EUROPE - Come This Madness

VÖ: 25.09.2026
(Silver Lining Music)
Genre: Hard Rock
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EUROPE
Sehr lange haben uns die Schweden warten lassen, schon vor drei Jahren auf der Jubiläumstour angekündigt, kommt erst drei Jahre später neues Material. Auch die Doku, die immer noch im Raum steht soll im Kasten sein und folgen, das damalige Momentum konnte nicht mitgenommen werden. Klar gab es einige Tourverpflichtungen, aber womöglich wurden auch einige Aufnahmen überarbeitet. Ohnehin ist die Frage nach der stilistischen Ausrichtung groß, mit dem arg postmodern gebügelten „Walk The Earth“ kamen EUROPE in einer Sackgasse an. Seit der Reunion schlug der Pendel in unterschiedlichste Richtungen aus, wo bleibt es mit „Come This Madness“ hängen?
Beim Blick auf die Tracklist fällt sofort auf, dass „Hold Your Head Up“ fehlt, dass seinerzeit als Vorab-Single veröffentlicht wurde. Es legt den Verdacht nahe, dass der Song zu nah an der Blues Rockphase mit „Bag Of Bones“ und „War Of Kings“ war, deswegen nicht passen könnte. Was sich umgehend bestätigt, denn diese Metamorphose war mit dem letzten Longplayer schon vorbei. Von den neueren Alben könnte man „Secret Society“ noch am ehesten als Referenz heranziehen, auch hier herrscht viel Groove, mit teilweise sehr tiefem Bass von John Levén vor. Auf der anderen Seite besann sich die Formation nach dem alternativen „Start From The Dark“ wieder auf die großen eingängigen Refrains.
Auf dem neuen Werk wird noch ein Schritt weiter gegangen, ein Schritt weiter zurück zu den frühen Tagen. So zeitgemäß Klangbild und Rhythmusführung ausfallen mögen, die Gitarrenarbeit von John Norum hat ist deutlich scharfkantiger und prägnanter. Viele Songstrukturen gehen wieder geradliniger nach vorne, und bringen so die Melodien ins Laufen. Ebenfalls merklich präsenter sind die Tasten von Mic Micaeli, was schon der zweite Titel „Cult Of Ignorance“ aufzeigt. Nicht unbedingt so fanfarenhaft wie in den Achtzigern, eher verspielter wie Neo Progbands jener Ära. Das Thema der Sechssaitigen ist trotz der treibenden Ausrichtung sehr locker angeschlagen.
Noch mehr Luft lässt der neue Produzent Tom Dalgety dem von einem kurzen Solo eingeleiteten „Takin´ It Back“, das mit leichtem Orgelschub munter daher rockt. Gleichwohl ein Paradebeispiel für die Soloarbeit von Norum, die unglaublich inspiriert und frisch daherkommt. Mal duelliert er sich mit den Tasten, dann mit den Drums von Ian Haugland, fällt von bluesigen Ansätzen in schnelle Skalen. Da er immer Song und Melodieführung im Blick behält, kann er den Stücken noch etwas hinzufügen, statt sie zu zerfasern. Die perfekte Balance zwischen Groove und marschierenden Riffs gelingt in „Scandinavian Eyes“, wo die Riffs fast metallisch reinschneiden.
Speziell die knalligen Arrangements von Haugland tragen dazu bei, diesen Drive aufleben zu lassen. Dem Auftakt des Titeltracks etwa verleiht er auf die Weise viel Power, bevor dieser sich zurücknimmt, unterschwellig über Tastenflächen groovt, bevor im Chorus das angesprochene Langholz pumpt. In der Mitte wird es ruhig, für die kurze Spielzeit bauen EUROPE viele Ideen ein, sicher auch ein Verdienst des Mannes an den Reglern. Es scheint, als haben die Herren auf ihre alten Tage den Mut wiedergefunden, und jemand, der weiß, diesen zu kanalisieren. An einen so schwerfälligen, fast doomigen Song wie „Devil´s Back“ haben sie sich seit „Treated Back Again“ nicht mehr rangetraut.
Das kommt auch Joey Tempest zugute, welcher dermaßen beseelt und leidenschaftlich singt, die Phrasierungen wunderbar ausschmückt. Da musste man ihm natürlich eine Pianoballade komponieren, wo er seine Fähigkeiten, seinen Schmelz voll ausspielen kann. Streicher bereiten den Weg, um im Refrain komplett Richtung Unendlichkeit abzuheben, dann dieser warme Gitarrenton wie zu besten „Out Of This World“-Zeiten, ja da kullern sie.
Ein paar Momenten spart sich „Come This Madness“ nicht auf, die noch an den Vorgänger erinnern, wo die Band ruppiger zu Werke ging. „Angels Must Have Flown“ wartet sogar mit psychedelischen Anleihen auf, sowie orientalischen Einflüssen, die verarbeitet werden wie bei den Dark Metallern AMORPHIS. Über weite Strecken erleben wir das Release, welches am dichtesten an der Hochphase dran ist, das Songwriting der Bluesphase empfand ich sogar noch stimmiger.
8,5 / 10

