Konzert vom 12.07.17
Support: MAXXWELL

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LEE AARON
MAXXWELL

Die Supportband fiel heute fast der Kombination Dayjob, Starkregen und einem Stau an einer Baustelle auf der Autobahn kurz vor Aschaffenburg zum Opfer. Von den gut 45 Minuten Spielzeit der Schweizer Hardrocker MAXXWELL bekam ich deshalb nur die letzten 20 Minuten mit. Das Quintett versuchte seinen klassisch ausgelegten, schnörkellosen Hard Rock, der im Fahrwasser ihrer Landsleute von KROKUS und GOTTHARD angesiedelt ist, dem durchaus heute mal älteren Publikum darzubringen, was sich im Colos-Saal aber als Schwerstarbeit herausstellte. Da konnte der Sänger versuchen zu interagieren wie er wollte, der Funke wollte einfach nicht so recht überspringen. Zwar wuchs mit der Dauer der Show die Zahl der Besucher an, aber das lag wohl mehr am erwarteten Hauptact und so sprang mehr als Höflichkeitsapplaus nach den Songs nicht für die Eidgenossen heraus. Trotzdem konnte man den ein oder anderen neuen Fan dazu gewinnen, wie man am Merchandise sehen konnte.

Ich wage mal zu behaupten, dass alle der heute gut 160 Anwesenden auf Karen Lynn Greening warteten. Die heute 55-jährige Kanadierin, besser bekannt unter LEE AARON, hatte sich in den letzten drei Dekaden in Europa sehr rar gemacht und bereits vor vielen Jahren auch gänzlich aus der Hard Rock / Metal Szene verabschiedet, um sich dem Jazz zuzuwenden. Wie aus dem Nichts erschien nach 22 Jahren im letzten Jahr mit “Fire & Gasoline” ein neues Rockalbum der einstigen Queen Of Heavy Metal, wie sie damals bezeichnet wurde. Ohne große Erwartungen ging ich heute auf dieses Konzert, um später wenigstens einmal sagen zu können: LEE AARON, ja hab ich auch mal gesehen. Dass mich dieser Laufende-Meter-Sechzig jedoch so überzeugen würde, hätte ich mir nie träumen lassen. War ich bei den ersten beiden doch sehr poppigen Songs noch recht skeptisch, wuchs mein Interesse jedoch mit “Rock Candy” vom neuen Album. Gefühlte 20 Jahre hab ich keine(n) Sänger(in) mehr auf der Bühne gesehen, der/die das Mikro am Kabel so oldschool kreisen ließ. Und nicht nur beim nachfolgenden Titeltrack dieses Longplayers hängte sich die Rocklady sogar selbst mal ihre Fender um und zupfte kräftig an dessen Saiten.



Mit dem Doppelpack „Powerline/Lady Of Dark“ begann letztendlich die Überzeugungsarbeit des Energiebündels auf der Bühne betreffend meine Person. Zu meinen persönlichen Highlights entpuppten sich „I’m A Woman”, eine bluesgetränkte Nummer mit ihren kleinen progressiven/jazzigen Ausflügen und eben dieser wandelbaren rauchig rollenden Stimme, sowie “Mistreated”, eine hervorragend gesungene Coverversion des DEEP PURPLE-Klassikers. Stark war auch ihre Band besetzt, wobei Sean Kelly (Ex-HELIX) an der Gitarre ein ums andere Mal brillieren konnte. Während der Bassist für posende Momente mit seiner Sängerin herhalten musste, beschäftigte sich der Keyboarder mit seinen Tasten und als 2. bzw. 3. Gitarrist sowie als Chorsänger. Dass alle Akteure auf der Bühne ihren Spaß hatten, war deutlich sichtbar. Frau Greening erzählte zwischen den Songs kleine Anekdoten oder bat einen Gast aus der ersten Reihe bei  “Whatcha Do To My Body“, der später als “Alexander the Great” mehrmals noch Erwähnung finden sollte, kurzerhand ans Mikrofon, um mit ihr ein Mitsingspielchen amüsant zu gestalten. Mir selbst aber bereitete mehr die musikalische Aufarbeitung der älteren Stücke zum Ende hin und die beiden Zugaben noch einmal richtig hohen Unterhaltungswert bei der heutigen Zeitreise in die 80er und 90er. Karen Lynn hingegen, die scheinbar jede Minute der Publikumsresonanzen aufgesaugt hatte, genoss unmittelbar nach der Show zudem noch das hautnahe Zusammentreffen mit ihren zahlreich wartenden Fans, was man bei 30 € Eintritt aber auch verlangen konnte.

LEE AARON Setlist:
Tom Boy
Hands On
Rock Candy
Fire & Gasoline
Diamond Baby
Powerline / Lady Of Dark
I'm A Woman
Baby Go Round
Some Girls Do
Sex with Love
Mistreated
Whatcha Do To My Body
Barley Holdin On
Metal Queen
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Hot To Be Rocked!
Odds Of Love



Fotos © by Denis Hedzet & Mike Langer