VÖ 23.06.17
(Overpowered Records/Cargo)

Genre:
Death-Rock/Cold Wave/Horror-Punk

Homepage:
VOLKER

Volker heißt ein Kumpel von mir. Das er jedoch neuerdings Death-Rock, unterkühlten DarkWave, Horror-Punk und 90er-Classic Rock mag, entzieht sich völlig meiner Kenntnis. Ein solch interessantes Gebräu erwähnter Stilrichtungen spielt die schlichtweg wie mein Kumpel VOLKER heißende Band, und die lässt es richtig krachen! Harte direkt ins Gesicht schmetternde Gitarrenriffs, lässige Grooves, treibende Drumbeats, heroische Melodien... all das macht mir das hinter 'Dead Doll' stehende Quartett auf sympathisch ehrliche Weise vertraut. Das beste an diesem unverblümt bewußt in die Weichteile tretenden Trip offenbart sich im flexiblen Organ von Frontfrau Jen Nyx, deren umfangreiches Spektrum zwischen garstig Gift und Galle spuckender Attitüde, fiesem Gekeif, heftigem Brüllen, sauber klagendem Cleangesang, melancholisch bittersüß verführerischer Engelsfassade, rotzig heraus geschriener Missbilligung mit charmanter Stimme geäußertem Protest diverse Klischees ausfüllt, dabei auf einem nicht mehr toppend separat eigenständigem Level röhrt. An mancher Stelle kräftig unterstützt von Backgroundvocals nutzt die Shouterin ihr umfangreiches Stimmspektrum, da sitzt jeder Part exakt an vorgesehener Stelle. Ein wenig bin ich da schon geneigt an so manche Parallele diesbezüglich aufweisende jedoch im Gegensatz zu VOLKER nicht im Horror-Punk-bereich behafteter Kapellen wie LAMBRETTA oder LULLACRY kombiniert mit dem rotzräudigen GRAVEROBBERS/DANZIG/MISFITS-Straßenfeeling, sowie einer teils abgedreht in modernem Zeitgeistraster rockenden Variante von MARILYN MANSON zu denken, ansonsten bewegt sich der Inhalt zwischen diversen Stühlen auf kompaktem Soundvolumen, wodurch sich der Franzosenvierer so herrlich erfrischend knackfett im düster-melancholischem Gewand inklusive derber Kanten präsentiert. Für den Inhalt von „Suicide Love Addict“ stand Thriller-Topautor Arno Strobel Pate, und da wir gerade bei Inhalten sind: Hier werden Erinnerungen wach: Der Gedanke an Tim Burtons schaurig schön das Genre parodierende Helloween-Gruselkomödie 'Nightmare before Christmas' kommt des Öfteren hoch. Warnung folgt entsprechend auf dem Fuße: Der zwischen düsteren Rachephantasien, doppeldeutig ausgelegter Seelenverderbtheit, Voodoo-Thematik und schwer in den tieferen Bereich der  Psyche abzielendem Horrorfilmanteil schwankende Inhalt ist für Leute mit schwachem Nervenkostüm ungeeignet. Das Schema nutzt sich je weiter es nach hinten geht, mit der Zeit zwar schon ein wenig ab, doch was macht's, wenn das Gesamtresultat stimmt? Yes! Exakt So muss ein zeitgemäß auf modernem Standard produziertes Album klingen, das wasch echten Punk auf Basis unverhohlener Arschtrittattitüde beinhaltet und mit geradlinig vorwärts gehend hartem Rock kombiniert, unabhängig welchem Hörner-Götzen die Band (wie im Textinlet abgebildet) auch immer huldigt. Welcher grundehrlich überzeugte Punk- und Rockfan (Mitläufer ausgeschlossen!) der satten Härtefaktor verbunden mit nachhaltig wirkender Botschaft über alles schätzt, braucht bis unter die Decke im Schleimtümpel biederer Kommerzmacherei badenden Schlips- & Anzug tragenden Pop-Punk? Unverfälscht grundehrlicher Straßen Punk und -Rock  treten exakt dort ins Gemächt, wo es wehtut. - Hell yeah, das tun VOLKER mit viel Schmackes!

Als Anspieltipps eines außergewöhnlichen Tonträgers der bärenstarke 8,5 von 10 Punkten für sich reklamieren darf, empfehlen sich von rotzräudiger Straßenattitüde durchtränkte Horrorslasher wie „Freaky Bride“, „Obey“, „Suicide Love Addict“ und „Would You Play With Me?“ und  die über eine tote durch Sex wiederbelebte Puppe sich auslassende Horrorphantasiegeschichte „Yell“. Zum Abschluss servieren VOLKER mit dem Remix von „Yell“ noch ein polarisierendes durch Gothic-, Electro-, EBM- und Discoklänge (!) aufgepimptes Experiment, das bewusst die Gemüter spaltet.      

Fazit: Fesselndes Gruselkino mit Intensiv-Schauerfaktor für Horror-Rockfreaks zwischen Dracula, Frankenstein, Creepshow, Texas Chainsaw-Massacre und Die Nacht der lebenden Toten.