CHEZ KANE - Reckless

03 chezkane

VÖ: 27.03.2026
(Frontiers Music)

Genre: Hair Metal

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CHEZ KANE

Diesmal hat es etwas länger gedauert, wobei ja die Kreativbatterien von Songwriter nicht ständig brennen können. Schließlich hat der Mann in Zwischenzeit mit CRAZY LIXX ein weiteres Album komponiert, während CHEZ KANE selbst einige Gigs gespielt hat, unter anderem bei bekannten schwedischen Festivals. Im Land der Elche scheint sie sich mittlerweile wohl zu fühlen, so entstand auch ihr drittes Werk „Reckless“ wieder dort oben. Nur was zur Hölle hat sich die Sängerin bei dem Cover gedacht, bei dem der Badeanzug nur mit Anstrengung die Bikinizone verdeckt? Derart sexistisches hat man selbst im um solche Ausrutscher nicht verlegenen Genre seit „Town Bad Girl“ von LEGS DIAMOND nicht mehr gesehen. Dabei hat sie das eigentlich gar nicht nötig, rein optisch auch ein Hingucker, wenn nicht so spärlich bekleidet.

Musikalisch macht das Team wieder alles richtig, er liefert die griffigen Songs, sie die kraftvolle Stimme. Um den Namen VIXEN kommt man erneut nicht drumherum, der scheint auch hier wieder hinter jeder Ecke hervor. Ganz besonders beim eröffnenden Titelstück, dessen Begriff hat die Dame beim Cover vielleicht ein bisschen zu wörtlich genommen, das ist zu gewagt. Leads schwirren umher, die Keys legen sich sanft drunter, lockere Akkorde erzeugen viel Drive, „Love Made Me“-Gedenkchöre schneiden ein, die Melodien kommen so richtig ins Laufen. Weil wir grad bei den Achtzigern sind fetzt noch ein Saxophonsolo dazwischen und gestaltet alles noch bunter.

Noch mehr Tastenzauber entfaltet „Night Of Passion“, wo der Im Verbund mit knackigen Gitarrenriffs feine Harmonien bildet. Pumpt sich der Bass gut durch die Strophen, so wird der Chorus weit angelegt, ein guter Schachzug die Stimme von Kane gut in Szene zu setzen, der im Verlauf der Scheibe zu wenig gespielt wird. Neben dem Sax darf hier noch der Synthesizer solotechnisch ran, wobei der diesmal nicht so viele andere Instrumente adaptiert. Die Konzentration wird eher bei dem Eigenklang gesetzt, der allerdings eher Casio ist denn Yamaha. Die große Fanfare folgt in „Tongue Of Love“, wo der Slap Bass interessante Kontrapunkte setzt.

Nicht groß verwundert es, dass die Keyboards manches leicht verwässern, etwa die rockigen Riffs im programmatisch betitelten „Personal Rock´n´Roll“. Ohne die Begleitung könnte „Street Survivor“ als lässiger Rocker durchgehen, das Grundthema ist angenehm abgehangen. Dafür verwandeln die Sängerin und ihr Produzent das ganze in eine Hymne, bei welcher der Arm wie von Geisterhand nach oben schnellt. Zurückgenommene Gitarren finden sich auch beim Mittelteil von „Strip Me Down“, die Nummer macht aber auch klar, dass die sechs Saiten streckenweise mehr zupacken als gewohnt, und das Tempo leicht anziehen gegenüber den beiden ersten Scheiben.

Fand sich bei „Powerzone“ mit dem Titeltrack eine geradlinige Nummer, so treiben hier mehrere wie „Love Tornado“ nach vorne. Rexxon kommt hier seiner Stammcombo näher, „Bad Girl“ besitzt fast metallische Kante. Generell ist die Entwicklung zu begrüßen, um die Abwechslung hochzuhalten, dafür fehlt etwas davon auf „Reckless“. Ein wenig vermisste man die weit gezogenen Töne bei epischeren Liedern vom Schlage „Dead Ende Street“ mit seiner feinen Melancholie. Auf die für dieses Genre eigentlich obligatorische Powerballade wurde komplett verzichtet, die forschere Gangart macht sich sogar in den deutlich kürzeren Songlängen bemerkbar.

Natürlich machen die Songs einfach nur Spaß, man spürt förmlich den Fahrtwind in den Haaren, das Gaspedal klebt unten fest. Möglicherweise ist das Saccharin aus dem CD-Schacht gelaufen, denn bei den Melodien wird genau das Wort groß geschrieben. Das will nicht immer so gut passen wie beim abschließenden „Bodyrock“, wo sich Gitarre und Tasten wie zu besten BON JOVI-Zeiten jagen. Den Eindruck, dass der Stimme von CHEZ KANE bei aller Klasse nicht ganz über den aggressiven Biss verfügt, hörte man bereits auf den Auditionvideos für SKID ROW. Hier könnte man beim Songwriting ihre individuellen Qualitäten noch mehr betonen.

7 / 10