STEVE HOGARTH - SPQR

VÖ: 16.01.2026
(earMusic/Edel)
Genre: Art Rock
Homepage:
STEVE HOGARTH
Bei seiner Stammcombo ist es bis auf die paar Weekends merklich still, auch wenn die für das nächste Jahr eine große Sommertour angekündigt hat. Jene Zeit nutzte der MARILLION-Frontmann, um mal wieder solotechnisch unterwegs zu sein. Diese Events sind rar und finden meist an speziellen Locations wie Kirchen statt. Für leidglich ein Kontert verschlug es ihn in die „Ewige Stadt“, wo STEVE HOGARTH auch mit lokalen Musikern zusammenarbeitete. Der Mitschnitt des Konzertes wird nun unter dem Titel „SPQR“, dem Hoheitszeichen des römischen Reiches veröffentlicht.
Da theaterähnliche Venue Sala Sinopoli war am 3. Februar 2024 Schauplatz eines Gigs, der zwischen Intimität und loungigem Theater pendelte. Wie ein Direktor kündigt „h“ seine Stücke an, garniert sie mit langen Reden, die mal nachdenklich stimmen, dann wieder feinsten englischen Humor versprühen. Dabei lässt er es ganz langsam angehen, wenn er alleine die Bühne betritt und am E-Piano Platz nimmt. Nach einer augenzwinkernden Begrüßung registriert das Publikum zuerst gar nicht, dass er mit einer sehr reduzierten Version von „Thank You Wherever You Are“ einstiegt.
Das wirkt ein wenig spanungsarm, wobei sich der Mann als ausgezeichneter Pianist entpuppt, der wie gewohnt mit seinem Charisma punkten kann. Daran ändert auch nicht, dass er mit „Afraid Of Sunlight“ gleich einen Klassiker hinterherschickt. Den Fokus ganz auf das Werk seiner Hauptformation gerichtet, im Gegensatz zu seinen sonstigen Shows, wo es viele bekannte Rockevergreens zu hören gibt. Da hält er sich merklich zurück, nur „Famous Blue Raincoat“ von Leonard Cohen und die BEATLES-Hommage „All You Need Is Love“ als Anhang zu „Three Minute Boy“ sind aus dem Repertoire dabei.
Mit dem erwacht auch erstmals das Publikum und singt den Refrain lauthals mit, die ersten stehen aus ihren bequemen Sesseln auf. Als wäre es ein Signal tauchen mit der Band RANESTRANE vier Mitmusiker auf, um Hogarth ab „The Deep Water“, einem der beiden Auszüge seines Soloalbums „Ice Cream Genius“ zu unterstützen. Jene sehr atmosphärischen Stücke fügen sich gut ins Set ein, auch weil alles sehr stark umarrangiert wurde. Das gilt auch für „Acid Rain“ von seiner frühen Band THE EUROPEANS, während bei der Songauswahl zudem öfter in die Trickkiste gegriffen wird.
Elektrische Gitarren gibt es keine zu hören, Massimo Pomo zaubert dafür wunderbar auf der Akustischen, überträgt gekonnt einige Soli. Beim abschließenden „Easter“ ist es dann Keyboarder Riccardo Romano, der dies auf dem Harmonium adaptiert, während er bei „Estonia“ eine traumhafte Mandoline beisteuert. Daniele Pomo hält sich hinter dem Drumkit der spartanischen Vortragsweise gemäß zurück. Dahingegen wechselt Maurizio Meo an seinem elektrischen Kontrabass zwischen der Bearbeitung mit den Fingern und dem Bogen ab, um so interessante Motive einzuflechten.
Nach einer kurzen Pause wird plötzlich der breite Steg zwischen Drums und Keyboards bevölkert, wo bei die beiden Saitendehner auch weit außen platziert sind. Vier Frauen und drei Männer des Chores FLOWING CHORDS greifen im zweiten Teil ebenfalls in das Geschehen ein, dirigiert von Margeritha Flore. Ihre Einsätze sind ebenso ungewöhnlich, bei „The Crow And The Nightingale“ mimen sie mit ätherischem Stimmeinsatz die flächigen Synthesizer. Dabei unterstreichen sie die Stimmungen der Lieder mit vielen Gesten und scheinen sehr großen Spaß an der Sache zu haben.
Wo anfangs noch etwas Tristesse und das großartige emotionale Timbre von STEVE HOGARTH herrschten, wird nun ein sehr voller, reichhaltiger Sound gefahren. Darauf schweben die Kompositionen regelrecht, die beiden Ensembles scheinen sich regelrecht gegenseitig zu inspirieren. Und bei den späten Nummern „Go!“, „Man Of A Thousand Faces“ sowie dem bereist erwähnten Rausschmeißer erheben sich ganz große Chöre, die vom Publikum mitgetragen werden. Das hält es schon lange nicht mehr auf seinen Plätzen angesichts der musikalisch herausragenden Darbietung.
Genau das ist bei dem für eine DVD-Veröffentlichung etwas unspektakulären Gig auch der Kaufanreiz, denn die technische Umsetzung ist wirklich meisterhaft. Man kann nur schlecht entscheiden, was nun schärfer und klarer ist, der Sound oder das Bild. Mögen die Kamerapositionen nicht sonderlich variabel sein, so liefern diese eine unglaubliche Qualität, bei dem man die Saiten einzeln schwingen sieht und jede noch so kleine Mimik erhascht.
So ist auch jedes einzelne Instrument plastisch zu vernehmen, das gefühlvoll dosierte Spiel wurde sehr transparent eingefangen. So gewinnen die romantisierten Arrangements deutlich und können ihre ungewöhnlichen Klangfarben noch mehr leichten lassen. Dadurch wird man direkt in das Geschehen reingezogen, weil es eine unglaubliche Nähe impliziert. „SPQR“ feiert das Werk eines großen Frontmanns, der immer im Schatten seines Vorgängers stand.
8 / 10

