TIDAL WAVE - Volume Tree

VÖ: 06.05.2026
(Ripple Music)
Style: Stoner-Doom
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TIDAL WAVE
Zugegebenermaßen über die schwedische Stoner-Doomcombo TIDAL WAVE ist nicht viel bekannt. Zu meinem Erstaunen sind TIDAL WAVE zunächst beinahe vollständig im traditionellen Epic Doom zu Hause, während Stoneranteile wenn überhaupt nur minimal vorhanden sind. Schwere Gitarrenriffs flankiert von raumgreifender Melodieführung, unter die Haut gehender Spannung und Heavyness, die sich irgendwo zwischen BLACK SABBATH, CANDLEMASS und SOLITUDE AETURNUS ansiedelt, dröhnt angenehm wuchtig ins Gehör. Alben wie das dritte schlicht „Volume Tree“ genannt röhren am effektivsten kraftvoll, schwer, melancholisch in zugehöriger Lautstärke. „The Orb“ sorgt sogleich für einen ganz fetten Auftakt, von diesem Opener dürfen andere Zeitlupencombos sich gerne mal etwas abschauen. Kaum weniger intensiv heavy dazu raumgreifend, drückt „The Hangman“ wobei dessen Düstermelancholische nichts freundliches verheißende Aura verbunden mit drückender Schwere neben ruhiger Mittelbrücke immer das gewisse Maß voller Spannung bereithält. Bei TIDAL WAVE steht präsent die Kraft des Riffs im Vordergrund, um die sich alles herum aufbaut. Unterschiedlich gemischte Emotionen löst das opulente Albumcoverartwork aus.
Sänger Alexander 'Sunkan' Sundqvist schafft es wie eine Mischung aus Tony Martin bei BLACK SABBATH zu klingen, dazu eigene Stimmbandfrequenzen aber auch das nicht unähnliche Stimmbandtimbre von SORCERER-Frontmann Anders Engberg zu erreichen, wobei er dem Landsmann gesanglich recht nahe kommt. „Earth“ und „Temple of Humanity“ hauen in die selbe Kerbe. So manchesmal fließt auch ein Sprechpart ins Geschehen ein. Richtig fett rollt dann der Groove, beim Schweden-Doomquartett, wenn das Tempo anzieht und im Schlußdrittel zur Abwechslung mal richtig auf's Gaspedal getreten wird, wobei Klargesang zu harrsche Shouts mutiert. Wie sehr die frühen ersten BLACK SABBATH-Alben Einfluß bei der Schwedencrew hinterließen, zeigt „Temple of Humanity“. Kraftvoll die Luft pflügende Riffs und Hang zur Dramaturgie geben dem Achttrackling gesundes Maß Würze. Zum Ende kommen Serienweise Riffsilhouetten zum Vorschein, ehe schleppende Epik den Track sinnvoll beendend ausklingen lässt.
Nach vier schweren Doom-Brechern ändert sich der Albumcharakter zunehmend ab Hälfte zwei deutlich, wo es mehr in Desertmässigen Stonerbereich übergeht. Statt langatmig schwerblütig rockt das mehr im Stonerbereich angesiedelte „Sideburns“ kurz, bündig und präzise – Schmierstoff, geölte Maschinerien um gut Laufenzu können, brauchen. „Shapeshifter“ verbindet knackiges Stonerflair mit kantiger Doomschlagseite. Zu obigem Einflussspektrum gesellt sich lockerer KYUSS-Anstrich der in Kombination zu Proto-Doomigen BLACK SABBATH viel Wirkung entfaltet. Zur Bestätigung kommt das rockige Stonerflair bei „Manuscript 512“ ebenso durch, dazu gehört auch ein cooler Brückenpart, der zeigt, wie gehaltvoll Tempo rausgenommen, das Spannungsmoment hervorgehoben wird, um handwerklich erzeugtes, markanterweise tief unter die Haut gehendes Gänsehautflair ohne unnötig aufgeblasenen Keyboardkleister mit gekünsteltem Bombast zu entwickeln. „Skitliv“ beginnt von melancholischen Gitarrenklängen eröffnet, der Gesang tendiert diesmal stärker in Richtung von Sängerlegende Ronnie James Dio. Neben aller auf den Punkt gebrachten Dynamik sind es die nachdenklich ruhigen Parts, welche den Song mit Form und Inhalt füllen. Gehaltvoll, ergreifend majestätisch und fesselnd zugleich, was TIDAL WAVE auf Volume Tree verzapft haben.
Fazit: Schwedendoom gehobener Sorte, der sofort zündet, ohne sich dauerhaft abzunutzen. - Siedendheiß brodelnder Lavasound zeitweise kombiniert mit Stonertouch im Traditionellen Doomraster und reichlich Substanz. Interessanter Stoner-Doom-Grenzgängertobak von bezeichnend schwerblütigem Inhalt. 8,4/10

