ODIUM

09 Odium

Interview vom 23.09.18
Interviewpartner: Rochus Pfaff (li., git.), Ralf Runkel (re., voc.)

Homepage:
ODIUM

FFM-Rock:
25 Jahre ODIUM! Da gratuliere ich erstmal ganz herzlich zum „silbernen“ Jubiläum, oder wie nennt man das in dem Fall?

Ralf:
(lacht) Schwarzes Jubiläum.

FFM-Rock:
Okay, „Schwarzes Jubiläum“. 25 Jahre und 10 Alben später – da ist natürlich ein Rückblick fällig. Rochus, du warst damals gerade mal 15 Jahre alt, als du diese Band ins Leben gerufen hast. Wie hattest du dir die musikalische Zukunft zu der Zeit vorgestellt? Hast du an ein so langes Fortbestehen überhaupt geglaubt?

Rochus:
Wie wir mit der Band angefangen haben, war das wie bei vielen 15-jährigen auch: Spaß an der Freude, paar Lieder nachspielen, bisschen covern. Man denkt, man macht das mal ne Zeitlang mit irgendwelchen Kumpels zusammen; ob die jetzt ihre Instrumente können oder nicht, das hat keine Rolle gespielt. Man hat einfach Spaß dran gehabt, irgendwelche Lieder zu covern und irgendwo irgendwelche Jugendzentren-Gigs klarzumachen. Irgendwann kam das eine zum andern, und man hat auch mal probiert, eigene Lieder zu schreiben. Und so hat sich das alles dann entwickelt. Dass das 25 Jahre so Bestand hat, hätte ich damals natürlich nie geglaubt. Aber irgendwie hat’s nie aufgehört, auch wenn schwierige Zeiten kamen innerhalb der Band, als Leute ausgestiegen sind. Man hat dann immer mal pausiert, vielleicht ein paar Wochen, aber es hat sich immer weiter fortgeführt. Dass es dann irgendwann auch mal so weit gekommen ist, seine eigenen Demos und CDs aufnehmen zu können, mit eigener Musik viel rumzukommen und live zu spielen, das hätte ich mir damals nicht erträumen lassen. Das macht einen irgendwie schon stolz, nach so einer langen Zeit dabei zu sein und viele schöne Sachen erlebt zu haben.

FFM-Rock:
Also du würdest es wieder machen?

Rochus:
Ja, auf jeden Fall! Wenn ich es nicht wieder machen würde, dann hätte ich es ja schon längst aufgegeben, Gründe zum Aufgeben gab es bestimmt Tausende. Aber die schönen und guten Seiten haben dann doch überwogen, um standhaft zu bleiben und weiterzumachen.

FFM-Rock:
Wenn deine Söhne heute kämen und sagen würden, ich will jetzt auch Musik machen und in einer Band spielen. Was würdest du sagen?

Rochus:
Ja klar, auf jeden Fall! Es ist ja schon soweit. Mein Ältester spielt auch Gitarre, und das macht mich sehr sehr stolz. Und mein Kleiner hat so ein bisschen die Veranlagung, der will Trommler werden. Ich bin dran, irgendwo ein kleines Schlagzeug herzukriegen, dass er sich ein bisschen austoben kann. Allerdings ist der Große schon richtig euphorisch dabei, ohne dass ich ihn irgendwie beeinflusst hab – in einem gewissen Grad bestimmt schon, aber ich hab jetzt nicht gesagt „Spiel Gitarre“. Er hat jetzt immer wieder mal Klassenkameraden bei sich daheim, darf dann mit Papas Gitarren und Verstärker spielen und fragt mich, wie gehen die und die Lieder. Das macht mich natürlich schon stolz. Ich glaub, das dauert nicht lang, dann hat er auch seine erste Band zusammen.

FFM-Rock:
Ralf, würdest du das zu deiner Tochter auch sagen? Würdest du sie unterstützen?

Ralf:
Ja, doch, unterstützen auf jeden Fall. Aber sie hat, glaub ich, momentan oder überhaupt noch andere Interessen. Sie hatte schon mal angefangen mit Klavier spielen; dann hat sie mal Bass gespielt - da bin ich froh, dass sie aufgehört hat (lacht). Aber grundsätzlich würde ich sie unterstützen, wenn sie das machen will. Ja klar, immer.

Rochus:
Ich muss noch dazu sagen, die Unterstützung war auch zu der damaligen Zeit sehr groß von meinen Eltern. Ich hatte einfach meinen Papa auf der Arbeit angerufen: „Hör zu, es sind ein paar Freunde von mir da, wir wollen mal Musik machen in meinem Zimmer.“ Dann haben wir 8 Jahre in meinem Zimmer geprobt (alles lacht) mit der kompletten Band. Das hatte er sich bestimmt anders vorgestellt - die Nachbarschaft auch -, aber ich hatte immer eine riesige Unterstützung von meinen Eltern, und genauso würde ich auch meine Kinder unterstützen.

FFM-Rock:
In 25 Jahren hat ODIUM sich viel einfallen lassen und sich nicht nur allein aufs Songschreiben und Auftreten beschränkt. So wurde ein eigenes Festival ins Leben gerufen (darauf kommen wir nachher noch zu sprechen), und ODIUM war sogar mit namhaften Größen sprich Paul di’Anno auf Tour gewesen. Was hat das für die weitere Entwicklung von ODIUM bedeutet?

Rochus:
Wie ich vorhin schon gesagt hab: Man hat ganz klein angefangen und hätte sich damals nie erträumen lassen, irgendwann als Support oder auf Festivals mit Bands zu spielen, von denen seit der Jugend, selbst im Erwachsenenalter Poster an der Wand hängen. Das macht einen dann natürlich sehr stolz, das ist ganz klar. Du hast Leute kennenlernen können, die immer deine Vorbilder waren, von denen deine musikalischen Einflüsse herkommen, und das hat natürlich auch immer wieder Antrieb gegeben, weiterzumachen. Das haben wir natürlich auch sehr viel dem Ralf zu verdanken, der halt organisatorisch sehr viel macht und sich sehr ins Zeug legt. Das kommt ja nicht alles von selbst zugeflogen. Da steckt sehr viel Arbeit dahinter.

Ralf:
Als ich bei ODIUM vor 10 Jahren eingestiegen bin, hab ich einfach gedacht: Die Band ist cool, die Band ist gut, es macht Spaß, mit denen was zu machen. Die Band darf einfach nicht nur eine lokale Proberaum-Band bleiben, sondern die muss raus, die muss auf die Bretter, die auch gerne international sein können - was ich im Endeffekt ja auch geschafft habe. Nach wie vor stehe ich da zu 110 % dahinter. Wenn es nach mir geht: Das Jahr hat 52 Wochenenden ...

Rochus:
Ach, da könnte man schon mal das Gras mähen (alles lacht).

FFM-Rock:
Kommen wir zu eurem Festival „Rock in Schroth“, das nunmehr auch bereits seit 20 Auflagen existiert. Im jetzigen Jubiläumsjahr waren ODIUM anderweitig beschäftigt, so mit der Vorbereitung ihrer Jubiläums-Show, und es gab über das Jahr einige kleinere Touren bzw. Auftritte. Können die Fans sich im nächsten Jahr aber wieder auf den Schlachtruf „Schroooth“ freuen?

Rochus:
Davon gehe ich sehr stark aus! Ja!! Dieses Jahr hat, wie gesagt, der Fokus wirklich drauf gelegen - oder liegt er auch noch - auf der Jubiläumsshow am 17.11. in Niedermittlau in der Friedrich-Hofacker-Halle. Wenn wir dieses Jahr auch noch ein „Rock in Schroth“-Festival gemacht hätten, das wäre zu viel. Das Jubiläum an „Rock in Schroth“ zu machen, wäre uns zu stressig gewesen, weil wir bei der Jubiläumsshow halt auch wirklich für uns mal die Zeit nehmen wollen, und nicht für 15 weitere spielende Bands. Organisatorisch ist es halt nicht immer so einfach, gerade für einige Bandmitglieder.

FFM-Rock:
Der Bekanntheitsgrad von ODIUM geht auch über die deutschen Grenzen hinaus. So wart bzw. seid ihr dieses Jahr z.B. vornehmlich in den Benelux-Ländern unterwegs gewesen. Auf Facebook lese ich auch immer wieder auffordernde oder „traurige“ Kommentare „Kommt doch mal nach ….“ Gibt es vielleicht Planungen fürs nächste Jahr? Wie groß ist der Zuspruch von Fans in Europa? Und wie sieht es eigentlich außereuropäisch aus; gibt es da irgendwelche Pläne oder Nachfragen?

Ralf:
Wer uns ganz genau verfolgt bei Facebook, der wird wahrscheinlich festgestellt haben, dass es jemanden gibt, der gerne hätte, dass wir in Amerika spielen. Soweit zu den außereuropäischen Auftritten. Es ist angedacht, dass wir mal ein paar Tage an die Ostküste nach Amerika kommen. Aber momentan sehen wir das noch nicht; ist ja auch immer eine Frage des Geldes, es muss ja irgendwie alles finanziert sein. Veranstalter wollen auch in Amerika nicht dafür bezahlen, dass wir da sind.
Dann werden wir hier in Europa das erste Mal in Belgien spielen und haben dieses Jahr vor kurzem das erste Mal in Luxemburg gespielt. Das war toll! Belgien freuen wir uns schon sehr drauf. Laut den ganzen Event-Dingern bei Facebook, die für die Konzerte in Belgien existieren, müsste jeden Abend eigentlich die Hölle los sein. Ich bin gespannt. Aber auch so kriegen wir viele Anfragen, gerade aus Tschechien und Polen. Aber das ist immer schwer zu verwirklichen. Wir haben einen Riesenabsatz an CDs in den Osten, gerade bei den letzten zwei CDs, wenn mich nicht alles täuscht. Also da wäre der Markt bestimmt da. Aber das liegt halt auch immer daran, dass so was finanziert werden muss. Das muss ordentlich geplant werden, und für einen Auftritt dann 1000 km zu fahren, ist schon schwierig. Genauso hat uns ein Festival angefragt aus Kroatien für nächstes Jahr. Ja, schauen wir mal, was die Zeit bringt. Ich hoffe, dass wir da noch ein paar Auftritte dazu kriegen und dann kann man das vielleicht auch realisieren. Aber vorrangig bleiben wir in Deutschland und rocken Deutschland von Norden nach Süden und von Osten nach Westen.

FFM-Rock:
Ihr wart auch fleißig im Studio und habt euch für das Jubiläumsjahr ein Schmankerl ausgedacht: Soweit ich informiert bin, wolltet ihr eigentlich die ersten Alben nicht mehr live spielen. Jetzt habt ihr aber doch sogar Songs von den ersten drei Alben neu aufgenommen. Ihr kennt mich, ihr wisst, ich bin ja eigentlich nicht so der Thrash-Fan, aber ihr habt mich mit eurem Material und eurer Performance die letzten Jahre ja doch ein wenig in eure Richtung bugsieren können (großes zustimmendes Gelächter) … und was soll ich sagen, mir gefällt, was ihr da hingelegt habt. Für mich sind auf dieser CD auf jeden Fall allesamt neue Stücke, da ich die ersten ODIUM-Alben ja nicht kenne. Meine Frage: Was hat euch bewogen, die ersten drei Alben auf diesem Wege neu aufleben zu lassen?

Rochus:
Es ist so, dass die Nachfrage nach den ersten drei Alben in den letzten Jahren eigentlich schon sehr groß war. Man muss dazu sagen, die Alben sind damals entstanden zwischen 1993 und 1998. Wir waren noch sehr junge kleine Hüpfer, die sich niemals hätten vorstellen können, in professionelle Studios zu gehen, wie wir es heute teilweise tun. Wir haben damals halt irgendwelche Sachen in irgendwelchen Autowerkstattkellern o.ä. aufgenommen. Man kann sich das nicht vorstellen, richtig oldschool, wie man das von alten Filmen kennt. Von meinem Bett hab ich damals die Matratze einfach mitgenommen und sie als Schlagzeugdämpfer 14 Tage im Keller gelagert. Meine Mutter ist bald im Dreieck gesprungen. Die Qualität der Sachen war natürlich dementsprechend nicht vergleichbar mit den Sachen von heute. Hat nix damit zu tun, dass die Songs nicht gut wären. Zum Anlass des 25-jährigen Jubiläums fanden wir aber genau das als richtigen Zeitpunkt, einige Titel einfach mal neu aufzunehmen. Das hat viel Spaß gemacht! Ich war überrascht, dass ich trotz dem ich die Lieder stellenweise 20 Jahre nicht mehr gehört hatte, sie einfach spielen konnte. Es ist mir teilweise leichter gefallen wie bei manchen Stücken heute. Ich hatte die noch so im Hinterköpfchen. Aber für Ralf, Beli oder Marcel war das absolut Neuland. Die mussten sich von vornherein komplett mit den Songs befassen.

FFM-Rock:
Wie war das für dich, Ralf?

Ralf:
Das war eine tolle Erfahrung, muss ich ganz ehrlich sagen. Vor allem: Der Dirk Berger hat ja die ganzen Texte geschrieben, die ganzen Melodien gemacht, und für mich war es jetzt die Aufgabe, das alles auf den heutigen Stand mitzutransferieren. Das war schon sehr spannend und eine ganz andere Arbeitsweise als sonst. Es war ja eigentlich alles vorgegeben, und ich hab halt versucht, so gut wie ich es konnte, in die Gegenwart zu transferieren.

Rochus:
Einige Sachen wollten wir auch verändern. Aber wir wollten schon, dass die Lieder noch so klingen, wie sie im Originalzustand sind, aber teilweise auch auf dem heutigen Stand. Musikalisch ist jetzt nicht so viel geändert worden, sonst hätten wir neue Songs schreiben können; das wäre ja Quatsch gewesen. Ralf hat natürlich gesangsmäßig einiges anders gemacht, was wir auch bewusst wollten. Er hat das sehr gut gemacht und gut umgesetzt. Es klingt immer noch nach dem Original, und trotzdem ist es nach der heutigen Zeit. Es ist sehr oldschool, so eine Art „Garage Days“ - das wollten wir auch bewirken.

FFM-Rock:
Und die Songs, die ihr da ausgesucht habt? Warum genau diese?

Rochus:
Das meiste kam von Dave und mir. Da gab’s schon zwei, drei Nummern, die ich auf jeden Fall wollte. Dave hat dann gesagt, dann machen wir halt die drei auch. Da hab ich gesagt „Nein (lautes Gelächter), machen wir die drei, dann haben wir’s doch“ (lautes Gelächter).

FFM-Rock:
Ralf, hattest du da auch Mitspracherecht?

Ralf:
Nee, ich wollte das auch ehrlich gesagt gar nicht. Ich hab die Entscheidung ganz bewusst bei Rochus und Dave gelassen, weil das die zwei alten Hasen in der Band sind. Rochus ist der einzige Verbliebene aus der Urbesetzung, Dave ist mittlerweile ungefähr 23 Jahre dabei, also häng ich mich da nicht rein. Ich hab gesagt, ich mach’s, egal was kommt, und ich glaube, der Erfolg wird uns Recht geben.

Rochus:
Ich bin schon stolz darauf. Viele Ideen, die wir hatten, sind natürlich aus zeitlichen Gründen ein bisschen verloren gegangen, aber wir haben es trotzdem hingekriegt. Es war nicht ganz so einfach die ganze Geschichte. Aber im Ergebnis sind wir doch zufrieden.

FFM-Rock:
Gibt es denn schon einen Namen für das Album?

Rochus:
93-98 (Gelächter) okay, ich weiß es wirklich nicht genau.

Ralf:
Lassen wir uns mal überraschen (Gelächter)

FFM-Rock:
Wie sieht es aus? Gibt es dann nächstes Jahr ein Album mit neuen Songs?

Rochus:
Ja, definitiv. Wir haben vor, dieses Jahr mit den anstehenden Live-Gigs und der Jubiläumsshow schön abzurunden, und dann werden wir uns ans Werk machen, neue Songs zu schreiben. Bock haben wir alle drauf!

Ralf:
Jaaa!!

FFM-Rock:
Was habt ihr euch denn eigentlich für die Jubiläumsshow am 17.11. in der Friedrich-Hofacker-Halle in Niedermittlau ausgedacht? Könnt ihr schon irgendwas verraten, oder zumindest die Vorfreude steigern?

Ralf:
Streng geheim!

Rochus:
Wir werden spielen! (Großes Gelächter) Wir haben schon einiges geplant. Was man definitiv sagen kann ist, dass der Release des Albums, das wir jetzt gemacht haben, der 17.11. sein wird. Und wir haben das Album jetzt nicht gemacht, damit wir es nicht spielen. Wir haben dieses Album ganz bewusst nur für die Fans gemacht, rein für diesen Tag. Es wird limitiert sein, und wir haben es ganz bewusst nicht über ein Label gemacht, sondern wirklich nur für Leute, die auf die Konzerte kommen. Und natürlich haben wir vor, einiges davon live zu präsentieren. Da haben wir vielleicht die ein oder andere Überraschung parat. Da kann ich aber wirklich noch nicht viel dazu sagen. - Ralf wird singen … (Gelächter)

Ralf:
Rochus wird auch Gitarre spielen …

FFM-Rock:
Überraschungsgäste?

Rochus:
Vielleicht. Es gibt auf jeden Fall schon mal so viel zu sagen, dass wir einen Überraschungssänger auf dem Album haben.

Ralf:
Wir können eigentlich auch schon sagen, wer. Eigentlich ist es ein offenes Geheimnis.

Rochus:
Dann sag du es, Ralf, ich weiß nicht, wie er ausgesprochen wird.

Ralf:
Der Andreas singt (Gelächter) der Andreas Geremia oder so…

Rochus:
Ich hab auch versucht zu singen.

Ralf:
Ja, der Rochus hat einen ganzen Song eingesungen.

Rochus:
Ja, aber live kommt alles vom Band (Gelächter) Lasst euch überraschen! Kommt vorbei, vielleicht haben wir auch was geplant mit ehemaligen Musikern. Wir müssen mal sehen, wie wir es umsetzen können.

Ralf:
Bei der Jubiläumsshow wird es auf jeden Fall so sein, dass wir bewusst relativ früh Feierabend haben, damit wir dann mit den Fans hinterher noch feiern können. Wir mischen uns unters Volk, und dann feiern wir noch eine schöne Party!

Rochus:
Du gehst schön schlafen, wie ich auch. Da geht’s schön ins Bett, du wirst fix und fertig sein! Wir wollen immerhin 35 Minuten spielen! (Gelächter) Ohne Unterbrechung!

FFM-Rock:
Noch mal so ein bisschen rückblickend: Es gab oder gibt bestimmt Punkte oder Momente in eurem Leben, in denen man sich die Frage stellt: Ist das eigentlich alles so richtig, was ich hier mache? Ist es das Ganze überhaupt wert? Man sieht vielleicht andere Bands an sich vorbeiziehen, bei Festivals oder in Locations spielen, die man selbst auch gerne in seiner Timeline hätte … Was ist es, was einem in diesen Momenten den Mut und die Zuversicht gibt, trotzdem weiterzumachen? Was baut dich dann wieder auf?

Ralf:
Ganz einfach bei mir: Ich geh dann in den Proberaum, sehe den Rochus und dann ist alles gut. Dann weiß ich genau, warum ich das mache!

Rochus:
(lacht) Genau, wenn ich den Ralf sehe, geht es mir immer ganz anders: Deswegen gehe ich in den Proberaum, wenn ich weiß, dass wir nicht proben (Gelächter) Aber wir sind auch keine Band, die andere Bands großartig beneidet. Jede Band, die einen Erfolg hat, hat auch sehr viel dafür getan.

FFM-Rock:
Gibt es für euch einen ausschlaggebenden Moment im Leben, zu dem ihr die Uhr zurückdrehen möchtet, um an diesem Punkt einen anderen Weg einzuschlagen, etwas anderes zu verfolgen?

Rochus:
Mit Sicherheit gab es 1000 Punkte, wo man gesagt hat, das ist falsch und man hätte es gerne anders gemacht. Spontan fällt mir dazu jetzt nicht ganz so viel ein, aber die Punkte gab es mit Sicherheit. Aber wäre es anders gelaufen - wer weiß, wie das ausgegangen wäre. Irgendwo muss schon sehr viel richtig gelaufen sein, sonst würden wir nach 25 Jahren nicht hier sitzen. Denn so viele Bands in unserer Liga haben das nach 25 Jahren nicht gepackt. In der Hinsicht, glaube ich, haben wir wenig verkehrt gemacht; da würde ich nicht viel ändern wollen. Meine Meinung.

Ralf:
Ich bin jetzt nicht so lang dabei wie der Rochus, aber ich denke schon, dass es ein paar Entscheidungen gab, wo ich hinterher gesagt hab, ach verdammt, hätte ich doch nur auf den Rochus gehört. Ich sag mal, ich bin so der Rookie in der ganzen Sache gewesen und bin da natürlich mit großem Eifer rangegangen. Ich hab gleich gedacht: So, jetzt bin ich zwei Jahre dabei, jetzt müssen wir erstmal in Wacken spielen. Und wenn du dann einen Dämpfer kriegst, überlegst du: Irgendwas machen wir doch falsch, irgendwas kann doch nicht richtig laufen. Wir haben die Kontakte, wir kennen so viele Leute … Aber im Endeffekt muss ich sagen, dass die Entscheidungen, die wir getroffen haben, uns teilweise bestätigt haben und teilweise einen Haufen Geld gekostet und nix gebracht haben. Auf jeden Fall haben sie uns aber viel Erfahrung gebracht, würde ich sagen. Und mir haben sie gebracht, dass ich einfach nicht mehr so blauäugig überall rein renne. Ich hab z.B. schon Zusagen zu Festivals usw. erhalten, wo hinterher niemand mehr was von wusste. Da bist du dann halt schon geknickt, gerade weil ich auch jemand bin, der sich halt immer sehr ins Zeug legt für die Sache. Aber mittlerweile bin ich routinierter und ein bisschen gelassener geworden, glaube ich. Das hat es mir gebracht.

FFM-Rock:
Gibt es einen absoluten Höhepunkt während der Zeit mit ODIUM für euch?

Rochus:
Wie der Ralf kam (großes Gelächter)

Ralf:
Für mich persönlich war das definitiv der Auftritt in Tschechien auf dem „Masters of Rock“! Wirklich mal vor so vielen Menschen auf einer großen Bühne zu stehen … Ich werd nie vergessen: die ist 20,8 m breit gewesen (lacht). Das war für mich schon beeindruckend und toll! Ich fand die Resonanz klasse. Wenn du dann rufst „Raise your hands“, und dann gehen 10.000 Arme in die Höhe und du denkst so „Wow, wie geil ist das denn“. Das macht sehr viel Spaß!

Rochus:
Ja, da gebe ich dem Ralf Recht, aber auch das TANKARD-Jubiläum in der alten Batschkapp. Für mich persönlich war es was ganz Besonderes, in der alten Batschkapp zu spielen. Ich bin selber Konzertgänger und habe tausende Konzerte da gesehen. Das hat mir schon ein absolutes Gänsehaut-Feeling gegeben; allein mich dabei reinzuversetzen, wer alles schon auf dieser Bühne gestanden hat. Das war für mich emotional der Hammer! Oder auch die erste Tour über mehrere Tage. Und auch die erste Tour mit Paul di’Anno. Mit den Musikern von ihm, die jetzt die ARCHITECTS OF CHAOS sind, haben wir sehr gute Freundschaft geschlossen. Das sind alles sehr coole Highlights, die einen immer wieder dazu bringen, weiterzumachen!

FFM-Rock:
So, zum Abschluss möchte ich dann doch noch mindestens eine lustige Begebenheit von ODIUM hören, die sich bei einem Auftritt, on tour oder im Proberaum zugetragen hat ….

Rochus:
Das 3. Stockwerk ist fort (Gelächter) Die Geschichte ist glaub ich zu lang … Also, irgendwie hab ich immer das Pech, irgendwie können mich meine Bandkollegen nicht so leiden … Also, wir sind in Düsseldorf in irgendeinem Hotel eingecheckt, und ich musste nochmal zurück ans Auto. Wie ich zurückkam hieß es, wir haben die Schlüssel, alles gut, wir fahren zur Location. Also, in die Location, sind auch wieder zurückgefahren, haben im 2. Stock bei ner anderen Band im Zimmer gefeiert … ich wie immer als erstes müde, wollte schlafen gehen, und lauf vom 2. Stock in den 3. Stock - und da stand da keine 3, sondern eine 4. Ich bin dann wieder zurückgelaufen, da stand eine 2. Ich, wieder hoch gelaufen, stand immer noch ne 4. Bin ich noch eins hochgelaufen, da stand ne 5. Dann bin ich runtergelaufen: 4. Dann kam wieder die 2. Ich hab dann an dem Zimmer eine Stunde lang geklopft, und keiner hat aufgemacht, weil ein Rabbatz da drinnen war, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Nach über einer Stunde kam dann einer aus dem Zimmer und sagt: „Du Depp, das ist auf der anderen Straßenseite.“ - So, und das sollte ich wissen, nachdem ich die ganze Zeit im Hotel rumgelatscht bin, dass einer den 3. Stock auf der anderen Straßenseite gebaut hat. Aber so geht mir‘s immer! (Gelächter)

Ralf:
Ich glaub, meine Lieblingsgeschichte ist die mit KISSIN‘ DYNAMITE. Das war auch in Tschechien nach dem „Masters of Rock“. Da war ich etwas angetrunken - ganz leicht -, und ein ganz netter Bandkollege … ich will ja jetzt keinen angucken … der hat mich dann im Schlepptau gehabt und mich bei KISSIN‘ DYNAMITE im Backstageraum abgeliefert. Die waren gerade mitten in einem Interview fürs tschechische Fernsehen, und er setzt mich vor die Kamera mit den Worten „Passt mal uff den uff“ … und ich – sturzbetrunken - hab dann halt ein bisschen rumgemosert und so … Das war nicht so schön, aber trotz allem irgendwie meine lustige Geschichte.

Rochus:
Die Geschichte ging ja weiter (Gelächter). Es war ja so gewesen, dass ich den Ralf da abgesetzt hab, um ihm in der Zeit ein Auto zu besorgen, das ihn ins Hotel fährt. Deswegen sollten die ja auf ihn aufpassen. Der hat sich auch zum Hotel fahren lassen – aber in welches …? Er wusste es natürlich nicht mehr. Und morgens sitzen wir beim Frühstück, und der Ralf tut so, als wär alles gut. Auf einmal kommt einer vom Nachbarhotel und legt uns eine Rechnung hin. Da war er im falschen Hotel an der Bar.

Ralf:
Also, ich hab in dem einen Hotel gefeiert, aber im andern übernachtet. Wie ich rübergekommen bin, weiß ich nicht mehr.

Rochus:
Sonst gab’s nichts Lustiges- wir sind todernst.

FFM-Rock:
So, dann gebt euren Fans nach 25 Jahren abschließend noch etwas mit auf den Weg …

Ralf:
Weiter so! Danke! Danke für die letzten 25 Jahre!

Rochus:
Vielen Dank für eure Unterstützung! Wir sind froh und dankbar über jeden, der uns unterstützt hat und hoffentlich weiterhin wird. Da gehören viele dazu - vom näheren Umfeld, aus Freundeskreisen und die Fans, ohne die es uns so lange nicht gegeben hätte. Dafür vielen Dank!

Ralf:
Und danke für das Interview!

FFM-Rock:
Dankeschön, dass ihr Zeit hattet. Dann danke ich euch auch und alles Gute für die Zukunft!

Astrid von FFM-Rock                                                                                              Foto by Astrid Reich

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen