ROMUVOS - Spirits


VÖ: 09.02.2024
(Hammerheart Records)

Style: Dark Epic Folk/Viking/Pagan Metal

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ROMUVOS

Frisch auf den Tisch kommt das 4. Album der mittlerweile in Berlin, Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, ansässigen litauischen Heidenkrieger ROMUVOS. Vor zehn Jahren anno 2014 von Velnias ursprünglich als Einmannprojekt ins Leben gerufen, wurde in den Folgejahren wesentlich mehr daraus - eine komplett Heidenmetal musizierende und zelebrierende Band. Wussten schon die drei Vorgängeralben der zwischen Epic Folk und Viking/ Pagan Metal balancierenden Litauer Truppe zu gefallen, harrt meine Wenigkeit umso gespannter darauf, was sich auf 'Spirits' offenbart, - der Titel weckt Erwartungen. Nach drei über kleinere Labels vertriebene Studioalben hat der litauische Pagan-Folk-Metal-Geheimtipp folglicherweise beim niederländischen auf solche Bands in aller Regel spezialisierten Label Hammerheart Records angedockt. Damit besteht erstmals Möglichkeit, den seither bestehenden Fankreis um einiges auszudehnen.

Die Litauer gehen es professioneller als bisher an, der vorhandene Heavyness-Faktor wurde vergleichbar zu den Vorgängeralben erheblich reduziert, um intensiv kraftvoll majestätisch raumgreifend ins Ohr dringendem Choralgesang zu weichen. Grund zur Sorge besteht jedoch keine. ROMUVOS haben - soviel sei vorab gesagt - ihren Weg konsequent fortgesetzt sich als Band prächtig weiter entwickelt. Das zugehörige Maß gebündelter Heavyness ist bei den Litauern jederzeit vorhanden.

Geheimnisvoll beginnt der nicht ungefährliche Schlangentanz getaucht in düster-mystische Atmosphären. Altertümliche Riten aus vorchristlicher Zeit erwachen bei „Snake Dance“ zu neuem Leben, wenn sich die Priesterschaft durch Rhythmisches Tanzen angetrieben vom Takt der Trommeln regelrecht in tranceartigen Zustand versetzt, um mit der Umgebung vollkommen eins werdend zu verschmelzen. Schamanenkult heidnischer Ahnen erwacht, zähfließend schleppend steigern sich Tänze alter Riten zu einer in gespenterhaften Sphäre gehüllten Aura, deren Inhalt Vorstellung davon gibt, wie heidnischer Kult polytheistischer Völker zu früherer Zeit praktiziert wurde, bevor das Christentum kam, und zu missionieren begann.Alte Riten, wie auch die Kelten sie kannten, werden real. Auf den Schlangentanz folgt der nächste Tag mit aufgehender Sonne und Morgenstern („Sun and the Morning Star“) auch daran glaubten die heidnischen Völker unerschütterlich. Ein solcher Tag spendete Kraft, gab Zuversicht bereit für kommende Taten zu sein. Kraftvoll schleppend von epischen Choralgesängen heroisch getragen pflanzt sich „World Tree“ ins Ohr, der Blick richtet sich auf den Weltenbaum. Durch Einsatz klassischer Folkinstrumente, Nyckelharpa (im deutschen Sprachgebrauch ebenso: Schlüsselfiedel/Schlüsselgeige/Tastenfiedel), Maultrommel, Flöte, Dudelsack und wechselnd variierende Gesangsperformances effektiv kombiniert zu englisch/ litauischer Lyrics und altpreußischer Sprache – (Altpreußisch gehört zu den Westbaltischen Sprachen, gilt als ausgestorben und wurde von den Prußen einem westbaltischen Stamm in der späteren Region Ostpreußen gesprochen) - bekommen alle acht Stücke enorm Tiefgang, das zeigt sich genauso an „World Tree“, worauf die Beschwörung der Einheit das alles zu einem wird, („Become as One“) folgt. Paukenschläge läuten „Garden Of The Sun“ ein, das Stück gleicht einem Ritual heidnischen Ursprungs wo sich das Volk angeführt von der Priesterkaste auf dem Thingplatz versammelt, um Riten auszuüben. „Spirits of the Oak“ beginnt wieder mit geheimnisvollem Schamanengesang, führt in Wälder, eingehüllt in spirituelles Flair, die von dichtem Nebel eingehüllt sind. Volumös zugleich majestätische Riffs, Ehrfurchtgebietende Choralgesänge verpackt in regelrecht gespenstische Aura, die an Sequenzen der keltischen Stämme aus Filmen wie King Arthur denken lässt oder solche Bilder im Kopf erzeugt, währenddessen im Gesicht angemalte Krieger im dunkel der Bäume lauern – kein Fremder darf in ihr Gebiet eindringen! Spirituelle und geschichtliche Aspekte verbinden sich zu einem Ganzen. Die Umwelt wird in traditionellen Folkloreklang und okkult-ritualistisch geprägt Schamanisches Flair gekleidet, naturmystizistischer Spirit altertümlicher Energien wird freigesetzt. Der Geist uralter Legenden wird lebendig.  Deuteten bereits die Vorgängeralben das Potential der Litauer Pagan-Folk-Riege mehr als nur an, haben sich ROMUVOS diesmal selbst übertroffen!

Hochkarätiger Heidenmetal, hervorragend eingängig wie mitsingkompatibel vor überraschenden Wendungen keineswegs Halt machend, wenn aufeinmal die Leadgitarre irrwitzige Soli bringt oder abrupter  Tempowechsel erfolgt, dessen mächtig tief unter die Haut gehende Wirkung ein auf naturheidnische Klangwelten schwörendes Fanklientel zwischen BATHORY, DANHEIM, HEILUNG, METSATÖLL, MYRKUR, VÉVAKI und WARDRUNA anspricht. Spirits ebnet den Litauern ihren Weg in die Genretopliga. Acht schwerblütig majestätische Songperlen, deren vertonter Inhalt Stiltreues Viking/Paganfolk-Fanklientel epischer Düster-FolkMetal-Reisen im Handumdrehen um den Finger wickelt, Pforten zur Anderwelt öffnet.

'Spirits' ist nicht bloß irgendein Album, es erzeugt Bilder von heute kaum noch bekannten Gottheiten,  Mythen, Legenden, Riten und Bräuchen, - baltische Geschichten, die von einem natur verbundenen Lebensstil erzählen, der im Einklang mit Wolkenverhangen Vollmondbedeckter Nacht verschiedene tief in Kosmos und Erde verborgene Kräfte unmittelbar direkt an den Wurzeln, wie unsere Vorfahren sie kannten und nutzten, lebendig werden lässt. Auch ohne Heranziehen etwaigem Exotenbonus lässt sich gravierend festhalten: Jeder Song erzeugt seinem Titel gemäß ausnahmslos opulent fesselnden Spirit. - ROMUVOS haben ein majestätisch-Mystisches Epic-Pagan-Metal-Meisterepos geschaffen.

Fazit: Gehaltvoll düsterheroisches Dark-Epic-Folk/Viking/Pagan-Metal-Elixier mit erkennbarem Eigenwiederkennungswert bei geballter Signalwirkung erblühend in der Hoffnung, dass heidnische Völker baltischen Raumes wieder vereint, sich den Spirit der im Zuge christlicher Missionierung verdrängten weit in die Vergangenheit ihrer Vorfahren hineinreichenden Kultur zurückzuholen - hingebungsvoll, zeitlos – magisch! 10/10

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