kreuzzug ins Heilige Land begleitet, ihm bei einem Mordanschlag das Leben rettet und sogar ihren Dickkopf durchsetzt, gegen alle Widrigkeiten als erste Frau in Salerno ein Medizinstudium zu beginnen. Zur gleichen Zeit wird der junge und vielversprechende Mönch Leonhardt von seinem lieblosen und harschen Vater aus dem Kloster geholt, um als letzter männlicher Erbe des Adelsgeschlechts den getöteten Bruder im Kampf gegen die Widersacher zu ersetzen. Im Schnelldurchlauf muß dieser vom Geistlichen zum Kämpfer ausgebildet werden. Der Streit zwischen den Adelshäusern führen Leonhardt mit seinem Vater ebenfalls an den Hofe Friedrichs in Sizilien, der auch in dieser Sache für Gerechtigkeit sorgen soll. Und während die Feinde Pandolfinas und die Feinde Leonhardts ihre eigenen finsteren Pläne schmieden, ersinnt der Kaiser für die beiden jungen Leute seine eigenen… Alte bewährte Strickmuster aus dem Hause Iny Lorentz funktionieren auch hier: Die für ihre Zeit viel zu selbstbewusste und selbstbestimmt junge Frau, die Bösewichte sowieso, der gütige Kaiser, der verwegene Held, die (zumindest geplante) Standard-Vergewaltigung... Friedrich indes wirkt den für seine Verhältnisse unbedeutenden Belangen Pandolfinas allzu zugetan, um glaubhaft zu wirken, läßt sich von dem Mädchen auf der Nase rumtanzen und verliert daher, so sehr man ihn auch mag, viel an Glaubwürdigkeit. Dem Hörer begegnen die gewohnt stilisierten Gutmenschen und Bösewichte, und doch kann man zu Anfang in Leonhardt so etwas wie einen Antihelden sehen, nur dessen rasante Entwicklung zum Erben und Kämpfer indes bleibt wieder zu willkürlich und zu wenig glaubwürdig. Mit einer Vielzahl an Schauplätzen punktet man und schafft Abwechslung, leider verlaufen dann einige als zunächst extrem wichtig dargestellte Handlungsstränge im Nirgendwo. Pandolfinas Kampf und Wunsch Medizin zu studieren, ihre Konflikte mit den Professoren, deren Intrigen… Alles wird sorgsam entwickelt und stirbt dann ab um nie wieder erwähnt zu werden. Ebenso Friedrichs Kreuzzug ins Heilige Land, der zunächst viel verspricht, aber bis auf ein Schlüsselerlebnis komplett verblasst und fallen gelassen wird. Das verschenkt viel an Potenzial und lässt die Geschichte irgendwie zusammenkonstruiert wirken, bei denen die einzelnen Ereignisse willkürlich um den Haupterzählstrang herumgewickelt erscheinen und irgendwie austauschbar und somit eigentlich überflüssig wirken. Freilich erschafft man dadurch Abwechslung, Spannung und auch buntes Kopfkino. Dennoch bleibt am Ende der etwas fade Beigeschmack des Baukastenprinzips. Alle handelnden Personen, ob gut oder böse, bedienen die üblichen Klischees. Dennoch wird der Genrefan und insbesondere der Iny Lorentz Fan vollauf bedient: Ein praller Mittelalterroman angefüllt mit tapferen Mädchen, Burgen, schwerterrasselnden Kämpfen, Bösewichten und Helden. Seit Langem läuft Iny Lorentz hier wieder einmal zur Hochform auf und beschert erstmalig seit der „Wanderhure“ wieder einen verwegenen Mittelalterschmöker. Alles wird in einem sehr flüssigen und einfach gehaltenen Erzählstil verpackt, der lediglich durch einige für das Mittelalter unzeitgemäße Schilderungen ins Holpern gerät; ebenso durch konsequente Wiederholungen der immer gleichen Phrasen wie „teutonischer Ochse“ ( damit ist Leonhardt gemeint…) bzw. dem allgegenwärtigen „Gaul“. Anne Moll liest in ihrer üblichen Art und Weise mit wandelbarer Stimme, die so jeder Figur ihren stimmlichen Charakter verleiht, ab und zu jedoch in der einen oder anderen Interpretation etwas overacted wirkt und dadurch den Hörer ein wenig anstrengt.

Fazit: Seit langem endlich wieder ein Mittelalterroman aus der Erzählschmiede von Iny Lorentz, der zuverlässig und abwechslungsreich zu unterhalten weiß, durch die üblichen kleinen Schönheitsfehler aber hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt. Für Fans von Iny Lorentz und der „Wanderhure“ aber definitiv ein Muß.

7,5 von 10