Zur Zeit finden keine Konzerte statt. Sobald es auf den Brettern wieder rund geht, bekommt Ihr hier auch wieder die Informationen dazu.


MALLEUS - Your Nightmare Calls


VÖ: 03.07.2020
(Goldencore/ZYX)

Style: 70er Hard Rock/80er NWOBHM/Garage Rock/Doom

Homepage:
Goldencore Records
MALLEUS

Besser spät, als nie, denke ich mir beim Reviewen eines lange vergessenen Juwels, das bereits Kult war, ehe der Begriff überhaupt geboren wurde. Band-Unikate gehen in aller Regel den steinig harten Weg, sind um ein potentiell vielfaches weniger bis gar nicht bekannt, rar gesät und haben es oft verdammt schwer Fuß zu fassen. Dabei geht es ihnen nicht um größt möglich zu erzielende Bekanntheit. Vollständig ausgelebte Originalität steht hierbei im Vordergrund. Dieser ungeschliffene via GoldenCore Records liebevoll neu aufgelegte Edelbrilliant in Sachen Underground-Hardrock meets Heavy Metal wird bei der Insiderszene für explosiven Diskussionsstoff sorgen. Das Gütesiegel MALLEUS steht für authentisch aussagekräftige Musik, die weder Kompromisse noch Zugeständnisse macht, unabhängig jeglicher Trends kompromisslos auf eigener Spur fährt.

Bevor es ins Eingemachte geht, zunächst ein paar Worte zu Geschichte und Hintergrund: Ex-WITCHFYNDE Bassist Andro Coulton, war in der Zeit von 1975 – 1980 fünf Jahre als Tieftöner bei WITCHFYNDE aktiv. Nach dem 'Give em Hell' Debütalbum sowie den zwei Singles 'Give em Hell' und 'Into The Stars' verließ er die Band, um neue Wege zu gehen, da ihm WITCHFYNDE auf Dauer nicht doomlastig genug ausgerichtet waren. Stimmliche Unterschiede zum einstigen Bandkollegen WITCHFYNDE-Sänger Luther Beltz liegen in Coultons klagenderem für Doom Metal weitaus prädestinierteren Gesangsformat, zumal WITCHFYNDE trotz ihrer düsteren Ausrichtung nicht grundlegend im Doomsektor beheimatet sind und waren. Im Anschluß an seine beendete WITCHFYNDE-Ära gründete Andro Coulton mit seiner damaligen Ehefrau Shaz MALLEUS.

Das lange Zeit unveröffentlichte 3-Track Material der 'White Noise'-EP erschien 2016 via VYPER-Records erstmals in streng limitierter Auflage (500 Stück) und wurde im Zuge der 40 Jahre danach endlich erfolgten Erstveröffentlichung im vollständigen Debüt als Extra-Bonus beigefügt. Aalglatt gebügelte moderne Plastik Soundschemen verbunden mit ebenso grässlichen Produktionen sind mir höchst zuwider mit anderen Worten, ein Gräuel. Gitarre und Bass müssen tief wummernd tonnenschwer bis unter die Decke dröhnen, während das Schlagzeug den rhythmisch-kraftvollen Punch dazu entwickelt. MALLEUS werden diesem Kriterium dank unberührt belassenen Soundrasters gerecht. Bemerkenswerterweise gelang es dem GOLDENCORE RECORDS-Label dieses extrem rare kaum bekannte Songmaterial dieses lange Zeit wie ein großes Geheimnis gehüteten Schmuckstücks auch treuen Fans außerhalb Englands, wo das vollständige 8-Song Debüt erstmals über KENT & SUSSEX RECORDS im letzten Jahr 2019 erschien, zugänglich zu machen. Genug davon, lassen wir die Musik sprechen:

Treibend flott Garagenrock-like startet der flotte Feger „Anthem For The Damned“ da gibt’s gleich richtig mit Schmackes und räudiger Straßen Attitüde auf die Glocke, danach fahren MALLEUS zu „White Noise“ ihre kauzigen Doom-Krallen aus, spätestens bei „Hellhound“ sollte sich die ST. VITUS/PENTAGRAM-Fraktion sich endgültig warm anziehen! Das ist flotter mit inbrünstiger Leidenschaft plus Kauzfaktor nach vorn gehender Psychedelic Doom auf eingängiger Basis der keine Gefangenen machend einem das Wort „Hell“ mehrfach hysterisch ins Gesicht schreit, ehe sich kraftvoll mit ausgebreiteten Flügeln der Dunkle Engel „Dark Angel“ vorstellt. „Dark Dreams“ sollte der Korrektheit halber eigentlich „Your Nightmare Calls“ heißen, jener Titel nach dem das MALLEUS-Debüt benannt ist. In der dunkel heroisch psychedelischen Doom, Weltentrücktheit und Horror verbindenden von ohrwurmartigen Refrains geschmückten von schrecklichen Albträumen erzählenden mit dreckigem Gelächter versehenen Doom-Hymne ist der Geist an SAINT VITUS-Sänger Scott Reagers kräftiges Organ sowie exzessiv theatralischer Stimmphrasierung von PENTAGRAMS Bobby Liebling in besten Tagen (!) zelebriert zu denken geneigt. Dieser schrullig-eigenwillige Gesang, aus dem unzählige Individual-Kreationen hervorbringenden NWOBHM-Schmelztiegel muss Kauz-Liebhaber und Doomfans gleichermaßen packen! Selbiges gilt für die tonnenschwere Doomwalze „Hell's Fire' danach regiert schleppende Schwermut im majestätisch gedämpften Schwermut-Modus, abschließend macht der nach soviel Doom erneut in flottes Garagen-Rock-Gewand gehüllte bis zum Schluß von stoischem Rhythmus & Beat-Muster angetrieben standhaft psychedelisch den Blick auf HAWKWIND gerichtete  Feger „Hit This Town Tonight“ nocheinmal heftig Dampf !

Wie lässt sich das Gesamtbild einer solch kruden Mischung erklärend zusammen fassen? Kauziges End 60er-Früh´bis Mid-70er-HAWKWIND-Psychedelic-Flair, Früh-80er NWOBHM-Touch und derber Schrammel-Garagenrock à lá IGGY AND THE STOOGES/MC 5 treffen bedrohlich schwerblütig doomend zähfließende SAINT VITUS/ PENTAGRAM. Das verwaschene Produktionsraster lässt Klarsoundfetischisten auf Ansage die Hasskappe aufsetzen, während Metalheads mit Hang zu kauzigem Hardrock derart urigen Sound jederzeit favorisieren, dessen Intensität 90 % aller heutigen Retrocombos ungelöste Rätsel aufgibt. Intensive Nutzung eines Octavers rückt den häufig im Hintergrund brummenden Bass in vorderste Position. Dank dieses kleinen aber feinen Effektgerätes mit gewaltiger Wirkung werden Orgel und Keyboard überflüssig. Wer insbesondere den JIMI HENDRIX-Gitarrensound im zeitlosen Rock-Klassiker „Purple Haze' zu schätzen weiß, ist nun darüber im Bilde, wo es herkommt.

Insgesamt harmoniert das kochend heiße brodelnd bissige aus Früh-80er NWOBHM, End60er-Mid-70er-psychedelic Bestandteilen, Doom auch vor schrammeligen Garagenrock nicht halt machende Gebräu sehr nahezu perfekt miteinander. An diesem Unikat werden sich soviel steht fest Gemüter spalten, es beweist umso mehr, wofür der Begriff METAL steht. SAINT VITUS/PENTAGRAM-Anhängerschaft sollte bei diesem krachenden Höllenfeuer glühende Augen bekommen. Der wahre Heavy Metal-Underground lebt, dafür muss man nicht einmal unbedingt nach Tschechien reisen... 'Your Nightmare Calls' zeigt wie extrem ungeschiffen weltentrückt direkt von inbrünstiger Leidenschaft inklusive grundlegend ehrlicher Attitüde beseelt wahrer Underground-Metal klingt, der zahlreiche Kanten hat; auch das den Albumcharakter hervorragend widerspiegelnde Grafikdesign lässt keinen Zweifel daran, somit lautet mein

Schlussfazit: Unvergleichbar einzigartig originell urig kauzbehaftetes Genre-Juwel mit hochprozentig fesselnder Wirkung! 9/10

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