MSG - Live & Ready 1980 - 1984

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VÖ: 03.04.2026
(Chrysalis Records)

Genre: Hard Rock

Homepage:
MICHAEL SCHENKER

Derzeit ist der Wundergitarrist aus Hannover-Sarstedt so gut im Geschäft wie schon lange nicht mehr. Während seiner Tour mit UFO-Material veröffentlicht er fast nebenbei ein neues Studioalbum, mit dem Line-Up, dass fast komplett aus MCAULEY SCHENKER GROUP-Zeiten stammt, tourt er ohnehin unentwegt. Dabei habt ihn der Rezensent neben dem UFO-Set schon mit gemischtem Programm wie auch ausschließlich MSG-Titeln gehört. Live war der Mann schon immer eine Attraktion, ihm beim Spielen zuzusehen ist eine wahre Augenweide. Nun hat sein erstes Label Chrysalis die Schatztruhe geöffnet und einiges an Liveaufnahmen der MICHAEL SCHENKER GROUP als Boxset „Live & Ready 19080-1984 veröffentlicht.

Das besteht aus fünf CDs und einer DVD in einem schönen doppelten Pappschuber, damit nichts rausfallen kann. Die Taktik wird auch bei den einzelnen Scheiben verwendet, die alle in einer doppelten Einsteckhülle stecken, jedes mit einem individuellen Cover bedruckt. Dazu kommt noch ein dickes Booklet mit Liner Notes und einem neuen Interview von Martin Popoff sowie vielen unveröffentlichten Fotos. Natürlich darf man nicht verhehlen, dass ein Teil der Mitschnitte schon bekannt ist, allerdings von einer Qualität, dass ein Wiederentdecken auf alle Fälle lohnt.

Die zweite und dritte Disc beinhalten nämlich mit „One Night At Budokan“ eine der ganze großen Doppel-Livealben der goldenen Zeit der Rockmusik. Eigentlich sollte jeder, der mit Hard Rock nur im Entferntesten in Berührung steht diese im Schrank stehen haben. Damals formierte sich die erste Stammformation von MSG heraus mit dem legendären Cozy Powell am Schlagzeug oder dem alten UFO-Kumpel Paul Raymond am Keyboard und zweiter Gitarre. Direkt aus dem Studio ging es nach Japan, wo am 12.08.1981 die neuen Lieder vorgestellt wurden, bevor sie offiziell auf dem Markt waren.

Die unfassbare Power der Truppe wurde perfekt eingefangen, die herausragende Produktion bringt auch den musikalischen Aspekt sehr gut zur Geltung. Mit Gary Barden verpflichtete man eine noch unbekannte kraftvolle Rockstimme, die vor allem auf der Bühne viel Energie mitgab, dazu gesellte sich Chris Glen am Bass. Die Tracklist besteht zu gleichen Teilen aus Nummern der ersten beiden Alben, wobei „MSG“ deutlich melodischer und rockiger ausfiel als das verspielte Debüt. Gegenüber der Erstausgabe finden sich zusätzlich „Tales Of Mystery“ und ein Drumsolo des viel zu früh verstorbenen Skinsman.

Immer im Schatten dieses Werkes stand „Rock Will Never Die“, das 1984 veröffentlicht wurde, vor allem da es nur als Einzel-LP erschien. Ein Remasters davon hatte schon deutlich mehr Titel zu bieten, nun erscheint das vollständige Konzert. Bei den ursprünglich nicht verwendeten Titeln finden sich unter anderem „Looking For Love“ und „Red Sky“, welche Schenker auf den letzten Touren wieder bedachte.
Die Besetzung ist die zweite klassische Besetzung der Frühphase, Glen hat seinen alten Rhythmuskumpel von Alex Harvey an das Drumkit gelotst und Andy Nye bedient die Tasten. Dazu kommt noch Derek St. Holmes, der zuvor bei Ted Nugent sang und mit Brad Withford ein Projekt an den Start brachte. Aufgenommen wurde das Ganze an zwei Abenden vom 22. & 23.10.1984 im sagenumwobenen Hammersmith Odeon von London.

Bei den zwei bislang unveröffentlichten Konzertdokumenten macht „Live in Manchester Apollo“ den Anfang, das dort am 30.09.1980 aufgenommen wurde. Das Line-Up ist identisch mit dem von „One Night At Budokan“, zudem Zeitpunkt vor dem gemeinsamen Studiogang noch nicht so eingespielt wie auf dem Klassiker. Aber das Talent der fast schon Supergroup zeichnete sich damals schon ab, die das Debüt komplett auf die Bühne bringen. Danach zeichnete sich schon die leichte Kommerzialisierung ab, die bei „Built To Destroy“ vielleicht ein wenig überzogen wurde.

An dem Abend stand noch das fast schon progressive Element im Vordergrund, Schenker ballert ein verdrehtes Riff nach dem anderen raus. Speziell beim Longtrack „Lost Horizons“ läuft er zu Hochform auf, damit wollte er sein eigenes „Stargazer“ oder „Kashmir“ schaffen. Die orientalischen Einflüsse sind nicht zu überhören, während sein Spiel sonst von der Klassik mitgeprägt wurde, was einige Soli belegen.
Etwa das von „Cry For The Nations“, wo Gary Barden noch mit einstimmt. Natürlich kommen hier mehr UFO-Songs zum Einsatz als bei den späteren Konzerten, wo die Vergangenheit des Saitenhexers keine Rolle spielte. Klanglich muss man jedoch Abstriche machen, meist schallt es etwas dumpf aus den Boxen. Wohl mit ein Grund, dass dieser Mitschnitt erst jetzt erscheint, wo man mit modernster Technik etwas nacharbeiten kann ohne den Charakter zu verwässern.

Die letzte CD zeigt einen Gig von der Super Rock Tour 1984 in Japan, bei der die Formation mit den Scorpions, Whitesnake, BON JOVI und ANVIL unterwegs war. Der letzte Abend vom 12.8.1984 im Seibu Stadion von Tokyo wurde festgehalten und erblickt nun das Licht der Welt. Dabei war das die Besetzung reichlich durcheinander gewürfelt worden. Nachdem er von Beginn an dabei war, quittierte Chris Glen seinen Dienst, für ihn kam Dennis Feldman, der mit Bob Kulick bei Balance und Skull zusammenarbeitete. Bisher wenig bekannt war auch Ray Kennedy, der eher als Bluesrocksänger und Komponist auf sich aufmerksam machte.

Weil wohl wenig Zeit war, sich die Stücke drauf zu schaffen, wurde vermehrt auf Instrumentals gesetzt. Neben dem damals obligatorischen Opener „Captain Nemo“ reihte Schenker in der Mitte „Lipstrick Traces“ von seinem UFO-Einstand, das kurze ruhige „Bijou Pleasurette“ vom Erstling, „Into The Arena“, um das man nicht herumkommt, sowie das von anderen Livescheiben bekannte „Courvoisier Concerto“ aneinander. Klanglich auch wieder schwächer als das zur ähnlichen Zeit entstandene Pendant, aber eher etwas dünner, wobei sich da das Fehlen der zweiten Gitarre von St. Holmes bemerkbar macht.

Der Clou ist jedoch, die DVD, der die beiden Gigs der „Built To Destroy“-Phase komplett in Bild und Ton ins Wohnzimmer transportiert. Schon das Menü verzückt den Fan, beim Aufpoppen auf dem Bildschirm springt einen direkt die superschnelle Soloeröffnung von „Rock Will Never Die an“. Gleichnamiges Album war seinerzeit auch als VHS erhältlich, die jedoch nie den Stellenwert hatten wie DVDs heute. Sieht man von dem eher geringen technischen Standard vor mehr als vierzig Jahren ab, der einen quadratische Bilder liefert und das Licht nicht gut beherrscht, macht das unglaublich Spaß.

Was an der Performance liegt, bei der Truppe sehr energetisch agiert, das Feuer springt von Beginn an über, was sich schon am Publikum festmachen lässt. Gut hat man die Schnitte hinbekommen, die beide Abende verbinden, ohne dass es groß auffällt. An den unterschiedlichen Kamerapositionen ist das zu erkennen, und auch dass einmal ein Fotograben vorhanden ist, bei anderen Songs wieder die Menge direkt an der Bühne steht. Die Musiker sind sehr viel unterwegs, selbst der Meister persönlich, der seine Flying V öfter hochreißt und damit wild herum post.

Chris Glen macht unglaublich Meter, ist bei jedem anderen Bandmitglied zu finden, springt vom Drumriser und hat doch das Händchen für coole Bassläufe. Gary Barden legt sich in jede Note, windet sich, gestikuliert dramatisch und hat mächtig Dampf in der Stimme. Bei den Gangshouts von „Ready To Rock“ kommen Schenker und Glen von den Seiten und grölen kräftig mit. Alleine wie der Gitarrengott die Bottleneck bei „Attack Of The Mad Axeman“ wegwirft und Gas gibt, birgt so viel Power. Ted McKenna kann selbst einen Powell vergessen machen, changiert zwischen wuchtigen Schlägen und irren Breaks.

Auf der linken Seite ist Derek St. Holmes zwar etwas gebunden am Mikro, kommt aber öfter zum Rest der Jungs, um gemeinsam abzurocken. Bei ein paar Liedern übernimmt er den Leadgesang, umklammert dabei das Mikrofon und zeigt mit seiner klareren Stimme, dass er für mehr geschaffen ist. Auch Andy Nye steuert ein paar Backings bei, lässt sonst seine Finger über seinen dreistöckigen Turm flitzen. Am Ende noch eine Sternstunde, wenn sich Bruder Rudolf und Klaus Meine bei „Doctor Doctor“ dazu gesellen. Gerade wie der Sänger sich das Stück aneignet mit seinem klaren Tenor ist beeindruckend.

Dem zweiten Videodokument merkt man an, dass es damals für das Fernsehen mitgeschnitten wurde. Die Bildeffekte wie Stop-Motion oder sich wegdrehende Silhouetten kennen Kinder der Achtziger aus heimischen Sendungen wie Peter´s Popshow. Auch das einige launige Interviewsequenzen eingepflegt wurde, stört den Fluss des Konzertes etwas. Bei Backstagesnippets gelingt es aber gekonnt das Warm-Up in der Garderobe mit „I´m Gonna Make You Mine“ in den Song zu integrieren. Bei beiden Aufnahmen ist die Lightshow typisch für die Achtziger aufgebaut mit den Scheinwerferbatterien.

Es verwundert ein wenig, dass sich die MICHAEL SCHENKER GROUP kurz darauf auflöste und der Mainman mit Robin McAuley weiterzog, denn gerade diese Bilder suggerieren ein gutes Bandgefüge. Ray Kennedy merkt man regelrecht an, wie sehr es ihn freut wieder auf der Bühne stehen zu dürfen, herzt er hier gefühlt jeden. Wobei er optisch massiv beim Hair Metal andockt, und mit seinem weit ausgeschnittenen Shirt sowie dem geflochtenen Stirnband auch im Aerobic-Video nicht aufgefallen wäre. Die Gestik hat er sich viel bei Barden abgeschaut, doch kommt sie statischer und weniger leidenschaftlich rüber.

Da fehlt ein wenig der Biss von „Rock Will Never Die“, wo die Truppe deutlich aggressiver zockt. Gilt auch für Feldman, der die Bassläufe ein wenig melodischer drückt als Glen, und nicht ganz über dessen Radius verfügt. Man muss ihm zu Gute halten, dass er viel für die Backgroundstimme am Mikrofon sein muss, sonst gerne mit Schenker im Katzenbuckel über die Bühne fegt.
Dennoch eine interessante Version, die das Package abrundet und die Formation unter Festivalbedingungen zeigt. Auch wenn man die beiden Originalplatten zuhause hat oder nicht, stellt „Live & Ready 1980 – 1984“ eine lohnenswerte Anschaffung dar, welche diese Band in Höchstform zeigt, die sie später nie wieder bringen sollte, egal wie stark sie heute wieder ist. Wer sich mit dem Thema erst beschäftigen will, kommt gar nicht drumherum.

9 / 10

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