PURIFICATION - Perfect Doctrine


VÖ: Bereits erschienen
(Rafchild Records)

Style: Doom Metal

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PURIFICATION

In kaum einer anderen Stilrichtung gibt es (zumindest aus meiner Sicht) soviele wahnsinnig fesselnde Alben wie im schleppenden Zeitlupensound. Gerade der Doomsektor bringt von Zeit zu Zeit manch unentdeckt gebliebene Perlen hervor. In Bezug auf das mittels Eigenkauf besorgte, nun zur Rezi anstehende Werk hat das Undergroundlabel RAFCHILD RECORDS wie so oft sicheres Gespür bewiesen.

'Perfect Doctrine' heißt der zweite schon im November 2020 erschienene PURIFICATION-Langdreher. Diese als Trio agierende US-Doomcrew kennt ihr Metier bestens und weiß, was sie will. Vergleichsweise zu anderen Doomkapellen haben PURIFICATION auf dem Zweitling 'Perfect Doctrine' ihren Weg aus Melancholie bedrohlicher Finster-Depression, Horror und relaxter Grooves gefunden, die sich mit Themen aus dem Fundus weltlicher Missstände, Religionsmystik und Geschichte mit düsterer Textkomponente kreuzt. Dementsprechend lassen sich PURIFICATION nicht dem reinblütigen Epic Doom-Sound zuordnen. Kauzige Vertreter wie REVEREND BIZARRE, SAINT VITUS, ASTRAL SLEEP, COUNT RAVEN, CATHEDRAL, WITCHFINDER GENERAL, THE GATES OF SLUMBER, ELDRITCH RITES oder SPIRITUS MORTIS müssen hier genannt werden, obwohl PURIFICATION durchaus Eigenheiten haben, die ihnen gegenüber den erwähnten Acts dennoch klaren Wiederkennungswert geben. Dazu gehört auch ein zwischendurch durchscheinendes YEAR OF THE GOAT-mäßiges Horrorfaible (!) welches insbesondere auf Albumhälfte 2 verstärkt hervorsticht. Mit dem Bandname PURIFICATION hat es etwas ganz Besonderes auf sich. Um was es sich dabei handelt bleibt an dieser Stelle zunächst offen, - es hat - soviel vorab, mit dem Inhalt des Albums der aus Portland (Oregon) kommenden Doom-Crew zu tun; genaueres dazu folgt am Ende dieser Besprechung.

Was PURIFICATION so einzigartig macht, ist ihr psychedelisch düster angehaucht apokalyptisches Atmosphärenlevel, dass sie statt durch rauhkantigen Härtegrad, gepaart mit detailverliebtem Hang zu netzartig bizarr gewobenen Soundgebilden und abrupten Tempoausbrüchen verstärken. Ausgleichend Kontrast zu zähfließend beklemmenden Spannungsbögen bildet phasenweise tiefen entspannte Relaxtheit. Und als ob allein diese Mischung nicht genug wäre, kommt Field Marshall William Purify's vielschichtig intensiv weltentrückt schräges einen Bastard aus Düsterdoom, Horror- und Gothic darstellendes Gesangsmuster dazu. Es wäre geradezu ein Frevel, dieses ausgefallene Organ auch nur einem bestimmten Stil zuzuorden.

Musikalisch fahren die Amis großes Top-Liga-Niveau, daran lässt der Inhalt von acht für Doomverhältnisse im verblüffend kurz gehaltenen Rahmen liegender sich im Zeitfenster von 3:30 Min bis maximal 6:41 Minuten bewegenden Tracks keinen Zweifel. Dennoch ziehen sich 42:22 Min. Gesamtspielzeit des Achttrackers gedehnt in die Länge wie Kaugummi, was die Qualitäten der ungewöhnlich einzigartigen US-Doomkapelle unterstreicht.Bedrohlich von wummernden Gitarrenwänden, einschließlich zwischen Charisma, Theatralik und Horrorgesang flankiert gibt sich der zügig groovende Einsteiger „Opium Blade“, danach lässt sich „On The Wings Of Pestilence, Darkness Tales Flight“ schleppend zwischendurch Schrittweise Tempo und Spannung erhöhend mittels majestätitischer Hintergrund Singalongs tragen. Im gigantischen Zweiteiler Epos „All The Glittering Jewels, Part I und II“ , „Sabbatharian Blood Feud“ kommt die Vielseitigkeit der wechselhafte Stimmungen  zwischen bedrückend, dramaturgisch, geheimnisvoll, bedrohlich, träge und verträumter Schattierung erzeugenden Amis zum Vorschein. „Sabbatharian Blood Feud“ rockt kantig heavy mit psychedelischem Unterton, einschließlich Sprech-Passage und Chören von Düsterem-Flair beseelt. Die restlichen Tracks „Throw Away The Cross“, „Dark Age Warlord Resurrected By Seditions Trickery“ und „The Theurgy/Lunar Hymn 999“ schwimmen deutlich im Okkultsektor.

Trotz aller düsteren Textinhalte mitsamt des Bandnamens PURIFICATION folgt Entwarnung direkt auf dem Fuße. Nein, hier sind keine Teufelsanbeter oder Satanisten am Werk, obgleich zunächst der Eindruck entsteht. Erklärenderweise wie schon weiter oben bemerkt, muss hinzugefügt werden: So unheimlich mystisch verschleiert okkult das mindestens ein halbes Jahr seit November 2020 zu erwerbende Album der Portland-Doomer klingt, gilt es hierbei dessen geschichtlichen Hintergrund zu bedenken, welcher sich um die Puritaner dreht, eine mittelalterliche Bewegung die sich in England, Schottland und Neuengland ausdehnte. Bekanntester Hauptakteur in dem auf englischem Boden stattgefundenen Krieg zwischen Katholiken und Protestanten auf Seiten der Puritaner-Bewegung war Lordprotector Oliver Cromwell, der unter Betrachtung seines Wirkens als zwiegespaltene Persönlichkeit englischer Geschichte gilt.

Seitens der Puritanter wurde Cromwell in seiner Führungsrolle als oberster Feldherr des Parlamentarierheeres als zentrale Leitfigur für die Freiheitskämpfer-Bewegung verehrt, entgegen gesetzt dazu von der katholischen Seite als grausamer Diktator und Königsmörder, der an Sturz und Hinrichtung von König Karl I, der im Sinne eines Alleinherrschers ohne Parlament England regieren wollte, - mitbeteiligt war, woraufh in England nach Beseitigung des bis 1648 regierenden, im Folgejahr am 26. Januar 1649 hingerichteten Machthabers kein absolutistischer Alleinherrscher mehr den Thron besetzte, verachtet und gefürchtet. Cromwell's großer Plan, Europa protestantisch unter Englands Führung zu vereinen scheiterte, womit auch das Unterfangen des zum Lord Protector ausgerufenen Feldherrn fehl schlug, England als dauerhaft bestehende Republik (einschließlich Schottland und Irland) zu vereinen.

Die historischen Fakten wären geklärt, doch die Hauptfrage bleibt noch offen. Was hat es mit dem düsteren Bandnamen PURIFICATION einschließlich auf den ersten Blick umgekehrt stehend wirkenden Kreuzen, die sich bei genauerem Hinsehen als zwei ineinander übergehend aufrecht stehende Kreuze entpuppen, im Bandlogo auf sich? Die Antwort findet sich in den Annalen der Geschichte. Ziel der Puritaner war die Verbreitung der evangelisch-reformierten Kirche einschließlich deren Glaubenslehre im Zeichen des Calvinismus. Die Puritaner forderten die Reinigung der Kirche von „papistischen“ = römisch-katholischen Lehren. Daraus ergibt sich der aus englischem Sprachgebrauch stammende direkt ins dahinter stehende historische Konzept eingebundene Bandname PURIFICATION.

Fazit: Finster, kauzbehaftet, spannend, geheimnisvoll. - Fesselnder Doom Metal auf unanfechtbarem Top-Eliteliga-Niveau! 9/10


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