Mailer vom  03.12.15
Interviewpartner:  Carl Delius (git.)

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TORIAN

F-R:
Moin Carl, bisher waren eure Fans es gewöhnt alle 2 – 3 Jahre ein neues Studioalbum serviert zu bekommen. Diesmal wurde es „nur“ eine EP. Warum habt ihr euch zu diesem Schritt entschlossen?

Carl:
Hi Mike. Das hatte vielerlei Gründe: Zum Einen haben wir nach dem Release der „Dawn“ die ganzen Jahre wirklich sehr viel gespielt, weil einfach stets gute Angebote reinkamen. Des Weiteren war der Produktionsprozess bezügl. der „Dawn“ sehr anstrengend und nervenaufreibend, ebenso wie der kreative Prozess im Vorfeld. Es ist ja ein Konzeptalbum. Da war man auch in gewisser Weise in ein Korsett gezwängt. Es hat sehr lange gedauert, dass ich danach wieder Songs schreiben konnte und wir die Zeit fanden, diese auch einzustudieren. Wir sind aber, auch gerade durch die Reaktionen auf die EP voller Elan und wieder sehr motiviert, möglichst schnell etwas nachzulegen. Dennoch war es wichtig, zwischendurch etwas rauszuhauen, was einfach gut klingt samt eines guten Performance-Videos, um nicht in der Versenkung zu verschwinden und um nicht mit Album Nr. 4 wieder komplett von vorne anzufangen. Des Weiteren sind die Recordings von 4 Songs ja relativ chillig, vor allem, wenn man produktionstechnisch etwas komplett Neues ausprobieren will...

F-R.:
Mit „Phantoms Of The Past“ habt ihr musikalisch einen, wie ich persönlich finde, weiteren großen Schritt nach vorne gemacht. Wer zeichnet dafür verantwortlich, dass ihr den melodischen Part deutlich ausgebaut habt?

Carl:
Es klingt abgedroschen, aber das war bei mir als Songwriter einfach ein natürlicher Prozess: zum Einen melodischer zu klingen, zum Anderen auch etwas mehr auf den Punkt zu kommen.

F-R.:
Ich persönlich finde es klasse, dass ihr neben zwei neuen Songs zwei alte Stücke neu vertont habt. Was gibt es darüber bei „Diamonds And Tyrants“ zu berichten?

Carl:
Yeah, deshalb passt ja der Titel der EP auch wie die Faust aufs Auge :-) „Diamonds and Tyrants“ ist eine Nummer, die ich Ende der 1990er für meine damalige Band DEADLY SIN geschrieben habe und wo ich neben der Gitarre auch den Leadgesang übernommen hatte. Das gleichnamige Demo ist inzwischen ein Sammlerstück und kann ab und an mal bei Ebay erworben werden. Jedenfalls habe ich immer mit dem Gedanken gespielt, den Song nochmal neu zu machen, weil der einfach zu gut war, als ihn in der damaligen Fassung zu belassen bzw. ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen. Er war in der Zeit auch sowas wie ein Underground-Hit der damaligen sehr überschaubaren Power Metal- Szene. Die Produktion war für damalige Verhältnisse zwar gar nicht übel, und die Vocals, nun ja... Er war es einfach wert, neu eingesungen und fett produziert zu werden. Mein Songwriting hat sich sicherlich weiterentwickelt, aber grundsätzlich sind stilistisch keine Veränderungen wahrzunehmen. Somit reiht sich der Track problemlos in den Torian-Backkatalog ein. In jedem Fall verbinde ich viele schöne Erinnerungen mit dem Song: Die ersten Erfahrungen, wie es ist, außerhalb von den Stadtgrenzen aufzutreten, die Bands des damaligen Power Metal-Undergrounds wie z.B. XIRON, BLACK DESTINY, SAVALLION DAWN, THE WILD MILD und eben auch die frühen ORDEN OGAN und ELVENPATH...:-)

F-R.:
Und warum wurde das Stück „Torian“ noch mal neu aufgenommen?

Carl:
Es ist ja nun so, dass inzwischen ein paar Leute TORIAN kennen. Und wenn ihnen TORIAN ggf. nur entfernt ein Begriff ist, so kann fast jeder die Refrain-Hookline umgehend trälern. Da die beiden früheren Produktionen („Into the Winter“-Demo von 2003 und das Debüt „Dreams Under Ice“ von 2005) nunmal eher Demo-mäßig klingen, war es unserer Meinung nach vonnöten diesen Song in professionellem Soundgewand nochmal rauszubringen, da er, wie schon angedeutet, für den ein oder anderen so etwas wie ein Signature-Song ist...und seit jeher der Schlusspunkt eines regulären TORIAN-Livesets :-)

F-R.:
Wir haben über die Jahre unseres Kennens ja immer mal wieder über die Produktionen der früheren Alben unterhalten und festgestellt, dass ihr bei der Wahl des jeweiligen Studios nicht immer ein glückliches Händchen hattet. Mit „Phantoms Of The Past“ habt ihr erneut ein neues Studio ausprobiert und mit den Greemann Studios von Seeb Levermann (ORDEN OGAN) endlich einen Volltreffer gelandet. Erzähl doch bitte mal, wie das jetzt mit Seeb zustande kam.

Carl:
Seeb kenne ich schon aus DEADLY SIN-Tagen. Wir sind über die Jahre gute Freunde geworden und haben natürlich immer mal wieder über eine diesbezügliche Zusammenarbeit gesprochen. ORDEN OGAN und TORIAN haben ja auch recht häufig zusammengespielt. Und besonders mit den letzten ORDEN OGAN-Scheiben hat er einfach bewiesen, dass er für die Produktion eines Power Metal – Albums einfach der richtige Mann ist. Ich gehe sogar soweit, dass es zumindest für uns keinen Besseren gibt. Ferner spielt der räumliche Faktor mit hinein, da Arnsberg, wo er ja lebt und arbeitet, nicht weit von unserer Homebase Paderborn liegt. Dass er irgendwann mal TORIAN zu einem fetten Sound verhilft, den wir so noch nie hatten, war also längst überfällig.

F-R.:
War Seeb auch für die jetzt deutlich höheren melodischen Parts in euren Songs (mit)verantwortlich?

Carl:
Also, es gab in dem Sinne keinen Eingriff ins Songwriting. Aber man kann durchaus sagen, dass er diese Parts mit der Produktion in einem besonderen Glanz erscheinen lässt.

F-R.:
Stichwort Studioalbum. Ist eigentlich ein neuer Longplayer in Planung und wird oder soll der wieder über ein Label veröffentlicht werden?

Carl:
Der Plan sieht vor, so schnell es irgend geht, genau mit dem Produktionsteam ein Album rauszubringen und das wieder über ein Label. Die EP als Eigenproduktion zu machen war bewusst gewählt, um auch den Labels zu signalisieren, dass wir noch da sind und uns alle Optionen erstmal offenhalten.

F-R.:
Stichwort Label. Dieses Thema möchte ich auch noch mal aufgreifen und deine Meinung dazu erfahren. Ihr habt bei den letzten Veröffentlichungen immer nur kleine Label gehabt, wo unterm Strich nicht viel Positives für euch herausgekommen sein dürfte. Stehst du immer noch auf dem Standpunkt unbedingt eine CD über ein Label oder einen Vertrieb veröffentlichen zu müssen oder würdest du mittlerweile auch den Weg über eine label- bzw. vertriebsfreie Eigenveröffentlichung wählen?

Carl:
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass eine Labelveröffentlichung schlichtweg mehr Sinn macht. Es werden einem einfach viel Arbeit und Kosten abgenommen, vorausgesetzt es wird auch was bewegt. Da haben Sound Guerilla auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten immer einen guten Job gemacht. Da gibt es nichts dran zu rütteln: Die beiden letzten Scheiben wurde alle in den relevanten Magazinen (gut) besprochen und waren bzw. sind in allen Musikläden und Mailordern zu haben etc.

F-R.:
Diese Frage kennst du ja bereits. Kannst du mal eine lustige Anekdote von einer Show oder aus dem Proberaum zum Besten geben, die noch nicht veröffentlicht wurde?

Carl:
Vor ein paar Jahren, ich meine, es war eine Show in Stuttgart, ist Bengt (b.) von der Bühne gefallen. Er war nicht besoffen, und wir wissen bis heute nicht, wie er das hingekriegt hat. Er blieb unverletzt, filmreif sah es dennoch aus :-)

F-R.:
So und nun noch deine persönlichen Schlussworte an unsere Leser, jetzt neugierig gewordene und eure Fans.

Carl:
Kauft Euch die neue EP, welche Euch wegblasen wird und kommt zu unseren Konzerten! Wir freuen uns auf Euch!!!

Danke für das Interview und alles Gute für die Zukunft!
Mike von FFM-Rock                                                       Foto by Torian