CLAWFINGER - Before We All Die

VÖ: 20.02.2026
(Napalm Records)
Genre: Crossover
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CLAWFINGER
Irgendwie scheinen alle Bands der Neunziger wieder zurück zu kommen, während alte Helden der Siebziger und Achtziger immer dabei waren. Vor allem die Crossover-Welle spuckte mit BIOHAZARD, BODYCOUNT oder H-BLOCKX einige interessante Comebacks aus. Nun als die Schweden, die schon immer eine der kontroversesten Themen der Szene waren und gerne den Finger in die Wunde legten. Das Line-Up kaum verändert wollen Zak Tell nach neunzehn Jahren dort anknüpfen, wo sie einst mit „Life Will Kill You“ aufhörten. Besser jetzt als nie, was wohl auch der Albumtitel „Before We All Die“ suggeriert.
Den kann man auch anders deuten, die brennende Lunte der Welt macht bewusst auf welcher Rasierklinge wir täglich entlang wandeln. Die Bedrohungen sind allgegenwärtig, doch CLAWFINGER wollen nichts ändern, sie wollen nur ihre Wut darüber artikulieren. Dinge, über die man wütend sein kann, gibt es derzeit genug auf der Welt, die ja im Prinzip an beiden Polen brennt, oft muss man leider das eigene politische Lager hinterfragen.
Los geht es mit Volldampf, punkiger Attitüde und eher an WHITE ZOMBIE gemahnten Gitarren. „Scum“ ist unmissverständlich den GröPaZ gewidmet, dessen irres Zitat am Ende eingespielt wird. Die Gangshouts wie zu besten Seiten wird der besungene heraus gerotzt als ginge es um dessen Exorzismus. Wobei das klanglich etwas überrascht, nicht den typischen präzisen Sound bringt, wie ihn einst Jacob Hellner so einflussreich machte.
Im Anschluss geht es mit „Ball & Chain“ fast körnig weiter, dessen Refrain dann ungewöhnlich viel Melodie beinhaltet. Die fast Kinderlied-affinen Gesänge findet man auf dem nunmehr neunten Studiowerk nicht mehr, das dennoch klar die Handschrift der Skandinavier trägt. In der Folge wird der Rap-Anteil immer größer in den Songs, wobei „Tear You Down“ in den Strophen noch viele aggressive Gitarren bietet. „Big Brother“ ein Thema, das den Herren auf der Seele brennen muss nutzt einige elektronische Spielereien von Jocke Skog, die man später in „Kill The Dream“ noch dominanter auftreten.
Mit ganz klassischen Hip Hop-Grooves wartet „Going Down (Like Titanic)“, bis im Chorus die Gitarren brettern. Die haben auch ohne den bekannten Mister an den Reglern mächtig Druck dahinter, was eine massive Dynamik reinbringt. Völlig ungewohnt werden sie bei „A Fucking Disgrace“ mit viel Slide und halbakustisch eingezockt. „You Call Yourself A Teacher“ treibt fast tanzbar nach vorne, während der titelstiftende Rausschmeißer mit seiner Epik ICE-T zu Ehren gereicht. Wie den schon eingangs erwähnten Bands, gelingt es auch CLAWFINGER ihre alten Trademarks einer Frischzellenkur zu unterziehen und an die revolutionäre Frühphase anzuknüpfen.
7 / 10

