RICHARD MARX - Songwriter

09 richardmarx

VÖ: 30.09.2022
(Shelter Music/BMG)

Genre: Melodic Rock

Hmepage:
RICHARD MARX

„Wehe wenn er explodiert“ war in grauen Vorzeiten ein Artikel über den Barden in der „Bravo“ betitelt. Zu der Zeit ein großer Teenie-Schwarm, dessen Beziehung zu Cynthia Rhodes ebenjenen ein Dorn im Auge war. Mit Hits wie „Right Here Waiting“ oder „Angelia“ feierte er früh Erfolge, das großartige atmosphärische „Hazard“ erschien zu Hochzeiten der Rockmusik, bevor die Neunziger ihr schändliches Werk taten. Danach habe ich eigentlich nichts mehr von RICHARD MARX gehört, bis jetzt „Songwriter“ auf meinem Schreibtisch lag.

Darauf will er seine gesamte Bandbreite eben als Songschreiber aufzeigen, indem er den Dreher in vier Parts zu je fünf Songs unterteilt, die in der Vinylversion jene eine Seite einnehmen. Den Auftakt macht seine Pop-Schlagseite, bei der es für das Genre leider üblich konstruiert vorgeht und auch mal auf Beats gesetzt wird wie gleich beim Opener „Same Heartbeat Different Day“. Dominiert werden die Lieder jedoch von den wavigen Keyboards, die noch nicht mal so verwässern, was sich in „Only A Memory“ zeigt. Dafür fallen die Melodien speziell in „Anything“ arg schunkelig ein, während „Moscow Calling“ den Übergang zum „Rock“-Kapitel darstellt.

Das lässt sich mit „Shame On You“ ganz ordentlich an, der Riff Rock packt angenehm zu, ein wenig wie jüngste BRYAN ADAMS mit mehr Druck. Im Gegensatz zum Kanadier schüttelt Marx die feinen Melodien aber nicht so leicht aus dem Ärmel. Die unterschwelligen Leads machen dann das Problem schon deutlich, spätestens wenn sie bei „My Love, My Enemy“ präsenter werden. Durch den arg komprimierten Klang fehlt ihnen die Schärfe, was sie in der Nähe von heutigen BON JOVI niedergehen lässt. Statt knalliger Einschübe setzt man hier eher auf leichte Neunziger-Anbiederung, man vermisst einfach den Drive.

Durch die damit einhergehenden Singer/Songwriter-Anleihen weicht diese Seite gar nicht so weit von der „Country“-Kategorie ab. Generell könnten die Kompositionen anders arrangiert auch auf jeder anderen Seite Platz finden, die Handschrift ist vorhanden. Die Classic Rock-affinen „“Everything I´ve Got“ und „We Had It All“ sind nicht weniger rockig als beispielsweise „“One More Yesterday“. „One Day Longer“ bietet mit der Hammond gleichsam einen Hauch Erdigkeit, die dem glatten „Misery Loves Company“ abgeht. Was mitunter an der Verwendung der bereits angesprochenen Leadfills liegt, die ein wenig mehr Slide vertragen hätten.

Bei den Balladen wäre man froh, es gäbe mehr solcher Gitarren, so muss man sich bei „Maybe“ mit der Akustischen zufrieden geben. Ansonsten versucht sich RICHARD MARX natürlich an der Pianoballade, wobei kein zweites „Right Here Waiting“ heraus springt. „Still In My Heart“ hat eher die Tranigkeit eines „Angelia“, zudem hängt der Himmel voller Geigen, welche sich in „As If We´ll Never Love Again“ noch mehr aufdrängen. Deutlicher wird die Problematik nicht mehr als in der ruhigsten Kategorie, auch wenn alle Songs ohne viel Schnörkel auf den Punkt kommen, sind wirklich zündende Songideen rar gesät. Und explodieren tut da mal gar nichts.

6 / 10


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