GARY MOORE - A Different Beat

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VÖ: 02.12.2022
(BMG/Warner)

Genre: Blues Rock/Elektro

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GARY MOORE

Eigentlich hätte ich nie erwartet, dass diese Platte mal in meinem Regal steht. Schon beim Vorgänger „Dark Days In Paradise“ sorgten die Reviews nicht gerade für Kauflust, weil der Gitarrenheld sich auch dem Zeitgeist der dunklen Zeit angeschlossen hatte. Wie so viele Rockmusiker der goldenen Siebziger und Achtziger versuchte sich auch GARY MOORE an elektronischen Klängen. Und mit „A Different Beat“ schritt er diesen Weg noch weiter fort, wenn man der damaligen Berichterstattung Glauben schenken darf. Nun wird diese Scheibe neu aufgelegt, also nutze ich mit gebührendem Abstand doch noch die Gelegenheit mich in die experimentelle Seite der viel zu früh verstorbenen Legende reinzuhören.

Man muss zuerst einmal konstatieren, dass auch das am wenigsten typische Werk immer noch klar mit seinem Urheber in Verbindung gebracht werden kann. Zum einen ist natürlich die Stimme von Moore sehr charakteristisch, zum anderen ist sein Gitarrenstil nicht so viel anders als man es von ihm kennt. Dass er den Blues hat, beweist der Meister selbst hier, seine Riffs und Licks entstammen alle dieser Stilart. Am ehesten erinnern sie an das SCARS-Projekt, gerade wegen seiner Hendrix-Schlagseite. Die scheint auf dem vorliegenden Longplayer nämlich nicht nur beim Cover von „Fire“ durch, das sowohl hektischer als ebenso souliger als das Original ausfällt.

Es ist in der Tat nur die andere Art der Rhythmuserzeugung, die eben bis auf zwei Ausnahmen auf herkömmliches Schlagzeug verzichtet, insofern ist der Albumtitel passend gewählt. Moderne Anleihen im Spiel sind Seltenheit, beschränken sich lediglich auf ein paar Fills, auch wenn die ersten Töne des Openers „Go On Home“ schon erschrecken. Dieses nervöse Zucken der Beats will nicht wirklich mit den bluesigen Ansätzen harmonieren, ein Problem, dass sich über die gesamte Spielzeit zieht.
Im Eröffnungsstück ist der geneigte Hörer sicher froh, wenn die Slides recht dominant werden. Dieses traditionelle Blueselement findet sich auch in „Bring My Baby Back“ wieder, sicher der erdigste Song auf „A Different Beat“. Mit ein paar Umwegen über Bluegrass fallen auch die leichten Synthesizertupfer nicht so auf, schon eher programmierte Rhythmusspuren, wie sie bezeichnend sind für die Dum´n´Bass-Sparte. Beim Programming wurde er vom heutigen Progkeyboarder Roger King unterstützt, der seine Karriere in dem Metier begann.

Trotz des Titels ist Drum´n´Bass auch in „House Full Of Blues“ das vorherrschende Thema, das mit seinem fiebrigen Riff dennoch recht rockig geraten ist. Hier gelingt die Symbiose ansatzweise. Richtig extrem wird es in „Can´t Help Myself“ und „Fatboy“, wobei ich nicht weiß, ob er bei der Namensfindung an Hitproduzent Fatboy Slim gedacht hat. Hier überrascht GARY MOORE mit ein paar ungewöhnlichen Bassfiguren, die fast etwas jazzig anmuten. Im Verbund mit den Beats beschwören diese die Hektik noch mehr herauf, dazu gibt es immer wieder Samples, Loops und ein paar noisige Attacken aus den sechs Saiten. Von erstgenanntem Lied findet sich bei dieser Ausgabe noch ein Remix als Bonustrack, welcher sich sogar luftiger und dynamischer gestaltet.

Wenn es denn ruhiger wird, kommt die Musikalität des Iren besser zur Geltung, wie schon der zweite Song „Lost In Your Love“ andeutet. Über eher sphärische Beats ist das Riff rhythmisch gehalten und erinnert ebenso wie die Leadeinsätze an SANTANA. Jener war zu der Zeit mit ähnlichen Ausschweifungen schwanger gegangen, verbuchte aber weitaus größeren Erfolg. Am Ende ist es wunderbar zu hören, wenn man den guten Gary mal von der Kette lässt und er sich solistisch austoben kann. Fast gespenstisch mutet „Worry No More“ an, bei dem auch wieder die vier Saiten die Führungsarbeit leisten. Im Chorus begehrt dann die Axt hardrockig auf und ist sich der Unterstützung von Gary Husbands echten Schlägen bewusst.

Ganz und gar nicht aufbegehren tut diese in „Surrender“, welches von der Atmosphäre vergleichbar ist, jedoch komplett im gefühlvollen Fahrwasser verbleibt, ja eigentlich eine reine Soulnummer darstellt. Auch bei den immer wieder eingeschobenen Fills und Soli kann Moore tun, was er ohnehin am liebsten tat. Gerade diese Komposition zeigt, wie gut „A Different Beat“ funktionieren würde, wenn man eine Mannschaft aus Leuten rekrutiert hätte, die ein paar Jahren später in seinen Diensten standen. Hier wurde für das Experiment entscheiden, dass nicht unhörbar, aber sicherlich gewöhnungsbedürftig ist. Man muss den Künstlern auch mal Fehler zugestehen, vor allem wenn sie dadurch auf den rechten Pfad zurück finden.

6 / 10


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