BIG BIG TRAIN - Woodcut

VÖ: 06.02.2026
(InsideOutMusic/Sony)
Genre: Retro Prog
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BIG BIG TRAIN
Nicht einmal der Tod des langjährigen Leadsängers David Longdon konnte die britischen Retro-Progger aufhalten. Dabei kam es Mastermind Gregory Spawton sicher zugute, dass sein Line-Up öfter wechselt und international besetzt ist, als er Alberto Bravin zu dessen Nachfolger machte. Hier wurde ein großer Name gescheut, während mit Rikard Sjöbolm und Nick D´Virgilio bekannte Namen im Prog mit an Bord sind. Seinen Einstand feierte der Italiener vor zwei Jahren beim letzten Werk „The Likes Of Us“. Seitdem geht es unvermindert weiter bei BIG BIG TRAIN, „Woodcut“ ist bereits das sechzehnte Studiowerk.
Der Wald war ja schon immer eine interessante Metapher, die im Folk Prog oft verwendet wurde, man denke an JETHRO TULL oder de Folkschlenker „Through Shaded Woods“ von LUNATIC SOUL. Die akustischen Gitarren des Quasiopeners „The Artist“ nach dem Intro „Inkwell Black“ scheinen aus dem Holz der verwunschenen Wälder geschnitzt zu sein, von welchem zig Epen erzählen. Verträumt kommt auch der Gesang von Bravin, der im Refrain von verhallten Chören umspült wird, die auf Orgelflächen daher segeln. Ähnliches Flair versprüht „The Sharpest Blade“, bei dem mit Geige und Mellotron zwei weitere aus Holz gefertigte Instrumente zum Zug kommen.
„Chimaera“ führt zu Beginn ebenfalls auf die waldigen Pfade, wobei das Picking etwas flüssiger von der Hand geht. Immer symphonischer bauen sich die Synthesizer auf, um in den weiten Refrain zu münden, der gleichsam an SPOCK´S BEARD erinnert. Wie die amerikanischen Szeneführer so setzen auch BIG BIG TRAIN auf Satzgesänge, bei der Personalstärke noch vielschichtiger arrangiert. „Dreams In Black And White“ hält sich instrumental zurück und setzt vornehmlich auf die Klangerzeugung.
Wenn dann die proggigeren Klänge reinschieben scheint das Erbe der Insel noch mehr durch, wobei sie in „Albion Press“ verhältnismäßig düster und schwermütig zu Werke gehen. „Warp And Weft“ kommt noch konzentrierter um die Ecke, ergeht sich streckenweise in flirrende Abfahrten. Höhepunkt in der Entwicklung sicherlich „Cut And Run“, mit sechs Minuten eines der längsten Stücke, im Prog eher ungewöhnlich. Bei der Nummer wechseln die Motive in schneller Folge ab und bringen sogar jazziges Feeling rein.
Was in das vom Piano wunderschön getragene „Hawthorn White“ übergeht, wo auch wieder Claire Lindley mit ihrem Bogen zu überzeugen weiß. Im Anschluss folgt das große Finale mit dem wuchtigen Doppel aus „Counting Stars“ und dem fanfarenhaften „The Last Stand“. Teils mit floydigen Leads ausgestattet wissen diese in „Light Without Heat“ die meisten Akzente zu setzen. Gewinnen tun diese auch durch die sehr warme Produktion ohne Kompressionsrisiko, die herrlich Vintage tönt. Damit werden alle Details sehr plastisch herausgehoben, ohne sich irgendwie aufzudrängen, dafür sind die Kompositionen zu sehr im Fluss.
7,5 / 10

