GODSLAVE - Godslave

VÖ: 11.09.2026
(Metalville/Flying Dolphin Group)
Genre: Thrash Metal
Homepage:
GODSLAVE
Fast sah es so aus, als ob die Geschicke der saarländischen Thrasher zu Enge gehen würde, schon der letzte Longplayer „Positive Aggressive“ war von Spannungen begleitet. Während der Untätigkeit der Corona-Zeit entfremdete sich die eng befreundete Truppe, und musste sich in einem langwierigen Prozess wiederfinden. Den Weg dorthin beschreibt die Dokumentation „Hinter Der Kulisse“ recht gut, wie es die Band ohne externen Moderator geschafft hat. Ein Luxus, den sich eher METALLICA gönnen, nicht der einzige Vergleich, der einem bei den Bands in den Sinn kommt. Mit neuem Elan wurden die eigenen Wurzeln auf der Coverscheibe „Champions“ erkundet, bevor neues Material in Angriff genommen wurde. Nun erscheint die achte Full-Length, die selbstbetitelt den aktuellen Status untermauern soll.
Zurück zu den Anfängen könnte man „Reset, Rebuild, Reclaim“ deuten, denn die Thrashkeule haut etwas härter dazwischen als zuletzt. War der Vorläufer auf den Ausweichrouten in Powermetallischen Fahrwassern unterwegs, so ist zumindest der Opener eine deutliche Abkehr davon. Erst flirren die sechs Saiten kurz, bevor sie losrasen, um ihm Refrain mit einem fiesen, SLAYER-affinen Riffs die Gangshouts zu unterlegen. Das eignet sich auch bestens, um mit der Wiederaufnahme der Introtöne in eine kleines Breakdown einzuleiten.
Nur marginal weist die Nummer die zuletzt sehr präsenten Gitarrenharmonien auf. Hilfreich waren jene auch bei der Ehrerbietung manch alter Helden aus dem klassischen Fach im Rahmen des letztjährigen Langeisens. Beim eigenen Material gehen sie kompositorisch auf das Konto von Manuel „Metal Manni“ Zewe, nach zahn Jahren immer noch das neueste Mitglied. Sein Einfluss kam erstmals auf „Positive Aggressive“ voll zum Tragen, er lehrte die Band die Magie der Harmonien, man könnte ihn als den Cliff Burton von GODSLAVE titulieren.
Beim folgenden „A Future In Motion“ wird verstärkter darauf zurückgegriffen, gerade weil sie gut mit dezent rockigen Eingangsthema korrespondieren. Ohne natürlich nicht, angetrieben von Tobias „Tobi“ Huwig, darauf zu verzichten, das berühmte „Gaspedal“ durchzutreten. Diese Mischung aus den melodischen Elementen und den thrashigen Ursprüngen eröffnet eine ganz neue Variabilität, durch welche sich speziell „Repaid In Kind“ auszeichnet. Speziell Tobi wechselt unter einem Riff das Tempo und lässt es so ganz anders wirken, zudem ist hier manches schwarz getüncht.
Wie hymnisch sich „Part Of The Pack“ entwickelt ist auch nicht unbedingt voraus zu sehen, wenn die Nummer angaloppiert. „Square One“ fällt für seine vielschichtigen rhythmischen Texturen ebenso überraschend eingängig aus, teils breaklastig, dann wieder federnd. Gesanglich bietet Thomas „The Slavegrunter“ Pickard eine breite Palette an, macht seinem Namen alle Ehre, um dann die Melodien ins Laufen zu bringen. Am ehesten so geradlinig wie zum Auftakt fällt „And Yet I Stand“ aus, bei dem wiederum Michael „Mika“ Koch mit seinen dicken Saiten für die feinen Schlenker sorgt.
Interessant auch die Feuerdoppel aus dem sehr harten, mit Grunts verzierten „Let The Fire Come“ und dem abschließenden „The Fire That Calls Me“, dem längsten Track der Historie. Im ersten Part gibt es recht simpel auf die Glocke, ohne die Harmonien gänzlich auszusparen, BLIND GUARDIAN ist ein Name, der einem öfter durch den Kopf geistert. Geprägt davon das instrumentale Zwischenspiel „The Sum Of All Wounds“, bevor der Rausschmeißer mit akustischen Gitarren beginnt, und erstmals weibliche Vocals integriert, die Laura Guldemond von BURNING WITCHES beisteuert.
Vollbedienung gibt es erneut lyrisch, wo man Depressionen und Ängste thematisiert, großartig zu sehen, wie das Thema Mental Health derzeit im Metal stattfindet. Nicht von ungefähr ist es Mitbegründer Bernhard „Bernie“ Lorig wichtig, ereigneten sich in dessen Umfeld in den letzten Jahren mehrere Suizide. Da kann man nicht mehr bei der Spaßkapelle der frühen Tage bleiben, ein Prozess zum Erwachsenwerden, der sich analog musikalisch abzeichnet. Mit der ausgefeilten Herangehensweise definiert “Godslave“ den Sound, und haut ein weiteres Statement aus dem kleinsten Bundesland heraus.
8 / 10

