WHIRLWIND - 1640


VÖ: 24.04.2026
(Dying Victims Productions) 

Style: Heavy/Power/Speed Metal 

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WHIRLWIND

Tief verwurzelt Geschichtsbehafteter Thematik ihrer katalonischen Heimat haben sich WHIRLWIND verschrieben. Ende April meldet sich die seit vierzehn Jahren bestehende Combo, deren vier Jahre zuvor veröffentlichtes, anno 2022 erschienenes '1714'-Debüt verdientermaßen tolle Kritiken erhielt, mit dem zweiten Longplayer zurück. In '1640' - (Jahreszahl deutet es bereits an) legen WHIRLWIND ein sich auf historisch als belegt geltende Ereignisse im Verlauf des 30jährigen Krieges ihrer Herkunftsregion beziehendes Konzeptalbum nach. Geschichtlicher Hintergrund hierzu ist folgender: Katalonien spielte zum Ende des 30jährigen Krieges in der Zeit von 1640 bis 1648 eine entscheidende Rolle wobei der Konflikt zwischen Spanien und Frankreich zu den nachfolgenden Ereignissen führte. Durch Stationierung kastilischer Truppen in Katalonien die Ressourcen für den Krieg gegen Frankreich und Niederlande abpressen wollten, kam es dort zu einem Volksaufstand von dem der Song „Lese Majesty – Corpus de Sang“ berichtet. Im „Schnitterkrieg“ von 1640 setzte sich Katalonien's Bevölkerung gegen die Zentralisierungspolitik des spanischen Königs Philipp IV und dessen Minister Olivares gewaltsam zur Wehr. Betreffs Verteidigung gegen die Spanische Armee schloß Katalonien ein Bündnis mit Frankreich's König Ludwig XIII., der sich mit Spanien im Krieg befand. Katalonien war vorübergehend unter Einfluss der französischen Krone stehend unabhängig von Spanien. Nach dem Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück zur Beendigung des 30jährigen Krieges am 24.10.1648 zog sich der Konflikt mit Katalonien weitere elf Jahre bis 1659 dahin, ehe der Pyrenäische Friedensvertrag eine Regelung festlegte, dass Spanien den Nördlichen Teil von Katalonien (Roussillon und Teile der Cerdanya) an Frankreich abtrat, während der Rest von Katalonien Spanien angegliedert wurde. Der Traum eines von der spanischen Regierung unabhängigen Kataloniens war geplatzt. Die mit den Ereignissen im 30jährigen Krieg verbundene Befreiung Kataloniens von Kastiliens Herrschaft ist im Langepos „Marching For Victory“ textlich verarbeitet.

Das Internet kann mitunter schnell in die Irre führen, deshalb folgende Anmerkung betreffs Review: Es handelt sich auf diesem Tonträger keineswegs um 'Piratengeschichten', obgleich die RUNNING WILD-Frühära (deren 'Piratenphase' ) als wichtiger Einfluss der katalonischen Heavy Metalcombo WHIRLWIND hervortretend, bedingt durch das von den Hansestädter Crew um Kapitän Rock n' Rolf entwickelte und geprägte Piratenimage - solche Gedanken allzu gern weckt. Der geschichtlich weit davon entfernt liegende Hintergrund ist weitaus ernster, vor allem ein ganz anderer, hat dementsprechend rein gar nichts mit schöngefärbter Seeräuber-Abenteuerromantik zu tun. Soviel dazu - und jetzt spricht die Musik:

Auf das geschichtlich eröffnende Intro „1640“ folgt in „Days of Doom“ folgt die mächtige Ansage in Form eines gewaltigen sämtliche Schiffsplanken zum Beben bringendes Power-Speedgeschoss – wenn das Schiff über die Wellen pflügt während sich ein gewaltig aufziehender Sturm zusammenbraut. Hier wird ein richtiges Fass heroischer Helden-Schlachten Metal aufgemacht verpackt im Oldschool-Raster. Das kräftige zugleich immens raukehlige theatralischen Klargesang ebenso sicher beherrschende Organ von Héctor Llauradó drückt allen Songs den Stempel auf. Kompakte Rhythmusarbeit, herrlich sägende Gitarrenriffs, explodierende Leadsoli, krachende Gitarrenläufe, raumgreifend epischer Choralgesang und kraftvolles Drumming machen dieses Album zu einem unumgänglichen Muss für Oldschool-Metallerschaft wie meinereinen. Neben überdimensionär vorhandenen RUNNING WILD-Einflüssen kristallisieren sich Bezüge zu Acts wie ACCEPT, GRAVE DIGGER, HELLOWEEN, STEELER oder TYRANT heraus. Nach „Days of Doom“ und „Rage Of the Conqueror“ wo man zunächst noch fast 1:1 nach RUNNING WILD klingt, ändert sich spätestens mit „Winds of Ash and Dust“ und „Lese Majesty - Corpus de Sang“ der Kurs, damit gesellen sich auch andere Einflüsse vielmehr hinzu.

„Through Fire and Blood“ outet sich als gelungene mit fetten Riffsalven, und geloppierenden Gitarrenwänden um sich werfend von Theatralischem Gesang lebende Hymne, wo sich ACCEPT, GRAVE DIGGER, TYRANT und eine dem Song immens wohltuende Seebrise STORMWITCH (!) bemerkbar machen. „Ready To Explode“ lässt RUNNING WILD zur stärksten 80er Phase mit HELLOWEEN kollidieren. Was kommt als nächstes? „Chains and Leather“ RUNNING WILD?HahaHa! Nein, jedoch lassen Drumbeats und Songaufbau zuerst zwangsläufig darauf schließen. „By Blood In Our Vains“ geht als Nummer zum Faustrecken inklusive feiner Leadsoloschleifen durch. Als bester Song stellt sich das finale auf knapp über dreizehn Minuten gestreckte mit Choralgesängen versehene Schluß-Opus „Marching To Victory“ heraus, wo epische BATHORY und MANOWAR auf tempogedrosselte TYRANT-  und bezeichnendermaßen - RUNNING WILD treffen.

Dieses Album lässt sich trotz deutlicher Einflüsse der Hanseatencrew  nicht allein auf RUNNING WILD reduzieren, dafür sind WHIRLWIND flexibler in Sachen Heavy/Power/Speed unterwegs, zumal sie aus einem reichhaltigen Fundus zwischen 80er Teutonenstahl Marke HELLOWEEN, HEAVEN'S GATE, HELLOWEEN, TYRANT oder STORMWITCH schöpfend auch pathoslastig an BATHORY/MANOWAR gedenkende Passagen einflechten.

Fazit: Fesselnd epischer Historien Metal auf Heavy/Power/Speed Ebene,der Appetit auf eine vielleicht bald anstehende WHIRLWIND-Tour durch Europa weckt!?! 8/10