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VELVET VIPER - The Pale Man Is Holding A Broken Heart


VÖ: 25.10.2019
(Massacre Records)

Style: Heavy Metal

Homepage:
VELVET VIPER

'The Pale Man Is Holding A Broken Heart' lautet der Titel des vierten durch ein gruseliges Horror-Fantasy-Coverartwork veredelten VELVET VIPER-Longplayers.

Gespensterhaft mystisch leitet „Things Behind“ erkennbar dicht vom Boden heraufziehende weiße Nebelschwaden in Gedanken an einem vorüber ziehen lassend, während sich allzu schemenhaft Umrisse eines majestätischen Geisterschiffes abzeichnen, in das neue VELVET VIPER-Album ein, ehe danach gediegen schleppend die „Götterdämmerung“ ruft. Dem unbesiegbaren über Megakraft verfügenden ursprünglich aus der israelischen Mythologie stammenden Held Samson(Simson/Shimschon) - seine Legende wurde später von der christlichen Bibel übernommen), dessen langes Haar ihm unbändige Kraft verlieh wird in „Samson und Delilah“ mit orientalisch gewirktem Klangzauber durch satten tempogesteigerten Grooverhythmus gedacht. Ex-ZED JAGO-Frontfrau Jutta Weinhold verfügt über ein herausragend flexibles mit reichlich Charisma gesegnetes Organ einschließlich ihrer ausgezeichneten Stimmlage. Ein immenses Maß Konzentration bei Betonung jeder einzelnen gesungenen Silbe scheint bei ihr jederzeit durch, was essentiell unentbehrlich ist, um dem Songinhalt kraftvoll Würze zu geben. Das tut Jutta mit ihrer feinen zugleich flexiblen zeitweise schon mal von Backingvocals oder Chören unterstützten Stimme gekonnt wie eh und je. „Confused and Sacrifice“ oder „Something Rotten“ zeigen direkt hinter einander wie es geht. Bekranzt durch Melancholie kreisen bei solchen Songperlen die Gedanken um Juttas Jahrelangen Bandgefährten, den 2018 verstorbenen Band- und Weggefährten Drummer Bubi The Schmied. Effektvoll unterstützt von Holger Marx der neben kraftvollen Riffs filigran an der Gitarre agiert, Johannes Möllers am Viersaiter, Session-Drummer Michael Ehré sowie Micha Fromm unter Zuhilfenahme diverser Percussions-Einlagen „Keep Your Head Up“ zeitweise von mehrstimmigem Gesang und Akustik- Gitarre bestimmt, entpuppt sich als heroische Achterbahnfahrt der Emotionen; wie ein zartes sich schrittweise aus dem Erdreich schälendes Pflänzchen zu vollständig reifender Blütenpracht  entwickelnde Pflanze. „Hide Your Fire“ ist ein erdiger Hard Rock-Groover traditionsbewährten Erfolgsschemas dem anfeuernde „Hey, Hey“-Gesänge hinzu gefügt wurden. 

Insgesamt steigert sich VELVET VIPER-Output Nummero vier stückweise mit jedem weiteren Song bis zum großen dramaturgischen zeitweise von MANOWAR-Groove-Riffdynamik gekrönten Finale „The Wheel Has Come To Full Circle“, wo Jutta's Organ herrlich bissig röhrt und sich der von „Things Behind“ geöffnete Mythen/Sagen-Kreis schließt, ehe „One Day“ in Form eines versteckten ZED YAGO-Augenzwinkerns das Album dynamisch ausklingen lässt. An Spannung, Kreativität, Abwechslung, Finessen und Spielfreude einschließlich opulentem Stimmungsflair mangelt es dem atmosphärisch düster melancholischen Songinhalt keineswegs. Ebenso blitzt der unentbehrliche Fantasyanteil immer dort, wo es erforderlich scheint, auf. Zugegebenermaßen wirkt dieses aufgrund seines vermehrt schleppenden Grundtenors manchmal gar etwas langatmig, doch je öfter die CD rotiert, desto mehr Feinheiten erschließen sich dem Ohr. Das Album wächst mit jedem weiteren Durchlauf. Es offenbart sich Stück für Stück.  Weil der künstlerische Wert bei der nie zweimal das gleiche Album hintereinander produzierenden VELVET VIPER immens hoch geschätzt wird,  sollten auch treue Fans der samtigen Giftschlage, die ganz plötzlich wenn am wenigsten damit zu rechnen ist,  kräftig Zähne zeigend zubeißt stets mit  Überraschungen rechnen. Gegen soviel Vitalität der 72jährigen Metal Lady Jutta Weinhold verblassen obsolete Pseudo-Rockstars zu kümmerlichen Gestalten.  

Auf bewährte Fantasy-Lyric-Rezeptur zurückgreifend, werden literatische Werke wie Shakespeares „King Lear“, Richard Wagner's zum 'Ring der Nibelungen' zählende „Götterdämmerung“, oder der innerhalb nordischer Mythologie dreigestaltig auftretend einäugige Herrscher den Göttervater Odin beleuchtet, der um Weisheit zu gelangen, indem er aus der von Mimir gehüteten Quelle der Weisheit trank, um ein Auge dafür zu opfern. Wer das vorab eingestellte Video zu "One Eyed Ruler" im Vorfeld gesehen hat, ist schon mal im Bilde. Das Album wirkt wie eine natürliche Weiterentwicklung der Vergangenheit, in sich gereift, fantasievoll und zeitweise nachdenklich. Querverweise zu den zwei ersten VELVET VIPER-Alben im Zeitraum von 1991 - 1992 ' Velvet Viper' bzw. 'The 4th Quest for Fantasy' sind ebenso berechtigt wie phasenweiser Rückblick zum ebenfalls gelungenen 2018er-Comeback 'Respice Finem'. Irgendwo auf einer individuellen Ebene dazwischen bewegt sich das Gesamtergebnis aller Songs mitsamt Intro. 'The Pale Man Is Holding A Broken Heart' entpuppt sich als gelungen abenteuerlicher Trip in die Fantasy-, Mythen und Sagenwelt wo es weder Grenzen, noch Fesseln, geschweige Ketten oder Hindernisse gibt, die den Flug zu entlegenen Bewusstseinssphären verhindern.

Von Top-Produzent Tommy Newton erstklassig sauber in den Area 51-Studios abgemischt, lässt der Sound ebensowenig wie die Musik zu Wünschen übrig. Das bewährte Songwriter-Team Weinhold/Marx hat  schlichtweg den Draht dazu, wie aus klassischem Literaturstoff entstehende Mystik/Fantasy-Geschichten spannendem Inhaltes gewebt werden.

Fazit: Finessenreich melodieverwöhnt epischer Drama-Mystik-Metal urig eigener Stilnote lebhaft auf literarischer Klassik basierend, wie ihn nur VELVET VIPER hinbekommen. - Stark! 8,5/10

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