MARQUIS DE SADE - Chapter II


VÖ: 28.07.2023
(GoldenCore Records/ZYX)

Style: NWOBHM/Hard Rock

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MARQUIS DE SADE

MARQUIS DE SADE gründeten sich bereits 1979 in London und veröffentlichten 1981 eine heute für fast unbezahlbar hohe Summen über den Verkaufstresen wandernde „7“Single, die als extrem gesuchte Rarität gehandelt wird. „Somewhere Up In The Mountains“ hieß das edle Stück und besaß alle Trademarks die qualitätssicheren NWOBHM mit feinfühliger Sphärendynamik auszeichnet. Daneben erschien im selben Jahr noch das neben "Somewhere Up In The Mountains" mit drei weiteren Tracks bestückte Demo- Tape 1981. Es dauerte bis 2012, ehe dank High Roller Records eine erstmals offiziell erhältliche insgesamt sechs Tracks beinhaltende CD/LP-Version auf den Markt kam. Das nach so langer Zeit das Licht der Welt erblickende Full-Length-Debüt 'Chapter II' ist Ende Juni über GoldenCore Records zu beziehen. 

Das ROXXCALIBUR auf dem dritten Studioalbum den Kultsong „Somewhere Up In The Mountains“ coverten erhöhte den Bekanntheitsgrad von MARQUIS DE SADE noch. Um den Status der NWOBHM-Band richtig ermessen zu können, sei folgendes Beispiel gegeben: Seit 2019 wieder vereint, begaben sich MARQUIS DE SADE auf Tour. Beim Liveauftritt im Zuge des KEEP IT TRUE sang gesamte Tauberfrankenhalle den Refrain der Kultsingle „Somewhere Up In The Mountains“ mit! Dass dieses mehr Tracks denn jemals zuvor beinhaltende Longplay-Debüt nun Erstveröffentlichung feiert ist Neudi und GoldenCore Records/ZYX zu verdanken.

Natürlich liesse sich über die Person des provokativen Bandnamensgebers Tage und Nächte angeregt diskutieren; weil es den Rahmen erheblich spregen würde, bezieht sich das Review allein auf Qualität und Inhalt der auf Chapter II gebotenen Musik.

In Fünferformation antretend wurde nach 42 Jahren Wartezeit das erste vollständige Longplay-Album aufgenommen. Drei Originalmitglieder die Gordelier Brüder Pete und Chris bilden zusammen mit Drummer Gary Pope den harten Kern, dem sich 2019 Keyboarder Giles Holland und mit dem dritten Gordelier im Familienbunde Paul Gordelier ein zusätzlicher Gitarrist anschloß. Kommen wir nun zur Musik:

„Belvedere“ sorgt für einen eher gediegenen, Düstermelancholisch bis heroisch schwankenden Auftakt mit immens rabenschwarzem Text. „Now I Lay Me Down“ verstärkt das Spannungsmoment geht allerdings fließender zu Werke. „Border Wall“ glänzt mit Pianoklängen und Brückenbauendem Part, ehe eine sich gewaltig steigernde versteckt in düsterromantischen Träumen offenbarende Rocksession anschließt. Das fast 8-Minuten lange „Fortress Of Solitude“ beginnt pathosbehaftet im Chansonstil mit Piano und feinem Klartongesang, zwischen Chanson und klassischem Hard Rock pendelnd, ehe es sich in einen lockeren Melodic-Rocker zum im Takt Mittwippen verwandelt. Im kaum weniger gedehnt 7:32 Minütigem Tribut für den aufgrund seiner Tätigkeiten heftig umstritten wird die spannend bizarre Geschichte des abnorm weltentrückten Bandnamensgebers in pompöser wie theatralisch Weise rockige Grooves aneinander reihend mit jeder Note zelebriert. „The Moons Glow“ mutiert inklusive den zeitweise harrsche Töne anschlagenden Hauptgesang unterstützender Backing Vocals zur fließenden von per Keyboard erzeugten Orgelklängen begleiteteten im lässigen Groove getakteten Rockorgie. „Suspendid Animation“ outet sich als von Trauerchören begleitet geschwärzte Melancholic-Nummer, wo endlich auch mal deutlicher die Leadgitarre soliert. Gitarre und Keyboard liefern sich mitreissende Duelle. Damit ist für erforderliche Spannung gesorgt, ausgleichend hierzu wirkt inbrünstig heroische Klargesang von Stimmbandästhet Chris Gordelier. „Last Survivor“ setzt dem Thema des Marquis de Sade Rechnung tragenden auf düster-mystische Epischem Horror-Rock- Fundament balancierenden Schlußpunkt. Den zackig Rhythm & Beatlastigen Abschluß markiert das Insidern bereits vom Demo 1981 vertraute, in aktueller Neufassung um eine Minute verlängerte „Living In The Ice Age“.

Hier zu rezensierendes Album fasziniert durch eine zwischen bombastischer Epik, mystischem Flair und klassischem NWOBHM-Hard Rock schwebende Mischung auf phantasievoll kreativem Unterboden, dem es ebensowenig an Facettenreichtum fehlt. Bombastischer MAGNUM-Anteil lässt sich ebenfalls ausmachen, ein ums andere Mal denke ich dabei auch an SARACEN, PRAYING MANTIS und RICK WAKEMAN.

Nach vollständiger Selektion lässt sich für MARQUIS DE SADE letztendlich ein gelungenes in den Abgründen melancholischer Schwermut, seelischer Abgründe bizarrem Charakters und heroischer Passion für Obskure Leidenschaften wühlend von effektiv gestalteter Bombastinszenierung umrahmtes Debüt attestieren. Es ist beinahe so als wäre die Zeitepoche der Früh80er-Ära direkt im Jahr 2023 stehengeblieben. Das Unglaubliche Comeback einer zurückgekehrten Legende!

Fazit: Bockstarkes Hard Rock-Debüt mit zeitlos-fesselnder Musik zwischen MAGNUM, klassischem NWOBHM-Hardrock und WAKEMAN. - Feines Ding! 9/10