ABRAXAS - Shattered by a Terrible Prediction/Signs
VÖ: 21.03.2025
(GoldenCore Records/ZYX)
Style: Heavy/Power/Speed Metal
Homepage:
GoldenCoreRecords
ABRAXAS gehören immer noch zu den bestgehüteten Teutonenstahl-Raritäten die nicht jeder kennt, aber zumindest mal gehört haben müsste. HEAVEN'S GATE, HELLOWEEN, GAMMA RAY – Namen, bei denen Heavy/Power/Speedfans das Wasser im Mund zusammenläuft. Einen in die Schiene tendierenden Stilmix aus klassischem Heavy Metal und flotteren Tempoattacken brachten die ABRAXAX aus dem Raum Baden Württemberg auf die Waage. Die 1985 gegründete Truppe produzierte drei Jahre später das erste Demo „Vampire“, danach folgte die 'Shattered By a Terrible Prediction'-EP in einer Auflagenzahl von 1000 Stück, die von der Band auf eigene Faust vertickt wurde. Mancher mag nun auch an die Heavy/Speedster MANIA denken, deren Sänger Chris Klauke der Band 1990 beitrat. Schade, dass sich die Band 1998 auflöste. Wieviel Talent in der Band steckte, zeigt sich an der Tatsache, dass ABRAXAS Deutschlands größtes Rock Nachwuchsfestival der Rockfabrik Ludwigsburg als dritter verließen und beim Festival junger Künstler in Reutlingen sogar als Sieger hervorgingen. Für den Erwerb der sauraren Originale ist es erforderlich einen dicken Geldbeutel zu haben.
Zusammengefasst findet sich die 'Shattered By A Terrible Prediction'-Ep erstmals 1988 erschienen mit dem 'Signs'-Demotape von 1991 (Remaster 2025) auf einem Tonträger. Flotte Heavy Metal/Powerspeed-Bretter wie der Opening Track „The Chosen One haben heute nichts von ihrer 'Magie' dem kultigen 80er-Spirt verloren. Ok, der Gesang von Joachim Hittinger mag nicht jedem liegen. Kommen diese Zweifel von Oldschoolern oder dem eher Progressiv ausgerichteten Fanklientel? Unabhängig dessen, wie dem auch sei: Nach meinem Ermessen passt dessen Stimme zu den Oldschool-Stücken aus den 80er-Jahren mitsamt aller Sprechparts effektiv zu den Stücken. „Taken By The Past“ besitzt eine hochspannungsgeladene Einleitungssequenz, die - zumindest geht es mir bei dem Stück so - an den fesselnd mystischen Sphären-Part der Bandsignaturhymne „Cloven Hoof“ von gleich namiger NWOBHM-Kultkapelle auf deren 1984 herausgebrachten Debüt erinnert. Obgleich die Musik nach dem Demo einschließlich Keyboardunterstützung mehr in die Progschiene tendierte, verlor sie keineswegs ihre traditionelle Heavy/Power-Metal-Basis.
Insgesamt klappte der Übergang zwischen beiden Phasen, sowohl der traditionellen Heavy/Speed-Ära als auch der Progressiven Metalepoche nahtlos. „Stolen Memories“ zeigte das bisher noch nicht so stark, spätestens bei „Euphoria“ und „Crusader's Prayer“ macht es sich unverkennbar deutlich bemerkbar. Eine Nummer wie „Signs“ erinnert strukturell in Sachen Songaufbau einschließlich verkopftem Gesang teils an bereits vor ABRAXAS gegründete US-Genre-Vorbilder - ich denke hier vor allem an die frühen QUEENSRYCHE! Was bei diesem Stück besonders hervorsticht ist der textliche Inhalt. Dass Politik uns vieles Glauben zu machen versucht, ihre Versprechen im Regelfall nicht hält, ist kein großes Geheimnis mehr, während sie Geld als ihre Religion betrachtet und Kreditkarten ihre Bibel sind – zeigt wie weit ABRAXAS auf Höhe der Zeit waren und mit dieser zutreffenden Prognose anbetrachts der heutigen Weltsituation damit genau richtig lagen.
There's a new religion "Money" is the name for
(Their) bible called "credit card"
In this temples of gold money games are played
and anytime the rich will win
Das HauptManko woran es bei Genre-Vorreitern wie ABRAXAS letztlich scheiterte lag darin, dass andere Bands noch bekannter waren, qualitativ konnten ABRAXAS der Eliteriege schon aufgrund ihrer spielerischen Klasse jederzeit das Wasser reichen, wofür ihnen heute noch Respekt gebührt. Hierbei gilt folgendes zu bedenken: Gitarrist Oliver Mindner war zum Zeitpunkt als die 'Shattered By a Terrible Prediciton“-EP erschien, gerade mal 15 Jahre alt! Dem Schaffen des 2022 verstorbenen damals blutjungen Gitarristen Oliver Mindner (R.I.P!) zu Ehren wurde dieser Tribut gewidmet.
Via GoldenCore Records neu aufgelegt mit Liner Notes als CD oder LP (mit bedrucktem Inlay) erhältlich, wissen treue Fans der Materie, natürlich, was zu tun ist, wenn ihnen diese soundtechnisch von Patrick Engel und Neudi liebevoll remasterte Rari was keineswegs verwunderlich wäre, noch fehlt. Als Bonus wurden zwei unveröffentlichte Songs beigepackt, die qualitativ gesehen, das vorgelegte Qualitätslevel halten.
Fazit: Gutklassiger Heavy/Power/Speed Metal mit später sich verändernder Progressive Schlagseite, dessen Inhalt selbst heute noch problemlos neben Teutonenstahlkommandos wie HEAVEN'S GATE, HELLOWEEN oder GAMMA RAY besteht und so manches Mal bei der 'Signs' EP des Öfteren über den Teich nach Nordamerika zu 'the Mighty' QUEENSRECHE rüber blickt... 8,5/10