OHRENKNEIFER - Roch

VÖ: 16.03.18
(Ohrenkneifer)

Homepage:
www.ohrenkneifer.de

Klapptext:

Das heutige Deutschland, kurz vor den Bundestagswahlen. Ein Serienkiller entführt Spitzenpolitiker der rechtspopulistischen NKD und tötet sie auf brutale Weise, indem er ihnen mit einer Bohrmaschine die rechte Gehirnhälfte zerstört. Eine SOKO um Judith Frigge und Heiko Sass soll
den Fall aufklären, tappt aber im Dunkeln. Unterdessen wird durch eine tragische Verkettung privater Lebensumstände der Ex-Polizist Martin Bohm zum Fahrer der NKD-Spitze und verhindert dabei die Entführung des Vorsitzenden Klaus Rasche durch den Killer. Bei den anschließenden Ermittlungen stößt die SOKO auf Zusammenhänge zu einem sehr ähnlichen Fall von vor 10 Jahren, in dessen Aufklärung Martin Bohm auf traumatische Weise verwickelt war. Ist er vielleicht der Schlüssel zu dem Fall? Oder ziehen ganz andere Mächte im Hintergrund die Fäden?

Sprecher:

Judith Frigge - Christiane Marx
Heiko Sass - Robert Frank
Martin Bohm - Marc Schülert
Viola Reiss - Julia Thurnau
Klaus Rasche - Dirk Hardegen
Gerd Hansen - Richard Barenberg
Staatsanwalt Jakuschek - Martin Sabel
Menger - Detlef Tams
Henning Lauermann - Oliver Kube
Susanne Bohm - Elena Wilms
Klara - Ruby M. Lichtenberg
Peters - Urs Fabian Winiger
Hannes Schwenger - Uve Teschner
Mirko Lenz - Elmar Börger
Frau Krämer - Gabriele Blum
Gerichtsmedizinerin Lisbeth - Alianne Diehl
Frank von der Spurensicherung - Kim Hasper
Frau Wenner - Katja Pilaski
Maren - Vanida Karun
sowie - Christian Gailus, Stephan Chrzescinski, André Beyer, Elmar Krämer, Silke Schülert, Jens Wenzel, Tanya Kahana, Timo Kinzel, Tom Steinbrecher, Paul Burghardt, Patrik Velicka, Markus Raab

Kritik:

Ohrenkneifer, ein Label, das für extravaganten und tiefgreifenden Themen-Stoff steht. Nach Ausflügen in den Wilden Westen (Blutige Fährten) und in den Weltraum (Iris) kehrt man mit „Broch“ zurück ins Hier und Jetzt mit brandaktuellen Themen wie Rechtspopulismus, Islamismus und Integration. Dies alles ist aber nur schmückendes Beiwerk, um dem roten Grundfaden der Handlung ein Umfeld zu geben. Brutale Morde an Politikern lassen die dunkle Vergangenheit von Ex-Cop Martin Bohm wieder an die Oberfläche seines verpfuschten Lebens perlen. So steht dieser im Mittelpunkt der Geschichte, die sich über sehr weite Strecken an den darin verwobenen Charakteren festbeißt. So steht neben den Morden des bis zum Schluss gesichts- und stimmlosen Killers zum Großteil das Seelenleben und die Probleme der Hauptakteure im Fokus, bis sich langsam und schleichend die wahren Zusammenhänge des Falls entfalten. Als „Tatort“ für die Ohren möchte ich „Broch“ bereits hier benennen. Die Mischung stimmt. Rollen mit Ecken und Kanten, denen man aber doch eine gewisse Sympathie offeriert. Spannende Momente und Fallfindung sowie ein eher unerwartetes, dramatisches Ende dominieren dieses 170 Minuten lange Hörspiel. Autor Christian Gailus, der sich bereits mit „Glashaus“ einen Namen machen konnte und eng mit Schöpfer Marc Schülert zusammenarbeitete, hinterlässt hier über weite Strecken seinen eigenen Charme und kreiert somit einen gewissen Wiedererkennungswert. (Keine Ahnung warum die beiden Glashaus-Staffeln bei Audible so gefloppt sind, denn Glashaus ist ein brillantes, hyperrealistisches Thrillermeisterwerk !). Die Sprecher agieren ganz hervorragend. Das wörtlich zu nehmende „Spiel“ vor dem Mikro besticht und spricht mit seinem Ergebnis klar für die Arbeitsweise des Ohrenkneifers. Die Soundeffekte messen sich zwar nicht mit anderen cineastischen Hörspiel-Produktionen voller berstenden Klangkaskaden, beweisen aber viel Liebe zum Detail und zeigen einen angestrebten liebevollen Realismus. Musikalisch entfaltet sich hier viel Tiefe. Die Szenen wurden thematisch hervorragend verpackt und die düsteren John Carpenter Stücke gegen Ende entfalten eine traumhaft drückende und spannende Atmosphäre.
Fazit: Wer die Produktionen des Ohrenkneifers kennt, weiß, dass der jährliche Output sehr gering ist, die Qualität und die Themenwahl dafür umso besser und ausgefeilter. Dies gilt auch hier. „Roch“ ist ein düsterer, packender Krimi / Thriller, der keinerlei Makel besitzt. Zieht man andere Hörspiele als Referenz zur Hilfe, würde ich hier „Glashaus“ oder die „Wallander“ Reihe des Hörverlages benennen, die ähnlich intensiv in ihrem Grundton gestaltet wurden. Neben dem knapp 3-stündigen Hörgenuss versüßt man den Kauf der CD-Version mit einem obligatorischen und sehr sympathischen Making Of zur Entstehung von „Roch“. Verdiente 9 von 10 Punkte und dem Aufruf: Gerne mehr von so etwas !

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