YES - Aurora

VÖ: 12.06.2026
(Inside Out/Sony)
Genre: Progressive Rock
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YES
Zwar bringen die Progressive Rock-Pioniere seit dem Einstieg von Jon Davison fleißig neue Scheiben heraus, die Tourneen drehen sich aber eher um ihr klassisches Erbe. Kaum ein Titel aus dem Jahrtausend taucht in den Setlists auf, die mitunter mehrere Alben komplett beinhalten. Drei Jahre nach „Mirror To The Sky“ steht schon das nächste Werk ins Haus, wobei die Pause davor noch kürzer war. Vielleicht ein Indiz der vielen jüngeren Neuzugänge, die etwas Elan reinbringen, und gut mit den zwei Arrivierten harmonieren, die ja schon bei ASIA eine Einheit bildeten. Witzigerweise hatte schon eine Japan-EP von denen den Titel „Aurora“, unter dem nun das zweiundzwanzigste YES-Langeisen erscheint.
In der Tat bleibt die Legende dem zuletzt eingeschlagenen Weg treu, weniger Gefrickel, dafür mehr Atmosphäre. Das lässt natürlich an „Drama“ denken, jene Scheibe, auf der Geoff Downes und Steve Howe schon einmal zusammengearbeitet hatten. Einen weiteren Querverweise fand man schon auf dem Vorgänger „Mirror To The Sky“ mit den orchestralen Elementen, womit man sich auch an „Magnification“ orientiert.
In der Machart geht es direkt mit dem Titelstück los, auf das klassische Piano folgt gleich ein ganzes Orchester, welches wuchtig aufspielt. Das leichte Riff lässt den getragenen Melodien Raum, die speziell im Refrain sehr eingängig rüberkommen. Die Harmonie aus Bombast und Leadfills weckt denn auch Assoziationen zum AOR-Ausflug, obwohl YES heute ebenso eher in dem Fach zuhause sind, auch wenn der Gitarrist im Mittelteil clean und jazzig pickt.
„Ariadne“ schlägt in die selbe Kerbe, wirkt sogar noch wuchtiger und erhabener, Streicher und Blechbläser begleiten auch die Strophen. Ein wenig mehr Schwermut verpasst der Fünfer der Komposition, in der Mitte sogar ein paar psychedelische Noten. Das ist vielleicht das Problem der Scheibe, dass zu viele Parts aneinandergereiht werden, dass zu wenig passiert wie auf „Heaven & Earth“ kann man hier nicht vorwerfen. Das Riff des zweiten Songs „Turnaround Situation“ kommt kernig und typisch für die Formation, dann wird es mit Orgelflächen und allzu lockeren Melodien ein wenig zu blumig. Howe kann abermals an der Klampfe glänzen, untermauert hier aber eher die sonnige Seite.
Mit „Countermovement“ wagen sich die Herren nochmal an einen Longtrack weit im zweistelligen Bereich, der seinen Namen auch verdient. Erst lockt einen die Lap Steel auf die Fährte der Leichtigkeit, bevor bis zum ersten Gesang nach zwei Minuten die Melancholie Einzug hält. Mandolinenklänge wirken warm und verzaubert zugleich, der Saitenhexer mag es gerne stromlos auf „Aurora“. Bis der Bass auf dem Parkett auftaucht, nicht so klackern wie weiland beim späten Chris Squire, dafür weitläufiger. Was das Duell zwischen Piano und schwereren Riffs interessant anschiebt. Nun solieren die sechs Saiten auch mal elektrisch und werden gegen Ende immer mehr von analogen Synths abgelöst, welche die Nummer zum Ende erheben.
Was ein wenig schade ist, dass YES ein paar Ideen nicht ganz ausformuliert haben und in eher kurzen Stücken verbraten. „All Hands On Deck“ über ein havariertes Schiff lebt von einem fast hardrockigen Riff, das man eher von Trevor Rabin erwartet hätte. Trägt zu Beginn die Orgel noch die verspielte Rhythmik, so lassen die Synthesizer zum Ende einen SAGA-Touch zu. Reichlich Tasteneffekte gibt es anschließend in „Outside The Box“, das beweist, dass Satzgesang völlig ohne Lyrics auskommen kann, wenn er von Kennern zelebriert wird. Und am Ende ist der Gesang in der Pianoballade „Emotional Intelligence“ sehr erhebend, wobei die Grundlage gerne hätte zum Epos ausgebaut werden dürfen.
Zurück zu alter Form finden die Briten abermals nicht, sie scheinen ziemlich im eigenen Saft zu schmoren, obwohl der Output natürlich beachtenswert ist. Hier wäre aber mehr drin gewesen, wären die Dinge beim Arrangieren mehr zusammengebracht worden. Streckenweise klingt das nicht unbedingt nach Teamarbeit, wenn die längeren Lieder zerrissen wirken und die kürzeren sehr unterschiedlich. Dennoch gibt es hier richtig viel zu entdecken, das zuletzt gezeigte Niveau kann gehalten werden. Auch diesmal gibt es Bonuslieder, die ganz in frühe Zeiten schielen, wobei „Jambusting“ selbstreferenziell ist, während „Watching The River Roll“ herrlich blubbert wie in den Sixties.
7 / 10

