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HELLANBACH - The Big H: The Hellanbach Anthology


VÖ: 09.02.18
(Dissonance Records)

Style: NWOBHM/Heavy Metal

Homepage:
HELLANBACH

HELLANBACH gehören zu den über drei Dutzend zweitklassiger N.W.O.B.H.M.-Bands, denen trotz guter Releases nie der Sprung an die Spitze der N.W.O.B.H.M.-Bewegung gelang. Dafür gibt es mehrere Gründe. HELLANBACH waren laut Kritikern damaliger Zeit Englands Antwort auf VAN HALEN und in den 80ern nur wenigen Insidern bekannt. Das dieser damals oft gebrauchte der Band mehr schadende als nutzende Vergleich zumindest eingeschränkt hinsichtlich des Gesangs wohl weniger) doch wenigstens auf die Songstruktur von einem Teil der Tracks zutrifft, zeigt der seit Februar 2018 endlich komplett (inklusive rarer Samplerbeiträge) erhältliche Nachlass einer sträflich unterbewerteten N.W.O.B.H.M.-Formation, die es auf eine EP, eine Split (zusammen mit drei weiteren NWOBHM-Bands - AVATAR, BLACK ROSE und ALIEN)- und zwei Studioalben brachte.

Trotz gewaltigen Potentials blieb den Engländern HELLANBACH der mögliche Durchbruch versagt, weil das NEAT-Label für billige Studio-Produktionen häufig verbunden mit mangelnder Werbung in den 80ern regelrecht gefürchtet war. Einen umso wertvolleren Pluspunkt besaßen HELLANBACH gegenüber der Band mit der sie nie verglichen werden wollten dennoch, obwohl sie bedauernswerter Weise die Segel streichen mussten - ihre wesentlich rauere entwaffnend ehrliche Straßenattitüde.

Das virtuos an Saitenhexer Eddie Van Halen erinnernde Gitarrenspiel von Dave Patton war das vielleicht besonders hervorstechendste Merkmalen bei dem Vierer aus Tyne, Zusammen mit den auf einzigartig theatralischem Gesangsmuster fußenden Lyrics ergibt sich ein völlig eigenes Bild, das die unseligen Vergleiche mit einer gewissen US-Stadion-Hardrock-Combo nicht ganz, doch zumindest teilweise ad acta legt. Schon beim Riffing einer Nummer wie „Dancing'“ kommen Querverweise zu abgedreht schrägen seit den 70ern auf den Grundlagern derartiger Sounds wie HELLANBACH sie verwendeten, basierender Combos - z. B. APRIL WINE falls diese kanadischen Hardrock-Veteranen heute überhaupt noch jemand kennt) WISBONE ASH, MOUNTAIN und UFO in den Sinn. Dazu gesellt sich raue Proto-Punk-lastige Schattierung (MC 5/STOOGES!) die sich mit griffig locker getaktetem Beat á lá THE SWEET kreuzt. Aufgrund solcher Belege wurde der in den 80ern gezogene Vergleich, das flott gezockte Material vom 1983er-Debüt 'Now Hear This' knüpfe dort an, wo der 1978 erschienene Van Halen-Erstling endete, dem Schaffen der Band keineswegs gerecht. Vollständig werden HELLANBACH den zumindest an mancher Stelle in ihrer Musik schon bedingt aufblitzenden Van Halen-Vergleich  allerdings ebenso wenig los. Ich erinnere mich noch gut an die zweite 1984 nicht mehr in besagter Schublade kramende via NEAT-Records erschienene 'The Big H'-LP mit dem auffälligen Camouflage-Tarnfarben-Cover. Ein Teil des auf dieser LP weitaus gemäßigteren dem Debüt nicht immer ganz stand halten könnenden, weniger ungeschliffenen mehr in die Athletic Hardrock-Schiene  tendierenden Materials (z. B. "The Main Man" oder "Nobody's Fool") ließ in punkto Taktrhythmus-Intensität bei deutlich druckvollerer Abmischung hinsichtlich Songaufbau vereinzelt Ansätze zum seichteren US-Stadionriffrock  Vergleichband erkennen, die sich mit ureigener Stilnote kreuzen, (- da haben wir's wieder!), dennoch besitzt Jeff Patton's Gitarrenhandschrift genug eigenen Wiedererkennungswert um HELLANBACH von etwaigen Komplettvergleichen mit Van Halen-Generalverdacht gesundermaßen frei zu sprechen.

In Zeiten wo übertrieben pompöß aufgeblasene Superdolbysound-HighTech-Fulldigital-Aufnahmen zum Otto-Normal-Standard gehören, freut sich mein Ego über soviel massig ungestüm raues, vor Ungeschliffenheit berstendes Material, dessen Inhalt vor enormer Spielfreude nur so strotzt!

Den Grund hierfür liefert ein ungeheures Maß an Spielfreude verbunden mit fabelhaft facettenreichem Songwriting wodurch das nach heutigem Ermessen von Soundfetischisten lapidar als 'antiquarisch' bezeichnete Soundraster effektiv zur Geltung kommend regelrecht aufblüht. Daneben brillieren die erstklassig eigenständig-vielseitige vor Kreativität förmlich explodierende Gitarrenarbeit von Dave Patton, der fantastische durch großen Wiedererkennungswert auffallende Gesang von Jimmi Brash und eine alles in Grund und Boden groovende Rhythmussektion - Kev Charlton, Bass und Steve Walker leisteten außergewöhnliche Arbeit.

Unter den insgesamt 27 Stücken befinden sich Serienweise flott aufs Tempo drückende Rock n' Roller. Als Anspieltipps empfehlen sich schnelle Taktgroover vom Typ „All Systems go“, „Out To Get You“, „Let's Get This Show On The Road“, „Bandit's Run“, schleppenderes Material wie „Kick it Out“ oder „Maybe Tomorrow“ oder die beiden enorm flexibel zwischen Soul, Blues und Rockabilly pendelnden Katzensongs „Everybody Wants To Be a Cat“ und „Daddy Dig Those Cats“. Bei solch tollem Songmaterial wundert es erst recht kaum, das der punkig schräg gecoverte ELTON JOHN-Evergreen „Saturday Nights All Right For Fighting“ nur biederes Durchschnittsformat erreicht.

Fazit: 'The Big H' ist ein substanziell gelungenes Gesamtpaket fesselnder N.W.O.B.H.M.-Klänge zweiter Reihe, dessen Neuauflage für Die Hardies der englischen Heavy Metal-Kultur-Blütezeit Pflichtkauf sein sollte. 8/10