ALVIN LEE - Saguitar

VÖ: 21.09.07
(R.A.R.E. Records / H’Art)
Style: Bluesrock
Homepage:
www.myspace.com/alvinleerocks
Alvin Lee dürfte vielen noch als begnadeter Gitarrist von Ten Years After im Gedächtnis sein. Nachdem man von den Bluesrockern schon seit Jahrzehnten nichts Erwähnenswertes mehr vernehmen durfte, schickt sich Herr Lee nun an, dem Rock’n’Roll von einst wieder neues Leben einzuhauchen. Und wenn man die ersten Töne seiner Soloplatte „Saguitar“ vernimmt, so muss man ihm attestieren, ein echtes Zeitdokument geschaffen zu haben. Kein aufgewärmter oder rotziger Rock ohne Roll, sondern ein Song wie „Anytime u want me“, der ohne weiteres in den 50igern gemeinsam mit Elvis Presley und Bill Haley aus einer Jukebox hätte klingen können. Das minimalistisch eingespielte Schlagzeug verstärkt dieses Flair noch zusätzlich. Leider ändert sich dies auch im weiteren Verlauf des Albums kaum. Die Drums sind wirklich nicht mehr als Taktgeber und spätestens bei „Rapper“ kommt dann der Verdacht auf, dass hier ein Drumcomputer seine Dienste leistete. Zwar passen hier die geloopten Beats zur Stimmung des Songs, doch kann man das nicht vom restlichen Album behaupten. Bei einem Blick ins Booklet fällt auf, dass zwar der ein oder andere Gastmusiker (darunter auch Lees jahrelanger musikalischer Weggefährte Tim Hinkley an den Keyboards) geehrt wird, aber ansonsten keine anderen Musiker Erwähnung finden. Es scheint gar so, als hätte Alvin Lee sein Soloprojekt im Alleingang eingespielt. Wer daraus ein Gitarren fokussiertes Machwerk des Saitenhexers gedeutet hat, der ist falsch gewickelt. Zwar lässt der Altmeister hier und da seine Virtuosität durchblitzen, doch im Gesamten sind die Gitarrenspuren eher songdienlich als extrovertiert. Viel gewinnen die Songs durch die variable Gesangsstimme des Protagonisten. Lee klingt mal nach Elvis und dann wieder nach John Mayall in jungen Jahren und dennoch klingt es nie aufgesetzt oder gekünstelt. „Saguitar“ ist ein ehrliches Album, welches die unterschiedlichsten Facetten von Lees Persönlichkeit wiederzuspiegeln scheint. Denn von schnellen rock’n’ rolligen Nummern über wunderbar verträumte, teils traurige und atmosphärische Songs wie „Motel Blues“ bis hin zu einer eigenwilligen Rap-Version der Gitarrenmusik. Dieser Facettenreichtum macht das Album erst interessant. Es gibt viele unterschiedliche Songs und es wurden nicht alle Ideen in einem einzelnen verwurstet und verschwendet, wie es heute leider üblich ist.

