DEATH SS - X

VÖ: 29.10.2021
(Lucifer Rising Records)
Style: Gothic Horror Rock/Metal
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DEATH SS
Sie haben vieles ausgereizt, sind keinem musikalischen Genre direkt zuordbar, haben spätere Acts wie CRADLE OF FILTH, LORDI, GHOST B.C. beeinflusst und trotzdem trägt alles eine vollkommen eigene Handschrift. So auch das zehnte DEATH SS-Album 'X'. Derzeit ist es in der Metalszene Trend bei Veröffentlichung des zehnten Studioreleases die Karte mit dem X zu ziehen, dahingehend bilden die italienischen Horrormetaller keine Ausnahme. Egal ob Zombie, Mumie oder Werwolf, die Zahl der Horrorfacetten einschließlich diverser Muszierstile von DEATH SS ist gewaltig. Mit den raueren Anfängen als die Band einige Oktaven härter agierte, sind DEATH SS eigentlich schon lange nicht mehr zu vergleichen. An 'X' werden sich soviel steht fest, die Geister Scheiden. Anhängerschaft der frühen derben Heavy/Doom-Zeiten werden um dieses Album wie schon um den Vorgänger einen Bogen machen. Fans die es gern abwechslungsreich mögen, darüber hinaus Faible für eingängige Strukturen die zumeist auf Gothic Hard Rock-Basis mit bunter Zutatenvielfalt haben, wobei die stets unberechenbaren Italiener seitdem sie sich von ihrem urspünglichen Stil verabschiedeten, ihre Kunst meisterhaft beherrschen, dunkle Songcollagen mit Spannungsvoller Untermalung zu kreieren.
Album Nummer zehn bewegt sich in Horror-Gothic Rock-Gefilden, die sich gelegentich mit Metal kreuzen. „Zora“ versprüht trotz sakraler Einleitung dezentes ALICE COOPER-Faible, das letzte LIZZY BORDEN-Studiowerk „My Midnight Things“ dürfte ebenfalls nicht unbeträchtlichen Eindruck auf die Italienische Horror-Rockschmiede hinterlassen haben, teilweise schält sich dazu kommend starker Hang zu moderner getakteten Horror-Acts wie MARILYN MANSON heraus, ohne allerdings wie eine Direktkopie davon zu wirken. „Rebel God“ könnte zum Sakraltanzflächenhit der nächsten Gruft-Disse werden, so kraftvoll zugleich simpel groovt die Nummer. Bei "Temple Of The Rain" macht sich immens Vorliebe für Düstergothic-Wave Sound bemerekbar, wie ihn unverzichtbare Genregrößen vom Kaliber FIELDS OF THE NEPHILIM oder SISTERS OF MERCY salongfähig machten. Mit dem flotten deutlich in Richtung Power Metal schielenden Feger "Ride The Dragon" überraschen DEATH SS dann richtig; davon dürfen sich viele auf dem klassischen Power Metalsektor hüftsteif gewordene Kapellen bei Bedarf gern etwas abschauen. Dunkelheit paart sich episch ausgeprägt mit majestätischer Würde, verdichtet sich zu spannenden Momenten und geradlinig krachender Härte – und über allem steht das charismatische auch Power Metalsongs dramaturgisch veredelnd singende Organ von Bandmastermind Steve Sylvester - Heavy Metal oder was?
Auch wenn DEATH SS mittlerweile ziemlich modern agieren, haben ihre Kompositionen über weite Strecken genug Reiz und Charisma, inspirativ zu sein, wobei der Keyboard-Seichtkleister bei Nummern wie „Under Satan's Sun“ nicht immer leicht zu verarbeiten ist, womit sich ein Ausfall herauskristallisiert, selbiges gilt für den wie nicht konsequent zu Ende geführten Abgang von 'Susperia', die wie eine amateurhaft schlecht aufgenommene Klaumauk-Filmsequenz wirkt, als ob der Sylvester Truppe die Lust ausgegangen wäre, das Stück standesgemäß zu beenden, es wirkt schlicht unfertig. Im Gegensatz dazu stehen Kompositionen wie das ungemein berauschende Akkustik-Horrorhymnen-Szenario „Heretics“ mit feinfühlig heroisch die Nacht anbetenden Singalongs, das ist so arttypisch DEATH SS, dass sie wiederum Appetit auf mehr wecken. Auch mit „The World Is Doomed“ gelingt ihnen ein die Tanflächen in der nächsten Gothic-Disse füllender easy going- Tanzflächengroover mit feinfühliger Melodie, sanften Keyboards, simplen Beats, verführerischem Gesang und dezent hintergründigem Gitarrengroove. Was durch „The Black Plague“ im mystischen Hard Rock-Gewand eröffnet wurde und fast schon als eine Art schrägere auf Gothic getrimmte W.A.S.P-Variante durchgeht, schließt sich mit 'Lucifer' dem hart zum Schluß rockenden Stampfgroover im ALICE COOPER-Format begleitet von wechselseitigem Männer-Frauengesangsmuster.
So zwiegespalten das ganze vielleicht klingt, ist es in der Tat. DEATH SS haben sich ein weiteres Mal verwandelt, um neu wiedergeboren zu werden, ihr vorheriges Kleid abgelegt, um sich zu verjüngen, sind näher ans Zeitgeschehen herangerückt. Entgegen jeglicher Mainstreamtendenzen tun DEATH SS schlichtweg das, worauf sie Lust haben und was sie wirklich tun wollen und nichts anderes! Angeführt von ihrem durchgeknallten Bandmastermind Steve Sylvester ist ein erneut recht anspruchsvolles Gesamtresultat dabei herausgekommen, dem das Kunststück gelingt Fans verschiedenster Stilrichtungen zu verbinden.Gewöhnungsbedürftig und äußerst vielseitig wie nie, vielleicht deshalb umso gehaltvoller für Genrefans unterschiedlichster Stile. Die Palette reicht von CRADLE OF FILTH über LORDI, MARILYN MANSON bis zu SISTERS OF MERCY/TYPE O NEGATIVE. Abzüglich kleinerer Ausfälle ergibt sich daraus folgendes...
Fazit: Vielseitiger Gothic Horror Rock mit vereinzelter Metalschlagseite auf zumeist spannendem Niveau! 7,5/10

