RPWL - World Through My Eyes-Live

VÖ: 01.05.2026
(Gentle Art Of Music/Soulfood)
Genre: Art Rock
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RPWL
Ein wenig machen es Deutschlands bekannteste Art Rocker wie IRON MAIDEN, nach einer Tour zum aktuellen Album nehmen sie sich auf der nächsten einem bestimmten Thema an. Diesmal stand das zwanzigjährige Jubiläum von „World Through My Eyes“ an, mit dem sie seinerzeit ihren Sound endgültig definierten. Nach zwei aufeinanderfolgenden, aber grundverschiedenen Alben und der Raritätensammlung „Stock“ brachte jene Scheibe RPWL endgültig in die Erfolgsspur. Seitdem verfeinern sie ihren Sound zusehends, lassen ihre Studiowerke jeweils sehr dicht wirken. Auf der letztjährigen Tournee kam die Scheibe komplett zur Aufführung, was sie ja mit ihren jüngsten Alben immer gemacht haben. Das Ergebnis davon ist auf „World Through My Eyes – Live“ nachzuhören.
Dass die Songs bei unterschiedlichen Konzerten aufgenommen wurden stört die Liveatmosphäre allerdings deutlich. Zwischen den Songs gibt es klare Schnitte und Ansagen finden so gut wie keine statt, oder fielen eben der Schere zum Opfer. Dass die Freisinger nicht mit dem Publikum interagieren kann man ihnen nicht vorwerfen, ein paar Mal fordert Yogi Lang diese zu Singalongs auf. Seltsam mutet es in dem Zusammenhang an, wenn er einmal an Bochum, ein anderes Mal an Oberhausen adressiert. Wo wir wieder bei dem Vergleich der Herangehensweise mit den eisernen Jungfrauen wären, Stichwort „Live After Death“. Die Band wollte wohl von jedem Song die bestmögliche Version haben, bei der Qualität der Darbietung sollte ihnen das gelungen sein.
So sehr das ein wenig an die Live-Neueinspielung des Debüts „God Has Failed“ während Corona erinnert, gibt ihnen die individuelle Klasse der Tracks recht. Im Gegensatz zu der sterilen Fassung sind hier die Fans deutlich zu vernehmen, die alles begeistert abfeiern, wo immer sie aufgenommen wurden. Für ein Konzertdokument hat das enorm Druck, obwohl die Formation ja eher auf Atmosphäre setzt. Unglaublich konzentriert und leidenschaftlich wird hier zu Werke gegangen, um die Kompositionen in neue Sphären zu bewegen.
Kalle Wallner scheint hier förmlich entfesselt, legt so viel Herzblut in jede Note, auf Platte schon tolle Soli heben hier endgültig ab wie in „Hole In The Sky“ oder „King Of The World“. In letzterem lässt der Gitarrist ebenso bluesige Töne anklingen, das Feeling hier ist beeindruckend. Wo man im Studio vielleicht die Dynamik ein wenig auf Marktgesetzmäßigkeiten anpasst, können RPWL hier die ganze Tiefe ihre Nummern ausloten, auch die aufbrausenden Passagen haben mehr Biss und verstärken das cineastische Moment.
Hatte man auf dem hier komplett durchexerzierten Werk ein paar psychedelische Ausflüge, die blass blieben oder wie „Sea Nature“ etwas albern wirkten, so erschaffen sie hier mehr Eindringlichkeit. Dabei machen sie auch vor Improvisationen nicht Halt, in Day On My Pillow“ wird geschickt ein GENESIS-Zitat eingeflochten. Deren Sänger Ray Wilson hatte auf der Scheibe den Hit „Roses“ eingesungen, der bei den Konzerten sehr früh kam, aber natürlich die Stimmung sofort nach oben hievte.
Floydsche Momente gibt es nicht nur bei den Gitarrenmotiven, auch die Arrangements mit der stärkeren Einbindung der Backgroundsängerinnen Caroline Van Brünken und Carmen Tannich trägt deren Handschrift. Ebenso wie das Bassspiel von Markus Grützner, das fein lauert und sehr spannend aufgeladen ist. Ganz besonders bei „“A New Star Is Born“ aus den „World Through My Eyes“-Sessions, das hier zum ersten Mal überhaupt aufgeführt wurde und mit fast vierzehn Minuten das längste Tune stellt.
In Sachen Tasten wird auch die komplette Palette aufgefahren, Butsch weiß jedes Instrument perfekt abzubilden, ob nur Orgelflächen, Synthesizer oder auch ein paar Pianotupfer wie im DIRE STRAITS-Moment des treibenden „Unchain The Earth“. Ab und an verlässt Lang seinen Platz an der Rampe und stellt sich hinter seine Moogs, zaubert in „A New World“ förmlich. Gesanglich kann man dem Frontmann auch wenig anhaben, seine melancholische Stimme wirkt zwar immer ein wenig brüchig, bekommt aber dadurch ihre emotionale Fragilität.
Seiner Unterstützung überlässt er dabei mehr als nur die weiten flächigen Chöre, die Damen dürfen auch am Leadgesang ran wie im abschließenden „The Shadow“ oder ergänzen sich in feinen Harmonien. Bei so viel detailreichen und bunten Klanglandschaften bliebt fast Marc Turiaux auf der Strecke, der Taktgeber verbindet die Elemente mit vielen Fills, fällt vor allem bei forscheren Stücken wie „Wasted Land“ auf. Musikalisch ist „World Through My Eyes – Live“ absoluter Hochgenuss, in Vollendung auf den Punkt, wenn nur der Livecharakter ausgeprägter wäre.
8 / 10

