Konzert vom 17.05.17
Support: THE UNITY

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SINNER
THE UNITY

Es war am 29.07.2016 im 7er Club in Mannheim, als mich das vermeintlich “neue” SINNER Line Up recht positiv überraschte. Was lag da näher, als eine Show auf der aktuellen „Tequila Suicide Tour 2017“ zu besuchen und eben dieses damals empfundene Partyfeeling noch einmal zu erleben. Bei 28 Grad im Schatten (!) in der Aschaffenburger Innenstadt ging es bereits am späten Nachmittag in den Colos-Saal, um zunächst Interviews mit Michael Ehré (THE UNITY) und Tom Naumann (SINNER) zu führen und anschließend entspannt das Konzert zu genießen.

Entspannung und Genuss sind wohl auch die treffenden Schlagwörter, um den 50-minütigen Auftritt von THE UNITY zu umreißen. Auf dem Papier als ein Sextett agierend traten die Mannen um Bandleader Michael Ehré (dr., GAMMA RAY, Ex-METALLIUM) ohne ihren Keyboarder Sascha Onnen auf dieser Tour an, da dieser aus beruflichen Gründen passen musste. Hatte in Aschaffenburg natürlich den Vorteil, dass man als Support mit eigenem Schlagzeug ein klein wenig mehr Platz auf der begrenzten Bühne zur Verfügung hatte. Den versuchten die überwiegend aus Norddeutschland stammenden Musiker dann auch für sich zu nutzen, um ihr aktuell veröffentlichtes Debütalbum an den Mann/die Frau zu bringen. Allen voran gab sich deren italienische Frontröhre Gianbattista Manenti alle Mühe und kommunizierte (teilweise auch auf Deutsch) zwischen den Songs recht viel mit dem Publikum. Auch wenn einigen Gästen die Bandmusiker durch ihre vorherige Band LOVE.MIGHT.KILL bekannt waren und sie in ihren Reihen sogar noch zwei Musiker von GAMMA RAY (Henjo Richter, git. und eben Michael Ehré) aufzubieten hatten, das hier glich dem sprichwörtlichen „Dreck fressen als Newcomer“ und sah nach richtiger Arbeit aus, um das Publikum für sich zu gewinnen. Derjenige, der das Album bereits kannte, dürfte festgestellt haben, dass der musikalische Mix aus melodischem Heavy Metal und Hard Rock live originalgetreu umgesetzt wurde. Dem Gros der knapp 100 Anwesenden schien das Dargebotene gefallen zu haben, aber es gab vereinzelt auch kritische Stimmen zu vernehmen, denen es (noch) an Eigenständigkeit und dem gewissen Wiedererkennungswert fehlte. Fanfreundlichkeit darf man den Herren jedoch unterstellen, denn sie nahmen sich bis zum sprichwörtlichen „Rauskehren“ geduldig Zeit für Autogramme und Fotos.

Setlist THE UNITY:
1. Rise And Fall
2. Firesign
3. No More Lies
4. God Of Temptation
5. Close To Crazy
6. Killer Instinct
7. Send Me A Sign
8. Never Forget

Mit einem Blick auf die Setlist von SINNER im Vorfeld der Show war klar: Keine Kompromisse, keine Experimente, vier neue Songs, ausreichend Rückbesinnungen an frühere Tage – also erneuter Partyalarm! –, denn auch die Bar auf der Bühne stand an ihrem angestammten Platz, und Barkeeper Neil Witchard war schon unmittelbar vor Showbeginn damit beschäftigt, die ersten Drinks zu mixen. Mein damals gewonnener erster Eindruck vom “möglichen neuen” Line Up hatte sich bestätigt – und wie. Die neue Gitarrenachse Tom Naumann (PRIMAL FEAR) / Alex Scholpp (TARJA) funktionierte prächtig. Auch der Kontakt zur Bar, an der sich heute mit Sascha Krebs (ROCK MEETS CLASSIC) und Frank Beck (GAMMA RAY, RED RAVEN) gleich zwei Gastsänger neben dem guten Neil tummelten, dauerte exakt bis zum vierten Song (“Bad Girl” vom “Touch Of Sin” Album von 1985), als Naumann sich dort seinen ersten Drink holte. Etwas erstaunt und auch ein wenig enttäuscht war ich von der Tatsache, dass Krebs die älteren Stücke sang und hierbei den Opener „Used To The Truth“ völlig in den Sand setzte und bei „Hypnotized“ auch erst in der 2. Songhälfte sicherer agierte, nachdem Naumann und Sinner zusammen mit dem Publikum den Spaßfaktor erhöht hatten. Beck dagegen, zu dem diese beiden Stücke meiner Meinung nach stimmlich besser gepasst hätten, durfte beim neuen „Battle Hill”, im Medley zum POLICE Part mit “Message In A Bottle” (und da hat er mich bei beiden echt positiv überrascht) sowie in der Zugabe bei „Lost In A Minute“ ran. Ansonsten hatten beide durchweg die Chöre zu singen und durften entspannt volle Becher in leere verwandeln. Von den neuen Stücken überzeugten mich live „Tequila Suicide“ und “Go Down Fighting”, wobei letzterer sich als ein Partygroover vor dem Herrn entwickelte. Zu “Danger Zone”, „Knife In My Heart“ und natürlich „Germany Rocks“, dem Abräumer schlechthin in einer SINNER-Show, muss ich sagen: “Danke Mat für’s Spielen”.
Schaute man sich im Publikum um, dürften viele andere anhand ihrer Reaktionen das Konzert ähnlich empfunden haben wie ich. Schade nur, dass an dieser Party lediglich knapp über 100 teilhaben wollten. Wobei, beim Thema „wollten“ gibt es jetzt gleich wieder weitaus mehr mit fadenscheinigen Ausreden, als diejenigen, die es wirklich in die Tat umgesetzt haben.
Mein Motto: SINNER live – jederzeit wieder!

Setlist SINNER:
Used To The Truth **
Comin’ Out Fighting *
Tequila Suicide *
Bad Girl *
Born To Rock *
Battle Hill ***
Sinner Blues *
The Concrete Jungle *
Danger Zone *
Go Down Fighting *
Drum Solo
Hypnotized **
Knife In My Heart *
Rebel Yell * (incl. Medley Message In A Bottle *** & Jailbreak *)
Germany Rocks *
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Lost In A Minute ***
Back On Trail *

Vocals:
* Mat Sinner
** Sascha Krebs
*** Frank Beck

Fotos © by Jan Heesch