WALTER TROUT - Ride


VÖ: 19.08.22
(Mascot Label Group)

Genre:
Blues Rock

Website:
WALTER TROUT

Ausnahmsweise gibt es zu diesem Album zwei Rezensionen:

Rezension von Andreas Stepahan:
Gerade mal zwei Jahre hat WALTER TROUT gebraucht, um einen Nachfolger für sein letztes Werk „Ordinary Madness“ fertig zu stellen. Nun gut, viel mehr als neues Material zu schreiben und aufzunehmen gab es auch nicht zu tun und so kommen die Fans in den vergleichsweise frühen Genuss neuer Musik.
Eine ruhige Kugel schiebt der Blues-Veteran aber auch nach über 30 Jahren seiner Solo-Karriere nicht und so regiert auf „Ride“ bluesiger Heavy Rock, der alles andere als nach Altersmilde klingt.
Klar man sagen, es gibt wenig Neues zu entdecken aber immerhin ist TROUT über 70 und nur die wenigsten Musiker erfinden sich in dem Alter nochmal neu. Dafür gibt der Mann seinen Hörern Einblicke in sein Seelenleben und befindet sich damit weit ab von 08/15-Texten. Dabei geht es ebenso um aktuelle Themen wie die Seuche der Fake News, wie auch um sehr persönliche Geschichten in „Hey Mama“ oder „Destiny“.

Es ist schön zu hören, dass WALTER TROUT seine Lebererkrankung nicht nur überwunden hat, sondern aus ihr auch Energie für neue Musik ziehen konnte. Dabei freuen sich die Fans auf die anstehenden Konzerte wohl ebenso wie der Musiker selber.

8/10


Rezension von Rainer Petry:
Der Mann ist nicht aufzuhalten, einer der wenigen, die in Zeiten von Covid versuchten zu touren und auch in den zwei Jahren öfter Konzerte in Deutschland gespielt. Dabei müsste gerade er mit seinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen nach seiner Organverpflanzung aufpassen. Doch WALTER TROUT ist für die Bühne geboren, so dass ihn der Verfasser dieser Zeilen bereits auf dem SwedenRock bewundern konnte und im Herbst erneut sehen wird. Nebenbei ist er auch im Studio sehr fleißig, so dass sein Stammbassist Johnny Griparic wegen seiner Infektion nicht bei den Sessions dabei war. Zweieinhalb Jahre nach seinem späten Meisterwerk „Ordinary Madness“ kommt nun „Ride“ daher.

Auf dem wilden Ritt ist der Gitarrist und Sänger immer, kürzlich siedelte er von Kalifornien nach Dänemark um, das er seitdem ebenfalls ständig live beackert. Dabei hat er den Druck des Vorgängers nicht ganz mitnehmen können, sein typisch atmosphärischer Stil hat nicht ganz den Dampf in den Kesseln. An den sechs Saiten nimmt er sich ebenso zurück wie Teddy „Zig Zag“ Andreadis, der seine Orgel nicht so sehr röhren lässt.
Am deftigsten agiert er mit seiner Begleitband in ruhig beginnenden und euphorisch steigernden „Better Days Ahead“, einem der lyrischen Mutmacher, für die Trout bekannt ist. „Hey Mama“ drückt ebenso mit den flächigen Harmonien nach vorne, nimmt dann aber recht viel Tempo raus. Damit verstärkt er den lauernden Charakter seiner Arrangements, was Michael Leasure mit seinen wuchtigen Drumschlägen weiter untermauert.

„Ride“ geht mehr zurück zu den Blueswurzeln und verquickt diese Elemente mit dem schweren Stil des Wahl-Dänen. „So Many Sad Goodbyes“ tönt schön ursprünglich und rau, der frühere GUNS´N´ROSES-Livemusiker steuert interessante Wurlitzer-Töne bei. Im Artverwandten „High Is Low“ packt WALTER TROUT dann die Mundharmonika aus und bringt so Klangfarben wie Drive mit rein.
Ähnlich wie andere zeitgenössische Blueser versucht er hier sein Spektrum zu vergrößern, was er auf dem dichten Vorgängeralben nicht so umgesetzt hat. Da wird sich in „I Worry Too Much“ mal an Funk gewagt, wo Andreadis so am Klavinet brilliert, dass es Stevie Wonder stolz macht. „Leave It All Behind“ rockt wie die Hölle, das Honky Tonk-Piano klimpert und die Bläser drehen mächtig auf, das könnte live sehr viel Spaß machen.
Wenn es etwas ruhiger angegangen wird, kommen die Americana-Wurzeln zum Tragen, der lockere Titelsong wird wunderbar von feinen Pianoanschlägen getragen und lässt an BRUCE HORNSBY denken. Für „The Fertile Soil“ werden Klampfe und Mandoline ausgepackt, ohne den rockigen Anstrich vermissen zu lassen. Zwei wunderbare Titel, um mit dem Auto die staubigen Highways entlang zu cruisen.

Wie viele Bluesman verfügt der gute Walter über sehr viel Feeling, welches er gerne unter Beweis stellt. In der Disziplin gehört er vielleicht sogar zu den Besten, was auf dem Vorläufer mit dem überragenden „All Out Of Tears“ nachzuhören war. Der Rausschmeißer „Destiny“ ist noch ein wenig kitschig angelegt, zwar ebenfalls an den Roots orientiert, aber Licks über die Fender Rhodes-Klänge sind eher träge.
Ganz im Geist des Albums werden die Saiten sehr clean gepickt auch bei den Soli. Das stellt die Streicheruntermalung der ansatzweisen Pianoballade „Follow Me Back Home“ mehr in den Vordergrund, die viel Wärme mit einbringen. Im Gegensatz zum Schlussakkord rettet er den Song mit einer seiner besten Melodielinien vor dem Fall ins allzu seichte und kreiert nebenbei fast schon so etwas wie einen Hit.

Steigern kann WALTER TROUT das noch mit „Waiting For The Dawn“, dass an das vorhin erwähnten Stück sehr nahe ran kommt. Wer bei diesen Leadfils zum Einstieg keine Gänsehaut bekommt ist womöglich schon tot, die Gitarre weint der leisen Orgel etwas vor. Jene eindringliche Stimmung zieht sich durch das komplette Lied, die Strophen werden fast hingehaucht. Genial wie der Mann es darin hinbekommt, mit wenigen Sätzen, die sich auch noch wie ein Mantra wiederholen einen auch lyrisch so tief zu berühren. Das Solo wird sehr pointiert dargeboten und die Rhythmusfraktion pinselt ebenso feingliedrig ein Gemälde von Komposition.

Vieles fand man schon auf „Ordinary Madness“ in dieser Art und Weise wieder, wenn auch mit den erwähnten Unterschieden. Es darf nicht verhehlt werden, dass mir die Scheibe sogar noch ein bisschen besser abging, alles noch konsequenter umgesetzt wurde. Trotzdem ist „Ride“ alles immer noch ein starkes Album, schon alleine die Produktion von Eric Corne lässt jedes Detail erstrahlen, und fällt diesmal luftiger aus. Dazu gibt Trout wie gewohnt alles, sein Organ kennt alle Facetten von melodiös bis rauen Schreien, aber immer authentisch. So reiht sich die Scheibe in eine tollen Kanon ein, den er seit seiner Operation veröffentlicht hat, die letzte war eben noch ein Ausreißer nach oben.

8 / 10

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