Konzert vom 21.06.17

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BLUE ÖYSTER CULT
QUEENSRŸCHE
LIVE MUSIC HALL

Bevor der Bericht durchstartet, noch einige Infos zur gerade so manchem Anhänger der härteren Gangart nicht unbekannten Location. Bei der Live Music Hall kurz LMH handelt es sich um ein saniertes, zur Multifunktionslocation umgebautes Industriedenkmal mit breitem Party, Live-Event-Angebot (Künstler unterschiedlichster Stilrichtungen treten in der LIVE MUSIC HALL auf) und Musikspektrum. Discogängerschaft mit Faible für Heavy Metal der härteren Gangart (Thrash-, Deathmetal usw.) dürfte diese Location durch ihe Metalparty „Rockgarden“ (in deren Rahmen viel klassischer Heavy Metal auch teilweise Metal extremer Stilrichtungen läuft) oder die jeden letzten Samstag im Monat stattfindende 'Cowboys From Hell'-Metalnacht, wo neben üblichen Standards selbst ausgefallene Sachen extremer Gangart gebracht werden, ein sicherer Begriff sein.

Zum Kernthema der Berichterstattung:

Wie sehr habe ich schon seit Wochen diesem Konzerterlebnis entgegen gefiebert. BLUE ÖYSTER CULT (!) mit QUEENSRYCHE im Vorprogramm. Letztere verpassen wir zeitlich gesehen, leider ganz knapp. Grund dafür ist ein längerer Autobahnstau, wodurch wir verspätet in Köln eintreffen. Draußen vor dem Einlass stehen bereits zahlreich Leute in Gruppen versammelt, die sich fleißig unterhaltend etwas trinken, eine Qualmen oder fachsimpeln, im Biergarten sitzen oder einen warmen Imbiss (Bratwurst, Pommes, etc.) zu sich nehmen. WCs befinden sich zu unserer völligen Überraschung draußen auf dem großen Hof, statt wie sonst üblich, drinnen. Gerade innerhalb der Location angekommen, haben QUEENSRYCHE bereits ihren Auftritt absolviert, wir finden nur eine leere Bühne vor, womit ich von der Vorband bedauerlicherweise nichts berichten kann.

Das T-Shirt Angebot am Merch-Stand ist mager, (es sind lediglich eine Handvoll B.Ö.C.-Shirts in minimalster Größe S vorrätig!) womit das Thema schnell gegessen ist. Sicherheitshalber begibt sich unser Trio daraufhin sofort in den Saal, um noch einen guten Platz zu ergattern, womit wir intuitiv genau richtig liegen, geschätzte fünf Minuten später strömt bereits eine größere Menschenmenge Leute in den Saal. Immerhin haben wir unseren Platz sicher. Zunächst schnell zwei Becher Wasser besorgt, die sich zu meinem Erstaunen als Zwergbecher (!) zum happigen Preis von 5 Euro (Pfand eingeschlossen) herausstellen. Hätte ich mir lieber gleich ein alkoholfreies Bier geholt, wäre es günstiger zumal weitaus effektiver gewesen. In der Location des ehemaligen Industriegebiets Köln-Ehrenfeld ist es brutal heiß; dicker Schweiß rinnt mir schon bevor es losgeht, während des Soundchecks triefend über die Stirn und beißend in die Augen. Für bis zur Abartigkeit auf dem Thermometer nach oben kletternde Hochsommertemperaturen ist meine Wenigkeit definitiv nicht geschaffen. Oftmals sind die kleinen Sachen am Nützlichsten. Rechtzeitig kurz bevor die Suppe bedrohlich anfängt in Bächen zu rieseln, bekomme ich ein hilfreiches Stoff-Taschentuch gereicht, das vorteilhafterweise verstärkt Saugkompatibel nicht schon beim ersten Schweiß Abputzen den Geist aufgibt. Normale Haushalts-Papiertaschentücher wären bereits nach Einmal Verwendung gnadenlos durch den Hitzetest gefallen! Künftig habe ich für solcherlei Anlässe Stofftücher parat! Links und Rechts von zwei Getränketheken flankiert wirkt die ausgedehnte Location (deren Fassungsvermögen laut Infoquellen bei ca. 1800 liegt), mit ihrer bunten Lichterfassade beim ersten Blick wie eine Spielhalle. Das Ambiente ist beträchtlich mit Leuten gefüllt etwa zu 80 % besucht (was rundgerechnet 1440 Leuten entspricht), obwohl das Konzert nicht vollständig ausverkauft ist. In der Menge werden auch vereinzelt QUEENSRYCHE-Shirts gesichtet, ansonsten steht - wohin das Auge schaut, BLUE ÖYSTER CULT-Shirt-Trägerschaft versammelt. Klares Signal: Die nächsten zwei Stunden gehören den B.Ö.C.-Anhängerschaft! Das Konzert von 2012 aus der Zeche Bochum noch gut in Erinnerung, sind meine Erwartungen hoch gesteckt. Der Blick zur Bühne offenbart: Eric Blooms schwarze Gitarre mit B.Ö.C.-Symbol bleibt unverzichtbarer Bestandteil, ebenso die optischen Gegensatz dazu bildende Kurzhalsgitarre in Weiß von Donald 'Buck Dharma' Roeser.

Das B.Ö.C.-Symbol des Kreuzes mit Haken steht eigentlich für Chaos und Zerstörung. Davon ist in der Live Music-Hall nichts zu spüren. Der bestens ausgesteuerte immens druckvoll raumgreifende Sound schafft Top-Voraussetzungen für ein intensives Live-Erlebnis. Ein dickes Kompliment geht an den zuständigen Soundmischer. So phantastisch klar wie an diesem Abend in der LIVE MUSIC HALL würde man sich dies oft gern wünschen. Trotz mörderisch drückender Hitze im Ambiente wird das BLUE ÖYSTER CULT-Gastspiel zum prickelnden Emotionsschübe en Masse auslösenden Live-Erlebnis. Statt solidem Standard gibt's einen recht außergewöhnlichen Set, dessen Vorspiel das zum Auftakt vom Band abgespielte binnen weniger Augenblicke heroische Spannung in der Location verbreitende Game of Thrones-Haupt-Intro von Ramin Djawadi bildet.

Allein der sofort im Handumdrehen fett Stimmung auslösende Einstieg mit dem alten 70er-Jahre Bluesrock-Swinger „Stairway to the Stars“ hätte kaum besser gewählt sein können. „The Golden Age of Leather“ ergänzt sich dazu perfekt. Die Band ist gerührt von ihrer treuen Anhängerschaft, die sie zurecht gebührend abfeiert. Eric Bloom steht sein gewohntes Markenzeichen die schwarze Brille tragend auf der Bühne, zeigt öfters ein Grinsen, kündigt Songs an, die er mit dazugehöriger Gestik untermauert. Den Löwenanteil markiert der umfangreiche 70er-Jahre-Fundus der fünf ersten B.Ö.C.- Alben, wovon insgesamt vierzehn Nummern gespielt werden, allein sechs vom Debüt (!) was diesen Auftritt zu etwas ganz Besonderem werden lässt. Die technischen Fähigkeiten der Herren Bloom, Roeser, Castellano, Sulton und Radino bedürfen keiner langen Ausführung, alle Bühnenposen sitzen perfekt. Es dauert keine 15 Minuten..., lautstark dringen in dieser Nacht öfters hörbar zu vernehmende „B.Ö.C., B.Ö.C.“, „B.Ö.C.“- Sprechchöre durch die Luft der Live Musik Hall. Beeindruckt von solch gewaltiger Fan-Resonanz streuen die gesetzteren Herrschaften neben so manchem Klassiker eine Reihe extrem seltener mächtig Adrenalin freisetzender Live-Perlen ins Publikum: „Before the Kiss, The Redcap“, „Screams“, „She's as beautiful as Foot“, „Dancing in the Ruins“, „I Love the Night“ komplettieren vorläufig das Raritäten-Kabinett (hinzu gesellen sich später „True Confessions“ und „Tatto Vampire“). Kampferprobte Alltimeklassiker („Burning For You“, „Me 262“, sowie der chillig sphärische Groover „Black Blade“) halten das phantastische Stimmungslevel zwischen durch aufrecht. Für den ultimativen Konzerthöhepunkt sorgt ein über zehn Minuten ausgedehntes zum Mega-Epos inklusive fetter Gitarrenorgie wachsend magisches Atmosphären-Level erreichendes „(Then Came the) Last Days of May“. Das Triple „The Vigil“, „True Confessions“ und „Tattoo Vampire“ fügt sich nahtlos ein, danach liefern sich Richie Castellano an der giftgrünen Axt und Donald 'Buck Dharma' Roeser“ den „Bucks Boogie“, eine zum gigantischen Feuerwerk ausartende Rock and Roll Gitarrenorgie vom Feinsten. Für weiteren Klassikeralarm sorgt ein aus dem TV-Fernsehen bekannter Riesen-Dino, der kräftig Bewegung in die Masse bringt: „Godzilla!“ Bei der Jahrhundert-Hymne „Don't Fear The Reaper“ deren Refrain fleißig in donnernder Lautstärke mitgesungen durchs Ambiente schallt, dreht der ganze Saal programmgemäß kollektiv durch, ehe BLUE ÖYSTER CULT den begehrten, ebenso wenig verzichtbaren Schlussakkord „Cities on Flame with Rock and Roll“ als geforderte Zugabe setzen. Danach verabschieden sich die fünf Musiker artig ins Publikum winkend von ihrer treuen restlos überzeugten laut jubelnd applaudierenden Anhängerschaft, womit ein berauschender Livetrip endet.

Kleines Nachwort zum Livekonzert:

Ungewöhnlich erscheint zunächst das Weglassen von „Joan Crawford“ und „The Red and the Black“, was durch die alten Perlen vom Debüt hinreichend zur Genüge kompensiert wurde. Wenn im Fundus dieser Raritäten-Schatzkiste vielleicht noch etwas gefehlt hat, dann wären es für mich Hymnen im Stile von „Astronomy“ oder „Veterans of the Psychic Wars“ gewesen, aber das ist Klagen auf hohem Niveau. BLUE ÖYSTER CULT zählen wie das beeindruckende Gastspiel in Köln zeigte, definitiv ohne Wenn und Aber zu meinen Top-5 Alltime Faves in Sachen Hardrock, daran werden sowohl künftig kommende als auch gehende Szenetrends überhaupt nichts ändern!

Fazit: Auf BLUE ÖYSTER CULT ist Verlass. Gedanklich im Kopf abgespeichert bleibt ein musikalisch wie temperaturgemäß (viel zu) heißer im Zeichen des Blauen Austern-Kultes stehender Konzertabend einer zuverlässigen Konstante mit herrlich viel facettenreich zeitlosem Classic-Rock aus dem Lehrbuch, der sich lohnte. Hoffentlich machen sich BLUE ÖYSTER CULT nicht erneut extrem rar, denn wer weiß, wie lange diese ebenfalls in die Jahre gekommenen Hardrock-Dinosaurier, die in punkto Leidenschaft und Können keinen Deut schlechter als die zwei großen Hardrockacts aus England abschneiden, (bezogen auf DEEP PURPLE und URIAH HEEP) überhaupt noch aktiv bleiben. Das war großes Kino in Köln, - einer Legende wie BLUE ÖYSTER CULT zweifellos eine sind, absolut würdig. - Cities On Flame - with Rock and Roll!

Hier die umfangreiche Setlist zum einzigen BLUE ÖYSTER CULT-Deutschland-Gig 2017:

(Ramin Djawadi song)
01. Stairway To The Stars
02. Golden Age of Leather
03. Before the Kiss, a Redcap
04. Screams
05. She's as Beautiful as a Foot
06. Burnin' for You
07. ME 262
08. Dancin' in the Ruins
09. Black Blade
10. I Love the Night
11. Then Came the Last Days of May
12. The Vigil
13. True Confessions
14. Tattoo Vampire
15. Buck's Boogie
16. Godzilla
17. (Don't Fear) The Reaper
Zugabe:
18. Cities On Flame with Rock and Roll

Fotos: Michael Toscher