VÖ: bereits erschienen
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Klappentext

London, 1907: Gegen den Willen ihrer adeligen, einflussreichen Familie lebt die junge Victoria allein mit dem alten Butler ihres kürzlich verstorbenen Vaters. Sie ist nicht reich, aber glücklich. Doch ihre Welt gerät ins Wanken, als hässliche Andeutungen über ein dunkles Familiengeheimnis laut werden. Der einzige Mann, der ihre Fragen beantworten könnte, wird ermordet ... Victorias guter Ruf ist in Gefahr, doch als Retter in der Not entpuppt sich der attraktive Journalist Jeremy Ryder. Aber kann sie ihm vertrauen?

Gelesen von: Marie Bierstedt

Kritik:

Die rubinrote Kammer bildet den Auftakt zu einer romatischen Krimireihe vor dem Hintergrund des historischen Londons zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Die 19-jährige Protagonistin Victoria Brendon ist eine sympathische junge Frau, die ihrer Zeit weit voraus ist. Als glühende Frauenrechtlerin und Anhängerin der Sufragetten-Bewegeung setzt sie sich über manche Konvention hinweg und riskiert sogar, im Gefängnis zu landen. Ihr zur Seite stehen der treuherzige Butler Hopkins sowie die Haushälterin, mit denen sie in bescheidenen Verhältnissen eine Wohnung in London teilt. Als ein unsympathischer Zeitgenosse düstere Andeutungen über ihren über alles geliebten, verstorbenen Vater macht und kurz darauf ermordet wird, macht sich Victoria auf eigene Faust auf, die dunklen Schatten ihrer Vergangenheit zu jagen und den Mörder zu suchen. Denn alles, so spürt sie, ist miteinander verwoben. Immer wieder springt ihr der freundliche Journalist Jeremy Ryder zur Seite und rettet sie aus brenzligen Situationen. Und wenn auch ihr Herz dem Adeligen Randolph gehört, der sie heftig umwirbt, fühlt sie sich auch zu Jeremy hingezogen. Bis sie einige Ungereimtheiten über Jeremy aufdeckt und sich fragt, ob sie ihm tatsächlich trauen kann…. Viele Themen werden angepackt, keines konsequent zu Ende geführt. Handelt es sich um die Klärung eines Familiengeheimnisses ? Um die Aufklärung eines Mordes ? Um ein Historiendrama ? Um eine Liebesgeschichte ? Antwort: Ein bißchen von allem. Prima, mag der interessierte Hörer denken, eine nette Mischung. Leider zündet die Mixtur nicht in jeder Beziehung. Vieles wird aufgebaut und interessant gemacht und erstirbt immer wieder im Banalen. Auch wird die Handlung nicht schlüssig aufgebaut sondern erscheint wie eine willkürliche Aneinanderreihung von teils abstrusen Ereignissen, die man um den Plot herum drapiert. So kann auch die Story im Ganzen wenig fesseln und auch die eher konturlosen, austauschbar wirkenden Charaktere können nicht zur Gänze überzeugen. Insbesondere wirkt die junge Victoria – Frauenbewegung hin oder her – zu modern, zu forsch und zu selbstbestimmt; sowohl für ihr jugendliches, unreifes Alter, als auch vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund. So verläuft auch die Aufklärung des Geheimnisses, das sorgsam mit Spannung aufgebaut wurde, eher unspektakulär im Sande und auch die Lösung des Mordfalles löst keinen echten Aha-Effekt aus. Zu konstruiert und hölzern wirkt alles am Ende. So bleibt der Roman leider hinter den geschürten Erwartungen zurück und verkommt zu einer Mischung aus tüddeliger Miss Marple-Ermittlung ( ohne an deren Witz und Genialität heranzureichen) und Rosamunde Pilcher. Schade, denn Idee und Setting hätten weitaus mehr Spielraum geboten. So verbleibt eine etwas lieblos herunter gespulte, in weiten Bereichen vorhersehbare Handlung ohne wirkliche Überraschungen. Punkten kann man einzig durch eine frische, unkomplizierte Erzählweise und plastische Schilderung der handelnden Personen, die den Hörer dann doch ins Geschehen zu portieren vermag und schlussendlich gnädig stimmt. Marie Bierstedt liest dabei mit gewohnt gefühlvoller Lesestimme und verleiht insbesondere Victoria viel Herz und Seele.

6 von 10

Fazit: Eher laue Unterhaltung mit einer Mischung aus Liebesroman und Miss Marple, die nach dem durch den Klappentext suggerierten Genre fast schon enttäuschen muss. Erwartet man doch eher dunkle und spannende Familiengeheimnisse auf alten Adelssitzen, erhält man eher Rosamunde Pilcher gepaart mit naseweiser Hobbydetektivin im historischen Gewand. Hier gibt es definitiv Luft nach oben.