WISHBONE ASH - Live Dates Live

VÖ: 29.09.2023
(Steamhammer/SPV)
Genre: Classic Rock/Prog
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WISHBONE ASH
Eine der ganz großen alten Bands, die bereits 1970 debütiert hat wie auch URIAH HEEP oder BLACK SABBATH. Live ist die Formation immer noch sehr aktiv, zu Beginn jeden Jahres sind sie für Wochen hierzulande unterwegs. Dabei stützt sich ihr Ruhm vor allem auf zwei Scheiben, „Argus“ von 1972, sowie „Live Dates“ aus dem Folgejahr, von denen sich immer noch die Setlist speist. Teilweise spielen WISHBONE ASH ihren Livealbum-Klassiker komplett nach wie etwa auf der 2014er Tour. Zum fünfzigsten Jubiläum wurde das Programm erneut entstaubt und dabei noch einmal aufgenommen, was nun unter „Live Dates Live“ erscheint.
Direkt beim Start der US-Tour im Winter machte die Truppe am 22. Februar in Pawling im Bundesstaat New York Station. Das Daryl´s House gehört niemanden Geringerem als Daryl Hall, zusammen mit seinem Partner John Oates ein Teil der Musikgeschichte. Deren langjähriger Toningenieur Peter Moshay nahm das Konzert auch auf, wobei das Original seinerzeit vom Rolling Stones Mobile mitgeschnitten wurde. Damals sicher ein Ereignis, ist die Wiederauflage eher als Tribut an die harten Fans gedacht, welche „The Ash“ seit mehr als 50 Jahren die Treue halten.
Natürlich ist die Formation heute eine andere als damals, seit Anfang der Neunziger ist Gitarrist und Sänger Andy Powell das letzte Gründungsmitglied, nachdem eine Reunion des ursprünglichen Line-Ups scheiterte. Mit Bassist Bob Skeat ist ein Sidekick nun auch schon die Hälfte der Bandhistorie mit unterwegs, während am Schlagzeug und der zweiten Gitarre immer mal wieder durchgewechselt wird, jedoch nicht so sehr wie in den unruhigen Achtzigern und Neunzigern. Mark Abrahams hat mit „Coat Of Arms“ schon ein Album auf dem Buckel, Drummer Mike Truscott ist ganz neu dabei.
Natürlich gibt es da musikalische Unterschiede, gerade Abrahams liefert nicht so sehr den bluesigen Gegenpart zum Bandboss wie es sein Vorgänger Muddy Manninen tat. Dabei gerät das Solo von „Throw Down The Sword“ sehr feinfühlig mit viel Bluesattitüde. Bei den markanten Twin Leads harmonieren die beide sehr gut auf den Punkt, spielerisch ist das eine Klasse für sich. Allerdings vermisse ich da eine gewisse Schärfe im Klang oder Anschlag, vieles wirkt zu lässig gezockt. In ihren besten Zeiten ging das bei gleicher Brillanz noch ein paar Zacken mehr nach vorne.
Vielleicht liegt es auch am fortschreitenden Alter von Powell, welcher die 70 weit überschritten hat und vielleicht nicht mehr die Power vergangener Tage mitbringt. Indiz dafür sind sein etwas brüchigerer Gesang, sowie das letzte Studioalbum „Coat Of Arms“, welches nicht an seine direkten Vorgänger anknüpfen konnte. Die Stimme ist zwar immer noch sanft und warm, kann die Melodik transportieren, den letzten Push vermisse ich da ebenfalls. Von Truscott ließe sich Ähnliches behaupten, die Breaks sitzen, geben den Songs einen verspielten Touch, Joe Crabtree hatte allerdings mehr Punch dazu.
Das Programm beinhaltet auf der Konserve nicht die Zugaben, was wohl der Spielzeit geschuldet ist, damit man das Konzert auf eine CD gebannt bekommt. Wie damals findet man die typische Blockbildung vor, die lediglich von einer „Argus“-Nummer zwischen den „Pilgrimage“-Stücken unterbrochen wird. Der große Klassiker macht den Anfang, gefolgt vom seinerzeit aktuellen „Wishbone Four“, des Jimmy Reed-Standards „Baby What You Want Me To Do“ und den Debüt-Songs zum Abschluss. Genauso wenig geändert hat sich, dass WISHBONE ASH weiterhin permanent auf Tour sind, so wie man es zur Veröffentlichung von „Live Dates“ drei Jahre ununterbrochen war.
So finden sich die angesprochenen Trademarks wie die doppelten Leads und jamartigen Ausflüge in andere Genres zuhauf. Blues, Prog oder Folk gehen in dem gleichermaßen fließenden wie schwebenden Gebräu Hand in Hand, man merkt der Band schon an, dass sie mit viel Herzblut agiert. Wie sehr der sterile Klang dazu beiträgt, dass die Atmosphäre nicht im Wohnzimmer ankommt, lässt sich nicht abschätzen, jedenfalls hört man die Zuschauer kaum. Eine Momentaufnahme einer immer noch präsenten Band, der geneigte Fan dürfte aber zuhause eher zum Original greifen.
6,5 / 10

