TYKETTO - Closer To The Sun

03 tyketto

VÖ: 20.03.2026
(Silver Lining Music)

Genre: Hard Rock

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TYKETTO

Seit dem letzten Album sind schon wieder zehn Jahre ins Land gegangen, wobei sich die Hair Metal-Spätzünder in den letzten Jahren wieder häufig live haben blicken lassen. Vom Studioschwung der Reunion ist wenig übriggeblieben, ebenso vom Original-Line-Up. Interessanterweise sind die europäischen Mitglieder noch an Bord, Bassist Chris Childs und Keyboarder Ged Rylands, ihres Zeichens alte Bekannte in der Szene. Mit Drummer Michael Clayton ging der letzte außer Frontmann Danny Vaughn und wurde durch DORO-Sidekick Johnny Dee ersetzt. Neu bei TYKETTO ist zudem Leadgitarrist Harry Scott Elliott, mit dem nun „Closer To The Sun“ aufgenommen wurde, für das sie auch vom Frontiers-Label weg sind.

Der überrascht gleich zu Beginn, und das nicht nur mit dem griffigen „Higher Than High“, das als Single ausgekoppelt wurde. Seien wir ehrlich, aber die letzten zwei Scheiben konnten nicht an die Qualität der ersten beiden heran reichen, „Shine“ war ja ohne Vaughn ohnehin eher außen vor. Auch musikalisch versucht man sich in bislang unbetretenem Terrain, der schwer groovende Opener atmet deutlich den Geist des Blues, Childs als Co-Komponist lässt die DNA von THUNDER durchscheinen. Was nicht nur die Hammond deutlich macht, der Sänger nutzt seine Lungen auch, um die Mundharmonika zu blasen. Beim swingenden „Donnowhdiddis“ setzen sie zudem auf klimperndes Honky Tonk-Piano.

Ihre Kernkompetenzen kreuzen sich mit den ungewohnten Anklängen in „Bad For Good“ besonders gewinnbringend. Das Riff schön kantig, wieder mit der Orgel darunter, knallen die Arrangements im Refrain wie in besten Achtzigern. Parallelen zu späten BAD COMPANY sind nicht von der Hand zu weisen, was die Einleitung zum Solo zusätzlich belegt. Ja, da sind endlich wieder die großen raumgreifenden Stadionmomente, noch besser direkt mit „We Rise“ folgend. Anfänglich noch balladesk mit der Klampfe lauernd explodiert die Bridge mit krachenden Beckenschlägen. Ab da laufen die Melodiebogen so süffig nach vorne, dass es eine Freude ist, darauf haben die Anhänger schon lange gewartet.

Ein Melodiefeuerwerk liefert ebenso das luftige, von Leadgitarren flankierte „Starts With A Feeling“. Jim Peterik, jemand der genau weiß wie man derartige Hits schreibt, war daran beteiligt. Zum Glück geben sie ihre Identität dafür nicht auf, das typische Akustikspiel von Danny Vaughn trägt den Song. Jenes taucht öfter bei „Closer To The Sun“ auf, unter anderem beim Titelsong, in welchem der neue Gitarrist einmal mehr sein Feeling mit warmen Fills unter Beweis stellt.
Mit der unterschwelligen Rhythmik, die den weiten Chorus stützt, zeigt der gute Johnny, dass er mehr kann als straighten Metal. Gleich im Anschluss darf er noch mehr grooven, nehmen sich TYKETTO mit „Harleys & Indians (Riders In The Sky)“ ein ROXETTE-Cover vor. Die sechs Saiten etwas rauer angeschlagen als im Original, die Harmonika erneut im Einsatz lässt sich doch erkennen, dass der Songschreiber zuvor ebenfalls für „The Look“ verantwortlich war.

Von den dezent alternativen Anleihen, die sich immer mal wieder auf den letzten Platten eingeschlichen haben ist kaum noch was übrig. Vielleicht beim ruppigen „Hit Me Where It Hurts“, das dafür aber mit einem schmissigen Refrain aufwartet, der sich wunderbar ins Gesamtbild einfügt. „Far And Away“ hat mit seiner fast ohne Rhythmus dargebotenen Ausrichtung auch einen dezenten Touch in die Richtung, wobei eine Geige für schöne Atmosphäre sorgt.
Atmosphäre wird auch beim abschließenden „The Brave“ groß geschrieben, wo man auch den luftigen Groove wiederfindet, ein Markenzeichen von TYKETTO. Das Piano spielt dramatisch auf und schielt aus New York ein Stück weit rüber nach New Jersey. Nicht nur im ruhigen Mittelteil machen sich die Americana-Zitate breit, gegen Ende bauen sich Chöre immer weiter auf, um schlussendlich in ein Gospel-Outro zu münden.

Im Mittelpunkt steht das Klavier zudem in „The Picture“, der zweiten Großtat auf „Closer To The Sun“. Traumhafte Harmonien zwischen Gastmusiker Nigel Hopkins und Harry Scott Elliott verbreiten viel Melancholie. Im Chorus schmachtet das letzte Urmitglied wie in den ganz großen Powerballaden der Achtziger, ohne das Feeling außer Acht zu lassen. Wo andere altgediente Bands mit ein paar renommierten Namen den Schein aufrechterhalten wollen, geht hier der Stern tatsächlich noch einmal auf. Mit so einem Statement hätte ich wirklich nicht mehr gerechnet, die eigenen Stärken zu einem abwechslungsreichen Werk erweitert, hätte dieses nach dem Debüt oder spätestens nach „Strength In Numbers“ erscheinen müssen.

8,5 / 10

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