Konzert vom 07.04.17   
Support: IMMINENCE, STONEM  

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ANNISOKAY
IMMINENCE
STONEM

Da stand es nun endlich an, mein erstes reines Metalcore Konzert. Wobei, Metalcore war bei den vertretenen Bands ja auch nicht ganz die richtige Bezeichnung, da je nach Band ein anderes Subgenre bedient wurde. Egal, rein ins Getümmel und mal schauen, was der Nachwuchs so zu bieten hatte, der nicht nur bei den Musikern der einzelnen Bands einen recht jungen Altersdurchschnitt aufwies.

STONEM aus Landsberg am Lech, die sich aus FAREWELL TO ARMS Mitgliedern gegründet hatten und seit 2014 live unterwegs sind, eröffneten um 19.00 Uhr vor doch schon recht vielen Besuchern. Mit "Wasted“ und „Reset“ wurde der Querschnitt aus zwei Longplayern zum Besten gegeben, was in der Summe über die 30-minütige Spielzeit doch schon mal recht interessant klang. Ihren Mix aus Modern Metal und Metalcore, bei dem auch gerne mal thrashige Gitarrenlicks ihre Anwendung fanden, nahm das doch schon zahlreich anwesende Publikum eher verhalten auf. Am starken Sologesang, der zwischen Cleanvocals und rauem Shouting geschickt zu wechseln verstand, kann das aber nicht gelegen haben, denn der war für mich als neutralem Beobachter wirklich klasse inszeniert. Vielleicht lag es an den Blastbeats des Schlagzeuges, die doch sehr technisch unterstützt rüberkamen. Dass in diesem Genre mit viel Technik gearbeitet wird, ist bekannt, aber hierauf bezogen war mir das aus dem Background etwas to much. Egal, der 5er hatte alles auch in Sachen Performance gegeben. Ein für mich unterm Strich unterhaltsamer Opener.

IMMINENCE gelten wohl nicht nur in Schweden als vielversprechende Newcomer. Das Quartett aus Trelleborg und Malmö schien hierzulande gerade bei den Mädels bestens bekannt zu sein, denn anders konnte ich mir deren Belagerung der ersten 3-4 Reihen vor der Bühne nicht erklären. Zunächst fiel mir der gestochen scharfe Sound auf, der mit vielen Samples, virtuellem Synthysound und Chören vom Band gespickt war. Zur düsterbunt gehaltenen Hintergrundbeleuchtung wirkten die Strobo-Effekte fast schon wie eine Discoausleuchtung und setzten die an vorderster Bühnenfront agierenden Musiker gekonnt in Szene. Das passte aber wiederum zu der Musik, die umschrieben zwischen Modern Rock/Metal, Post Metalcore angesiedelt werden muss und zudem diverse Elemente aus Alternative und Pop (U 2 dürfen hier durchaus angeführt werden) mit einbezieht. Ganz ehrlich, ich wusste nicht, was ich von dem Ganzen halten sollte. Vor kurzem hatte ich so etwas ähnliches erst mit A Life DEVIDED erlebt, und das prallte mehr oder weniger an mir ab. Hier jedoch gab es jetzt eine deutliche Steigerung in Sachen Teamplay und Professionalität. Ich weiß nicht, wieso in mir der Gedanke an eine Boygroup aufkam? Damit hatte das eigentlich nicht wirklich was zu tun, auch wenn Sänger Eddie Berg ganz genau wusste, wie er mit den jungen Damen vor sich umzugehen hatte. Sein effektbeladener Mikrofonsound trug ein Übriges dazu bei, um einem das durchweg sehr melodisch ausgelegte Liedgut nachhaltig in die Gehörgänge zu schieben. Für mich weitaus interessanter als den Shouter zu beobachten, der von seinem Riser zwischen den Frontmonitoren aus die Mädels unterhielt, war, den Gitarrenlicks zu lauschen. Hier hatte der Gitarrist einige gute auf Lager, die er, wie sollte es auch anders sein, oft auf Augenhöhe mit seinem Sänger posend zur Schau stellte. Die 40 Minuten Spielzeit wurden bis auf „Wine & Water“ und „The Sickness“ mit Songs vom aktuellen Album „This Is Goodbye“ ausgefüllt, wobei eben der Titeltrack und „Broken Love“ und „Up“ bei mir nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. Eine durchaus interessante Band. 

Setlist IMMINENCE:
Diamonds
Broken Love
The Sickness
Ivory Black
Up
Cold As Stone
Wine & Water
This Is Goodbye

Den sozialen Medien sei Dank kam ich im letzten Jahr auf ANNISOKAY. Ich legte mir zunächst deren drittes und damals aktuelles Studioalbum "Devil May Care" zu, um angefixt von diesem geilen, melodisch modernen Metal/Metalcore dann gleich noch mit dessen Vorgänger und Chartalbum "Enigmatic Smile" nachzulegen. Als dann das Quintett bei seinem Stelldichein im Colos-Saal mit den beiden Eröffnungsstücken der aktuellen Langrille begonnen hatte, war eigentlich das schon abgehakt, was ich live von ihnen mal hören wollte. Den Rest des für mich nachfolgenden Musikunterrichts, der sich fast auf die Minute genau über eine Stunde erstreckte, bezeichne ich mal als lehrreiche Beigabe. Shouter Dave Grunewald am Centermikro verstand es hervorragend, das Publikum zu fesseln und zu animieren. Spätestens beim meloagressiven „Naked City” hatte ich den ersten Pit getippt, doch nix da. Zwar hatten die männlichen Gäste direkt vor der Bühne mehr Platz, den sie auch spätestens bei „Thumbs Up, Thumbs Down“ für ein geordnetes Ausrasten nutzten (die Mädels waren zu diesem Zeitpunkt immer noch auf Foto- und Autogrammjagd im Bereich des Merchandise unterwegs – grandios hier die Schnappatmung einer jungen Dame nach einem Selfie mit dem IMMINENCE Sänger), aber ganz entgegen meiner Befürchtung blieb das große Geschubse auch hier aus. Den ersten Circle Pit gab es erst nach Aufforderung bei „Blind Lane“. Junge, Junge, hatte der Song live geschoben und wurde dementsprechend auch vom Publikum abgefeiert. Recht interessant interpretiert fand ich auch die Metalcore-Version von MICHAEL JACKSON’s „Beat It“, denn hier kamen erstmals so richtig die, wie ich finde, starken Cleanvocals vom sonst eher zurückhaltend agierenden Gitarristen Christoph Wieczorek heraus. Aber wie bei diesem Stück auch war der Umstand festzustellen, dass bei den recht kurzen melodischeren Passagen die Jugend ihre Bewegungsaktivitäten zurückfuhr, um ähnlich einem Backdraft mit einsetzenden Shouts ihre Energie gebündelt wieder in Richtung Bühne abzugeben. „Smile“ kann hierfür exemplarisch aufgeführt werden. Bei „Fame“ setzte ein zweiter Circle Pit ein, und „Carry Me Away“ bildete den Schlusspunkt. …ähm Moment, es sind erst 48 Minuten gespielt… Eine schnelle Auflösung folgte sofort. Drei Songs gab es noch in der Zugabe. Hier schob “Day To Day Tragedy” noch einmal so richtig an, und mit einem letzten Moshpit bei „Sky“ verabschiedeten sich Band und Publikum gemeinsam voneinander. Und ein für mich mehr als nur unterhaltsames Konzertereignis, welches definitiv zu meiner Horizonterweiterung beigetragen hat, fand sein Ende.

Setlist ANNISOKAY:
Loud
What’s Wrong
Naked City
Thumbs Up, Thumbs Down
Beat It
Blind Lane
New Autumn Light
Smile
Fame
Carry Me Away
---------
Wolves In The Walls
Day To Day Tragedy
Sky

Persönliche Nachgedanken:
Viele neue Eindrücke beim metallischen Nachwuchs durfte ich auf der von ANNISOKAY angestoßenen „Devil May Care-Tour“, die sich über die Wochenenden im Zeitraum von zwei Monaten mit den heute erlebten Combos zog, für mich gewinnen. Das fing beim bis auf wenige Ausnahmen doch recht jungen Publikum an, das zum einen auffallend viele Festivalbändchen trug und zum anderen sehr viele verschiedene Band-Shirts (nicht nur der hier aufgetretenen Bands) zur Schau stellte. Die Shirt-Motive am Verkaufsstand waren das nächste positive Thema für mich. Skulls und die üblichen Metalmotive suchte man vergeblich. Das Angebotene hier war durchweg vielfältig, ideenreicher und bis auf die ANNISOKAY Shirts (20 €) auch alles für 15 € käuflich zu erwerben. Man hat also auch in diesem Genre erkannt, dass man über den Merchandise viel für seine Band erreichen kann. Auch über das Sponsoring geht da wohl einiges. Einige modern ausgerichtete Unternehmen haben offensichtlich erkannt, dass man in dieser Szene einen neuen Absatzmarkt finden kann, und so haben sich z. B. die Hersteller des Energy Drinks Rockstar und Bitburger Brauerei werbetechnisch auf dieser Tour eingeklinkt. Die Technik stellt ein weiteres interessantes Thema dar. Hier konnte der aufmerksame Beobachter recht schnell feststellen, dass durchaus sehr gutes Equipment gespielt wurde und auf der Bühne zur Verfügung stand. Dass man dieses letztendlich auch beherrschte und zudem auf den nahezu perfekten Sound besonderen Wert legte, ließ in mir die Hoffnung aufkeimen, dass in diesem Bereich für die Jugendkultur doch noch Hoffnung besteht.