VÖ: bereits erschienen
(Lübbe Audio)

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LÜBBE AUDIO

Klappentext:

"Könige sind wie Gaukler. Sie blenden die Untertanen mit ihrem Mummenschanz, damit die nicht merken, dass das Reich auseinanderfällt" Anno Domini 951: Der junge Gaidemar, ein Bastard vornehmer, aber unbekannter Herkunft und Panzerreiter in König Ottos Reiterlegion, erhält einen gefährlichen Auftrag: Er soll die italienische Königin Adelheid aus der Gefangenschaft in Garda befreien. Auf ihrer Flucht verliebt er sich in Adelheid, aber sie heiratet König Otto. Dennoch steigt Gaidemar zum Vertrauten der Königin auf und erringt mit Otto auf dem Lechfeld den Sieg über die Ungarn. Schließlich verlobt er sich mit der Tochter eines mächtigen Slawenfürsten, und der Makel seiner Geburt scheint endgültig getilgt. Doch Adelheid und Gaidemar ahnen nicht, dass ihr gefährlichster Feind noch lange nicht besiegt ist, und als sie mit Otto zur Kaiserkrönung nach Rom aufbrechen, droht ihnen dies zum Verhängnis zu werden ...

gelesen von: Detlef Biestedt

Kritik:

Aufgewachsen bei adligen Zieheltern und behaftet mit dem Makel des Bastards gelangt der Panzerreiter Gaidemar nach Errettung Adelheids an den Hof Ottos I. Verliebt in die junge Königin Italiens muss er schmerzhaft hinnehmen, dass diese König Otto ehelicht. Durch üble Verleumdung verliert er trotz seiner heldenhaften Errettung Adelheids die Gunst des Königs. Glücklicherweise nimmt ihn dessen Sohn Liudolf in sein Gefolge auf und bereits dort wird seine Königstreue nach kurzer Zeit auf eine harte Probe gestellt. Durch seine stets von Ehre und Loyalität gezeichnete Handlungsweise schafft er sich in Henning, dem verräterischen Bruder Ottos sowie in Immet, seinem Ziehbruder, der ihn seine unbekannte Herkunft und sein Bastard-Dasein niemals vergessen lässt, erbitterte Feinde. Ebenso bringt ihm dies auch Freunde und Befürworter in der königlichen Familie, nicht zuletzt in Königin Adelheid selbst, die ihn fördern, aber auch stets zum Werkzeug ihrer Interessen und Intrigen machen. Er rettet den Slawenjungen Miro aus seinem elenden Sklavendasein und hat fortan einen treuen Begleiter, der ihm sogar das Leben rettet. Aber ist Miro wirklich der, der er zu sein vorgibt ? In der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955, durch welche die Ungarn geschlagen und der Bedrohung des Reiches aus dem Osten ein Ende gesetzt wird, gelangt Gaidemar zu Ruhm und Ehre, kann aber den Makel seiner unbekannten Herkunft nie ganz abschütteln, bis von unerwarteter Seite sein Geheimnis gelüftet wird. Nach und nach erlangt Gaidemar auch die Achtung König Ottos wieder und steigt zu einem der engsten Vertrauten der Königin, schlussendlich auch Ottos auf, und führt für seinen König zahlreiche Schlachten gegen einige immer noch aufständische Slawenfürsten sowie die Ungarn. Otto, der seine Herrschaft und sein Reich gegen zahlreiche Feinde von außen, aber auch von innen verteidigen muss, wird schließlich vom Papst nach Italien gerufen um zum Kaiser gekrönt zu werden. Man tritt die Reise an, ohne zu ahnen, welch tödliche Gefahr am Ziel lauert. Mit „Die fremde Königin“ setzt Rebecca Gablé ihren Zyklus um das Ottonische Herrscherhaus im deutschen Mittelalter fort. Viele Charaktere aus „Das Haupt der Welt“ tauchen auch in „Die fremde Königin“ auf und es wird ab und an Bezug auf die Geschehnisse des Vorgängerbandes genommen. Insofern ist es vorteilhaft, diesen zu kennen, aber nicht unbedingt notwendig. Die von Rebecca Gablé erwählten Protagonisten sind stets etwas stereotyp im Charakter. So wundert es nicht, dass auch Gaidemar meist prinzipientreu, heldenhaft und loyal ist. Gleichfalls kann sich der Hörer gut in diese Figur hinein versetzen. Auch erlaubt man ihm einige dunkle Seiten, die ihn dadurch menschlicher erscheinen lassen. Etwas blass bleibt indes Adelheid. Obwohl sie stets als starke Persönlichkeit geschildert wird und sich im Laufe der Handlung durchaus als gute und weitsichtige Politikerin und kluge Ratgeberin erweist, bleibt sie fast immer nur Beiwerk an der Seite Ottos. Die anfangs angedeutete Zuneigung zu Gaidemar verliert sich zu einfach und zu unkommentiert ins Nichts. Gaidemar indes verehrt sie nur aus der Ferne und leidet an seiner unerfüllten Liebe, findet sich aber auch allzu leicht damit ab. Hier wäre Stoff für noch etwas mehr Würze gewesen, ohne gleich einen Ehebruch hineinzudichten. Daneben bevölkern noch sehr viele andere interessante Persönlichkeiten den Plot. Anfangs muss sich der Hörer bei diesen vielen Namen erst einmal zurecht finden. Dies gelingt jedoch meist problemlos, da jedem so viel Leben eingehaucht wird, dass er einen unverwechselbaren Platz in der Handlung einnimmt. Obwohl die Charaktere nicht allzu tief entwickelt werden, sind sie jedoch auf ihre Art facettenreich. Lediglich in Gaidemars Feinden Henning und Immet lässt die Autorin kein einziges gute Haar und bekleidet mit ihnen den typischen Posten des klassischen Bösewichtes. Sei es drum: Es tut dem Großen und Ganzen keinen Abbruch. Auch dieses Mal werden die historischen Gegebenheiten und Entwicklungen gekonnt und interessant in die Handlung eingewoben, ohne zu drögem Geschichtsunterricht auszuufern. Der Hörer wird intensiv ins Geschehen eingebunden und lässt ihn bewegende Momente hautnah miterleben. Detlef Bierstedt haucht seiner Lesung viel Herz und Stimmung ein und nimmt den Hörer mit auf eine faszinierende Reise.

Fazit: Gelebte Geschichte mit Figuren voller Herz, Ideale sowie auch Fehl und Tadel. Rebecca Gablé läßt den Hörer tief ins Mittelalter eintauchen und verbindet abermals gekonnt Fakten und Fiktion. Für Freunde des historischen Romans zu empfehlen.

9 von 10