SwedenRock: weitere Bands; Ein-Tages-Tickets im VVK
So langsam gehen die Vorbereitungen für die großen Sommerfestivals in den Endspurt, auch bei beim legendären schwedischen Open Air nimmt das Billing Formen an.
Allerdings leiden die Headliner-Positionen wie bei vielen anderen unter der Absage von TWISTED SISTER, die aufgrund von Dee Snider´s Gesundheitszustand ihre Tour zusammenstrichen und nun mit Sebastian Bach als Sänger nur in den USA auftreten. Dafür habe sich einige andere Hochkaräter vom 04. – 07. Juni 2026 im südschwedischen Sölvesborg angekündigt. Zudem sind nun auch Ein-Tages-Tickets erhältlich, während einige Kategorien bereits ausverkauft sind.
Ganz oben in der Liste findet sich YNGWIE J. MALMSTEEN wieder, einer der ganz großen Gitarrenhelden der Achtziger. Zuletzt wurde es ruhiger um ihn, auch wenn er mit einem Blues-Album immer noch zu überraschen weiß. In Europa war er schon länger nicht mehr unterwegs, weswegen das Gastspiel in seinem Heimatland für Furorre sorgen dürfte. Schließlich hallten Hits wie „You Don´t Remember, I´ll Never Forget“ oder „I Am A Viking“ zuletzt 2005 durch die Norje Bucht.
Ebenfalls kultig verehrt sind heute noch SHOTGUN MESSIAH, die im Land der Elche auf den Spuren des Shreddmaster wandelten. Nun haben sich Sänger Zinny Zan (auch bekannt von EASY ACTION) und Gitarrist Harry Cody wieder zusammengerauft und bringen ihr selbstbetiteltes Debüt unter dem Banner ZAN/CODY auf die Bühne.
Ebenfalls eine große Nummer in der Dekade waren WILMER X, die jedoch bis heute unterwegs sind und 2022 noch einmal ein Nummer Eins-Album landen konnten. Zum SwedenRock haben die Herren eine besondere Beziehung, schließlich fad 2018 dort ihr eintausendstes Konzert statt. Nun kommen Hymnen wie „Teknikens Under“ oder „För Dum För Pop“ zurück dorthin und schlagen ein neues Kapitel der bereits mit einer Doku geehrten Karriere ein.
Zu deren musikalischen Erben gehören sicher CRASHDIET und ECLIPSE. Waren erstere im schwedischen Hair Metal-Revival früh dabei, so sind die Jungs u Erik Mårtesson das derzeit heißeste Eisen im Feuer der Szene, wie die jüngsten „Megalomanium“-Alben belegen. Von der Popularität nicht weit dahinter komplettieren SISTER ein Trio, das die Langlebigkeit dieser Spielart in Skandinavien belegt. Dahin wollen auch STREVELLNA, die in ihrer kurzen Karriere schon zwei Longplayer am Start haben und in ihrer Muttersprache singen. Das tun auch KORSLAGDA gelegentlich, die das Happening 2025 eröffnet haben und nun mit „King Of Rock´n´Roll“ nochmal dabei sein dürfen.
Lange war spekuliert worden, ob Dino Jelusick nicht von David Coverdale zu dessen Nachfolger erkoren wird. Doch nach dem Ende von WHITESNAKE kümmerte sich der Kroate um seine Solokarriere und veröffentliche und JELUSICK zwei Scheiben, die dem Hard Rock interessante Innovationen bringen.
Auch relativ rar gesät sind schwarze Frontleute, in dem Genre, als Frau stellt NIKKI HILL eine noch größere Ausnahmeerscheinung dar. Sie gilt als Energiebündel auf der Bühne und mischt Riffrock mit sehr souligen Vocals.
Noch mehr im Blues verwurzelt ist der hünenhafte JARED JAMES NICHOLLS, dessen Riffs seine optische Power durchaus repräsentieren. Mit drei Alben im Gepäck soll bis zu seinem Auftritt noch ein weiteres folgen, wobei er dort kein Unbekannter ist, gehörte er doch 2019 zum Line-Up.
In dem wiedererstarkten Genre will Schweden auch mitmischen und schicken die BLUE BENDERS ins Rennen. Die sorgten mit ihrer EP „Strike One“ 2023 für Furore und haben nun ihren ersten Longplayer „Do Not Apologize“ vorgelegt. Auf dem loten sie alle Möglichkeiten der Spielart, vom Funk über Soul bis zum Rock aus.
Noch bevor in den Nullerjahren die Symbiose auf Folk und Metal große Erfolge feiern konnte, waren ELVENKING schon am Start. Im Gegensatz zu vielen Vertretern dieser Richtung war bei ihnen Power Metal die Basis. Zwölf Alben haben die Italiener schon am Start, „Heathenreel“ oder „The Pagan Manifesto“ gehören sicher zu den Klassikern der Szene.
Sogar noch früher fingen SKYCLAD damit an, beide Welten zu verknüpfen, aber irgendwie wurden die Briten von der Entwicklung eingeholt. Ursprünglich als Projekt gegründet war die Formation in den Neunzigern sehr aktiv, hat aber in den letzten 25 Jahren nur drei Longplayer releast. Dennoch ist ihr Stil mit der Geige von Georgina Biddle ein absolutes Unikum, das viele Musiker beeinflusst hat.
Der Folk Metal driftete Ende der Nullerjahre öfter in den Klamauk ab, wobei ALESTORM da einer der wertigeren Vertreter waren. Sie mischen viel Humor bei, verlieren aber nie das Musikalische aus den Augen. Zudem stießen sie mit ihrer Piratenthematik ein ganzes Genre an.
Bombastischer lassen es da MAJESTICA angehen, die Band des früheren SABATON-Gitarristen Tomy Johansson. Der übernimmt bei seiner eigenen Combo auch den Gesang, die zum Metal auch epische Filmscores mischt. Im letzten Jahr erschien mit „Power Train“ ihre drittes Album, das sie bei ihrem ersten Gastspiel sicher vorstellen werden.
Mit epischen Klängen kennt sich FLOOR JANSEN sehr gut aus, mi AFTR FOREVER war sie vorne beim niederländischen Boom der Female Fronted Symhonic-Welle. Dazu hat sie viele Gastauftritte bei Projekten wie AYREON oder AVANTASIA vorzuweisen. Eigentlich war sie anch dem Ausstieg von Tarja Turunen schon Favoritin auf den Gesangsposten bei NIGHTWISH, denn sie erst später annahm. Beim SwedenRock wird sie ihre demnächst erscheinende zweite Soloplatte vorstellen.
Bei den härteren Acts ist ja immer der gute alte Thrash Metal bei dem Festival gefragt. Einer der populärsten und fleißigsten Vertreter des Genres kehrt nach 15 Jahren dorthin zurück, OVERKILL sind eine der Bands, die ich bei meinem ersten Besuch 2005 sah. Derzeit befindet sich das einundzwanzigste Studioalbum in der Mache, ein Zeichen, dass die „Wrecking Crew“ um Blitz und D.D. nicht müde wird.
Aus der Schweiz kommen einige Kultbands, bei dem Thema liefern CORONER einen wichtigen Beitrag. In der Hochphase des Genres zelebrierten sie auf fünf Scheiben eine technisch anspruchsvollere Version dieser Metalgattung. Sänger und Gitarrist Tommy Vetterli war danach viel unterwegs, unter anderem mit KREATOR als Station, um nun seine Formation wieder an den Start zu bringen. „Dissonance Theory“ lautet der Titel des letztjährigen Comebacks.
Natürlich wissen die Einheimischen da auch ihr Schärflein beizutragen und schicken HOSTILIA ins Rennen. Die haben im vergangenen Jahr nach einigen EPs und Singles mit „Face The Fire“ ihr Debüt veröffentlicht, wer im Titel Bezüge zu OVERKILL findet, darf diese behalten.
Noch eine Spur heftiger gehen ihre Landsleute von ADEPT ans Werk, zählen sie zu den führenden Metalcorebands Schwedens. Mit vier Alben in der Blütezeit des Genres waren sie ganz vorn dabei, bis 2016 erst einmal Schluss war. Doch im letzten Jahr kehrte der Fünfer mit „Blood Covenant“ zurück.
Zu den absoluten Exoten des Genres zählen die Kolumbianer SYRACUSAE, die auch djentige und proggige Anleihen ihrem Sound hinzufügen. Da sie sich vor allem als Liveband einen Ruf erspielt haben, dürften sie auch auf dem SwedenRock neue Fans hinzugewinnen.
Zu den legendärsten Figuren der extremen Szene gehört Pelle Gustafsson, der Frontmann von NIFELHEIM, der sich als HELLBUTCHER seine Reputation erarbeitet hat. Mit seinem selbstbetitelten Projekt veröffentlichte er 2014 das selbstbetitelte Album, das den Black Metal erschütterte. Live werden bekanntermaßen keine Gefangenen gemacht, wovon wir uns in Norje überzeugen können.
Auf den Spuren großer Helden aus den Sümpfen Floridas sind die Wüstensöhne aus Arizona unterwegs. GATECREEPER haben drei Alben voll klassischem, rohen Todesblei veröffentlicht, zuletzt 2024 mit „Dark Superstition“.
Aus den anderen Sümpfen sind DOWN entstiegen, der Titel ihres bahnbrechenden Debüts „Nola“ belegt das, steht er für New Orleans, Lousiana. Die Supergroup um Mitglieder von PANTERA, COC, CROWBAR und EYEHATEGOD hat den Sludge geprägt wie niemand sonst. Nach 15 Jahren wurde es Zeit, dass die Maßstäbe setzende Formation wieder das SwedenRock zerlegt.
Generell nehmen die Neunzigerthemen immer mehr Platz ein im Biling, wobei CLAWFINGER zu den Pionieren des Crossover zählen. Ihr Debüt „Deaf Dumb Blind“ war ein Meilenstein, die Schweden anschließend Hitgarant. Nach sehr langer Pause kehrten Zak Tell und seine Jungs gerade mit „Before We All Die“ zurück.
Da schließen sich STATIC-X direkt an, deren Karriere immer wieder von Skandalen durchzogen wurde. Eigentlich war die Geschichte der Industrial Metal-Vorreiter beendet als Wayne Static 2014 verstarb. Doch der mittlerweile bei FEAR FACTORY tätige Bassist Tony Campos trommelte die verbleibenden Gründungsmitglieder zusammen und hält sein Erbe hoch.
Auch wenn sie bislang nur eine EP veröffentlicht haben wollen UNPEOPLE dem Sound zu neuen Höhen verhelfen. Shon vom Erscheinungsbild her bestätigen sie ihre Einflüsse von PRONG oder SOUNDGARDEN.
Ein großer Protagonist jener Dekade war JOHN 5, der mit Marylin Manson oder Rob Zombie unterwegs war. Neben seiner heutigen Tätigkeit für die Crüe hat er im letzten Jahr mit „Ghosts“ sein elftes Instrumentalalbum veröffentlicht. Dessen abgefahrenen Klänge kann man dann in Sölvesborg lauschen.
Wie jedes Jahr gibt es vom Förderprojekt New Music In Sweden (NEMIS) einen Wettbewerb, bei dem sich unbekannte Künstler um einen Slot bewerben können. Zu den wie immer acht ausgewählten Formationen gehört auch S.O.R.M, die der Verfasser dieser Zeilen als Opener für NIGHT FLIGHT ORCHESTRA sah. Neben den Heavy Rockern kommen die Retro Rocker THE STRIDERS und die Garage Rocker OCCRASY zum Zug.
Bei BRONZE mischen zwei spanische Zwillinge mit, die in Norden gelandet sind, von dort kommen offensichtlich die Viking Metaller FROM NORTH. Noch heftiger geht die Modern Metalformation KLPS, die Metalcoreler LÝSIS und die todesgestählten ABANDON AGONY zu Werke.
Mittlerweile sind auch die 1-Tages-Tickets erhältlich, auch hier nur exklusiv über Ticketmaster, zum Preis von je 1798 SEK.
Quelle: Rainer Petry

