REBECCA GABLÉ - Hiobs Brüder

VÖ: bereits veröffentlicht
(Lübbe Audio)

Homepage:
www.luebbeaudio.de

Klapptext:

England 1147: Eingesperrt in einer verfallenen Inselfestung, fristen sie ein menschenunwürdiges Dasein, weil sie nicht zu den Kindern Gottes zählen: Simon hat die Fallsucht. Edmund hält sich für einen toten Märtyrerkönig. Regy ist ein Mörder und so gefährlich, dass er an einer Kette gehalten werden muss. Losian hat sein Gedächtnis und seine Vergangenheit verloren. Ausgerechnet Letzterem fällt die Führung dieser sonderbaren Gemeinschaft zu, als eine Laune der Natur ihnen den Weg in die Freiheit öffnet. Er bringt die kleine Schar zurück in die "wirkliche" Welt, wo Hunger, Not und Rechtlosigkeit herrschen. Auf ihrer Reise gelangt er zu erschreckenden Erkenntnissen über den Mann, der er einmal war. Und gerade als er einer Frau begegnet, mit der ein Neuanfang möglich scheint, beginnt Losian zu ahnen, dass er die Schuld an dem furchtbaren Krieg trägt, der England zugrunde zu richten droht ..

Gelesen von Detlef Bierstedt

Kritik:

Bereits nach wenigen Minuten wird der Hörer in die Handlung gesaugt und ist in der Lage, sofort eine Beziehung zum jungen Simon de Clare aufzubauen. Von der Gesellschaft aufgrund seiner Fallsucht ausgeschlossen, wird er von Mönchen auf einer verlassenen Insel in eine halb verfallene Festung gesperrt, in welcher – von der Menschheit vergessen und ohne Kontakt zur Außenwelt – andere Menschen mit Behinderungen oder Gebrechen wie Tiere gehalten und sich selbst überlassen werden. Schnell fügt sich Simon in die kleine Gesellschaft seiner Leidensgenossen ein und lernt diese kennen. Allen voran Losian, der sein Gedächtnis verloren hat, später mehr und mehr die Verantwortung für die kleine Gruppe übernimmt und sich im Verlauf der Handlung neben Simon zur zweiten Hauptperson entwickelt. Als es der kleinen Gruppe gelingt, die Insel zu verlassen, beginnt eine abenteuerliche Reise, auf welcher ein jeder seinem Schicksal begegnet und zum Erstaunen der Umwelt über sich hinaus wächst. Rebecca Gablé erzählt eine höchst unterhaltsame und bisweilen spannende Geschichte, in welcher historische Persönlichkeiten wie Henry Plantagenet zum Leben erwachen und liebevoll charakterisiert werden. Es gelingt ihr dabei, die Geschichten der fiktiven Gestalten in einen historischen Rahmen zu betten, der dem Hörer nebenbei ein wenig englische Geschichte vermittelt, ohne zu langweilen. Außerdem greift sie dabei ein Thema auf, das auch einen aktuellen Bezug zur Gegenwart besitzt: Menschen am Rande der Gesellschaft. Fein arbeitet sie die Beziehung eines jeden der Gruppe zu sich selbst, seinem „Gebrechen“ und seiner Umwelt heraus, allen voran Simon, dem es durch Übernahme von Verantwortung endlich gelingt, sich selbst zu akzeptieren und sein Selbstmitleid, das ihn stets ausgebremst hat, zu überwinden. Sie zeichnet somit zumindest bei den Hauptpersonen interessante Charaktere, die sich im Verlauf der Handlung – anders als in manch anderem ihrer Romane – nachvollziehbar entwickeln. Leider bleiben im Gegenzug dazu andere Personen der Handlung eher ganzzeitig im Hintergrund und/ oder charakterlich relativ flach, obwohl diese auch Potenzial geboten hätten. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist auch die Auflösung des Geheimnisses um den dunklen Fleck ins Losians Vergangenheit, das zu seinem Gedächtnisverlust geführt hat. Ähnlich schon wie auch im letzten großen Historien-Roman Gablés, „Das Haupt der Welt“, wird auch hier das groß aufgebaute Geheimnis des Protagonisten etwas ungeschickt und platt gelöst. Hier hätte man eindeutig etwas phantasievoller zu Werke gehen können. Insgesamt schadet es aber dem Roman nicht wirklich; es nimmt ihm nur ein wenig die Würze. Der Epilog rundet die Geschichte noch einmal auf sehr originelle Weise und mit einem Augenzwinkern ab. Wolfgang Bierstedt trägt das Hörbuch wie immer sehr gelungen und differenziert mit seiner angenehmen, warmen Lesestimme. Akustisch wird das Hörbuch mit wenig, aber gezielt gestreuter Geräuschkulisse untermalt, welche die Stimmung gekonnt verdichtet, ohne sich unangenehm in den Vordergrund zu drängen. Auch die dezente mittelalterliche Musikuntermalung ist sehr gelungen und rundet den Hörgenuß perfekt ab.

Fazit: Gelungener, bunter Historienroman mit Wortwitz, vielen Wendungen und leisen ernsten Untertönen

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