MARIANAS REST – The Bereaved

VÖ: 16.01.26
(Noble Demon)
Genre:
Melancholic Death/Doom Metal
Homepage:
MARIANAS REST
Wer hätte nach den beiden letzten starken Alben „Fata Morgana“ (2021) und „Auer“ (2023) das neue Album der finnischen Melancholic Death/Doomer MARIANAS REST in einer solchen Intensität wie hier erwartet? Erhofft ja, aber wirklich erwartet, denn die Messlatte lag eben durch „Auer“ sehr hoch. Das Sextett thematisiert auf dem jetzt fünften Longplayer „The Bereaved“ in einer wahrlich ergreifenden Art eine persönliche Geschichte über Verlust und Tod. Über 10 Tracks mit einer Gesamtspiellänge von über 57 Minuten hinweg wird der endlose Kampf um das Loslassen und Annehmen von Erinnerungen und Schuldgefühlen in einer musikalisch eindrucksvollen und erneut emotionalen Vertonung intoniert. Auch wenn der mehrstimmige Gesang (verschiedene Death Growls und Screams, sowie Klargesang) von Sänger Jaakko Mäntymaa in gewohnte Manier erschallt, klingen die nach wie vor unverwechselbaren Gitarren diesmal nicht so metallisch scharf gespielt wie sonst, was gut zu der meist düster melancholisch sphärischen Stimmung der post metallisch anmutenden Stücke passt. Leise Chöre im Hintergrund, wie auch Keyboard-Teppiche in den Songs rücken dafür an diese Stelle. Für den Anfang gewöhnungsbedürftig, da ich persönlich bisher das Zusammenwirken von Gesang und den Gitarren, allen voran die unwiderstehlichen Soli (hier dann: „Divided“, „Pitty The Living““), als das Non plus Ultra in den Kompositionen von MARIANAS REST empfand. Die hier neue Herangehensweise vereinnahmt den Hörer jedoch nach zwei bis drei Durchläufen recht schnell, was man dann in der Fachsprache als einen Grower bezeichnet.
Angefangen mit einem sakral eingesungenen Part beim Opener „Thank You For The Dance“, öffnet sich dieser Song, zunächst unterlegt mit dem Klang einer Kirchenorgel, als eine Art wehmütiger, unter die Haut gehender Rückblick und endet mit dem Cardio Signal, wenn das Leben endet. Beim Folgesong „Rat In The Wall“ fallen die neuen Anpassungen von hard-rockigen Parts und eben der Mehrstimmigkeit beim Gesang (ich zähle fünf unterschiedliche Stimmvarianten) Anlass bezogen besonders auf. Spätestens bei „Divided“, „Again Into The Night“ oder „Diamonds In The Rough“ wird der Band-Kenner und Alt-Fan mit bekanntem Songmuster umgarnt und wenn überhaupt von Nöten, wieder milde gestimmt. Wie eh und je ist es schwer, sich bei MARIANS REST Alben auf bestimmte Songs als Lieblingsstücke festzulegen, da sie alle sehr stimmungsbezogen auf einen einwirken, wie hier z. B. das geniale Instrumental „Tyhjä“, das man nicht mit / bei vorhandenen Depressionen hören sollte.
Für mich stellt „The Bereaved“ in seiner Gesamtheit und seinem Konzept als ein wahrer Orgasmus in Sachen vom facettenreichen Zusammenwirken von Melancholie, Sphärik, Atmosphäre, emotional betonter Schwermut und Hoffnung dar und ist ein erster Anwärter auf das Album des Jahres im Bereich des melodischen Death-Doom Metals. Chapeau!
Punkte: 9/10

