CHEAP TRICK - All Washed Up

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VÖ: 14.11.2025
(BMG Rights Management)

Genre: Melodic Rock

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CHEAP TRICK

Absolut unverwüstlich diese Institution, die einst mit einem Live-Album den ganz großen Durchbruch schaffte. Im Gegensatz zu vielen anderen der großen Melodic Rockacts sind Zander, Nielsen und Co. immer noch sehr aktiv im Studio und haben sich immer auf der Höhe der Zeit bewegt. Klar reißt man mit dem Genre keine Bäume mehr aus, die Hits liegen lange zurück, aber solange die Sache Spaß macht. Dabei war man von Besetzungswechseln fast verschont geblieben, das Line-Up mit Nielsen´s Sohn Daxx an den Kesseln hält auch schon fünfzehn Jahre und bringt vier Jahre nach „In Another World“ mit „All Washed Up“ ihre neunzehnte Scheibe heraus.

Dabei überrascht der Titelsong gleich mal zu Beginn, denn auch wenn die Truppe auf der Bühne weiter vital ist, habe ich ihr derartig kraftvolles Songwriting nicht mehr zugetraut. Das hat fast schon was Punkiges, das Riff knallt, die Attitüde stimmt, der Rhythmus treibt nach vorne, allerdings ohne die Melodien zu vernachlässigen. Fast wähnt man sich bei THE KINKS, wobei das nicht der einzige britische Bezug der US-Formation auf dem Werk ist.
In der Folge hält man den Druck hoch, „All Wrong Long Gone“ nimmt sich den Riff Rock zu Hilfe, und „The Riff That Won´t Quit“ zitiert dann amerikanische Traditionen. Besser gesagt ihre einstigen Labelkollegen aus den Hochzeiten, AEROSMITH, bei denen sie sich sowohl beim Groove als auch beim Solo bedienen. „Bet It All“ bietet dann eine gänzlich ungewohnte Schwere und ein paar noisige Gitarren im Refrain.

Ganz tief ins Songbook ihrer Heimat wird mit „Twelve Gates“ eingetaucht, die lässigen Americana-Einflüsse mit samt cheesigen Backgroundchören stehen ihnen gut zu Gesicht. Auch hier wird sich weit von typischen AOR-Standards entfernt, stattdessen die sonnige Atmosphäre eines Tom Petty bemüht. Noch mehr trockene Asphaltromantik weht bei „A Long Way To Worcester“ herein, das offener atmet. Lässig schwingt auch „Dancing With The Band“ ein, zu Beginn bekommt die Ursprünglichkeit Nahrung mit einem Rockabilly-Touch. Der wandelt sich plötzlich Richtung New Wave, eine Verbindung, die zu CHEAP TRICKs Hochzeiten nicht selten war.

Da war er wieder der britische Touch, der sich auf das ganze Album legt, „Love Gone“ ist einerseits eine typische Ballade, der Psychedelic-Touch ist nicht wegzureden. Der kommt klar aus Richtung der BEATLES, die schon immer einen Impact in deren Stil hinterließen. Die schwelgerischen Gesangsharmonien von „The Best Thing“ sind die Fab Four in Reinkultur. Und zum Abschluss hört man in „Wham Boom Bang“ die Lonely Heart Club Band mit viel Bläsern aufspielen. Nun darf man nicht annehmen, dass sich „All Washed Up“ rein um Retropflege bemüht, der sehr moderne Sound hält das ganze Sammelsurium zusammen, dass mit knackig kurzen Stücken zu gefallen weiß.

7,5 / 10