ASIA - Indigo

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VÖ: 05.11.2026
(Frontiers Music)

Genre: AOR/Progressive Rock

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ASIA

Es schien als würde die AOR-Institution einfach abgewickelt werden mit einer Tour, auf welcher das großartige Debüt komplett aufgeboten wurde. Unterstützung kam bei den Konzerten von Yes, die mit dem Wechsel von STEVE HOWE die Reunion von ASIA sprengten und auch Goeff Downes einspannten. Carl Palmer wollte ebenfalls seine alte Legende mit der ELP LEGACY aufleben lassen, und nach dem Tod von John Wetton gab niemand mehr was auf die Band. Doch Downes, einziges Mitglied das immer dabei war, gab nicht auf und präsentierte mit den Progallzweckwaffen Virgil Donati und John Mitchell abermals eine völlig neue Formation. Von Letzterem hätte man annehmen können, dass er das Mikro übernimmt, aber der Slot ging wie gehabt an den Viersaiter. Hier wurde für „Indigo“ der Multiinstrumentalist Harry Whitley entdeckt, der gerade mal die dreißig voll hat.

Groß sind die Fußstapfen, immerhin muss er nicht nur Wetton ersetzen, John Payne machte seinerzeit ebenfalls einen Riesenjob, war aber nach dem unschönen Aus wohl nicht interessiert. Die gedämpften Fanfaren des Openers „The Traveller (Into The Light)“ lassen schon gleich die klangliche Ausrichtung erkennen, deutlich erdiger, mehr an den Siebzigern orientiert, in etwa da, wo sich der Tastenmann auch mit YES bewegt. Bombastische Wucht und voluminösen Sound findet man selten, schon gar keine knalligen Arrangements wie auf „Aria“.
Dessen Nachfolger „Arena“ ist ebenso wenig eine Referenz, der progressive Anspruch wurde weitestgehend heruntergeschraubt. Nur beim dreiteiligen „Tattoo Indigo“ dürfen sich Donati und Mitchell mal austoben, sonst steht der Mastermind im Vordergrund, der hier Orgelmomente einstreut und den Synthesizer schwer dröhnen lässt. Derart tief verorten sich auch die Riffs und fördern eine düstere Atmosphäre zu Tage, angetrieben von Donatis lebendigem Drumming rockt der instrumentale erste Part obendrauf ordentlich., die Mitte nimmt dann kurz das Tempo raus.

Sonst können die beiden Könner kaum Akzente setzen, aber seien wir ehrlich, das konnten Palmer, Howe, Pitrelli oder Govan in der Vergangenheit ebenso wenig. Ein paar bluesige Fills in „Life In The Sun“ werden dem Reinventor von IT BITES gegönnt, aber die simplen, lockeren Riffs sind eher der Standard. ASIA waren stets für eine sehr mainstreamige Form des Prog bekannt, der britische Gegenentwurf zu KANSAS oder BOSTON. Da gibt eben der gute Geoff den Ton an, mit perlendem Klavier sehr fein in „Arcadia“.
Wie zum Auftakt findet das Songwriting noch nicht ganz den großen Gestus im Refrain, den liefert dann „Change Of Heart“, ebenfalls mit viel Pianobegleitung und dezenten Orchestrierungen. Tatsächlich kommt Whitley hier nahe an Wetton heran, dessen Stärke das anschwellen lassen der Stimme war. Beflügelt von „AhAh“-Chören geht er erst hoch und weit raus, nur um dann mit tieferer Intonation die Dynamik zurückzufahren. Ein brillanter Twist, der es um die Wimpern herum sehr feucht werden lässt.

An großen Melodien mangelt der Scheibe wahrlich nicht, hier reicht man fast an das Zweitwerk „Alpha“ heran. Mit kurzen Atempausen sorgt man für zusätzliche Spannung, ein Stilelement, dass bei „Aura“ häufiger verwendet wurde, dazwischen lässt sich „Indigo“ am besten einordnen. Die großen Momente gibt es, wenn die Stimmung melancholischer wird, wie im schwermütigen, fast andächtigen „Hymn For The Fallen“. „On A Winter´s Night“ vermag das noch zu steigern, die Akustische singt wie in „Summer“, nur mit herbstlicher Schwere, fast sakral mutet der lautmalerische Refrain an. Und was der junge Sänger hier liefert rechtfertigt seine Nominierung, wunderschön und warm umhüllt er den Hörer.

Wie auch die Synthesizerschleier von „Is This The Life“, bevor Whitley mit dem Bass pulsiert, um anschließend wieder mit so viel Schmelz zu intonieren. Spannend geht es mit „Echo Of You“ zu Ende, der Song steigt sehr atmosphärisch ein, um dann ein flottes Tempo aufzunehmen. Was etwas stört, ist der alte Fehler zu viele Stücke auf den Dreher zu packen, das bekam der Truppe schon früher nicht, „Night And Day“ ist etwas dröge und „Chesapeake Bay“ offenbart mit Steve Howe als Gast vielleicht das Dilemma von YES. Kaum Mehrwert bietet auch die Version des dritten Parts von „Tattoo Indigo“ mit Mike Portnoy am Schlagzeug. Zum Glück stört es den Fluss des Werkes nicht so, das den alten Namen wieder mit Leben füllt, und neue Hoffnung verbreitet.

7,5 / 10