LUCID DREAMING

11 Lucid Dreamimg Interview

Mailer vom 28.10.20
Interviewpartner: Till Oberboßel (git.)

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LUCID DREAMING

FFM-Rock:
Moin Till, meinen Glückwunsch zum gelungenen Abschluss deiner Lloyd Alexander Fantasy-Pentalogie „The Chronicles Of Prydain“ mit „The Chronicles Pt. III“. Beschreibe doch mal eben, wie du dich gerade fühlst, nachdem du diese Mammutaufgabe über diese drei Alben hinweg gestemmt hast und nun auch dieses finale Album in deinen Händen hältst.

Till:
Hallo und vielen Dank. Ich bin natürlich gleichermaßen froh über die geschaffte Arbeit wie auch stolz darauf. Ich nehme das allerdings nicht als zusammenhängendes Drei-Alben-Konzept bzw.-Projekt wahr, welches nun abgeschlossen ist. Als ich das erste Album gemacht habe, wollte ich einfach nur mal so ein Konzeptalbum mit verschiedenen Sängern machen. Und die Arbeit hat mich so begeistert, daß ich noch vor Abschluss des ersten Albums beschlossen habe, mit LUCID DREAMING weiterzumachen. Es gab also kein über drei Alben geplantes Konzept, das hat sich mit der Zeit so ergeben. Insofern sehe ich jedes Album eher für sich und bin auch bezüglich des neuen Albums erstmal glücklich über die geschaffte Arbeit und das Ergebnis. Gleichzeitig schaue ich aber nach vorne und bin gedanklich schon beim nächsten Album. Der Wahnsinn hört halt nicht auf, hehe.

FFM-Rock:
Zur Thematik der Trilogie und deren musikalischen Umsetzung hast du in unserem Interview in 2013 zum ersten Teil bereits schon mal Auskunft gegeben. Würdest du bitte dazu für die neu Interessierten kurz noch einmal diese Thematik reflektieren.

Till:
Die bisherigen drei Lucid Dreaming-Alben basieren, wie Du schon benannt hast, auf Lloyd Alexanders fünfbändiger Romanreihe „The Chronicles of Prydain“, welche sich wiederum lose an die walisische Mythologie anlehnen. Hauptfigur ist der Junge Taran, welcher als Findelkind auf einem Bauernhof aufwächst, gemeinsam mit dem Bauer Coll und dem Zauberer Dallben. Im Laufe der fünf Bände wächst er heran, erlebt allerhand Abenteuer und reift zu einem Mann heran. Es handelt sich also gleichermaßen um klassische High Fantasy wie um eine Coming-Of-Age-Geschichte.
Das erste Album behandelt die ersten beiden Bände „The Book of Three“ und „The Black Cauldron“. Das zweite Album handelt vom vierten Teil „Taran Wanderer“, und da ich dieses Buch nicht umfassend auf einem Album abhandeln konnte, wird der Band mit dem nun vorliegenden dritten Album abgeschlossen.
Es mag die Frage aufkommen, warum der dritte und fünfte Band nicht behandelt wurden. Aber es war nie meine Absicht, die komplette Geschichte lückenlos zu erzählen. „Taran Wanderer“ habe ich vorgezogen, weil das mein Lieblingsband aus der Reihe ist, in welchem viele wunderbare Charaktere auftauchen, deren Geschichte ich unbedingt aufgreifen wollte.

FFM-Rock:
Was erwarten den „Chronicles“-Kenner inhaltlich und auch musikalisch im dritten Teil? Gibt es, gerade aus musikalischer Sicht, Veränderungen gegenüber den ersten beiden Teilen?

Till:
In musikalischer Hinsicht glaube ich, daß die progressiven Einflüsse ein wenig zugenommen haben. Ich habe in den letzten Jahren vermehrt Progressive Rock und Metal gehört, das hat sich sicherlich niedergeschlagen. Ich möchte das auch künftig bei LUCID DREAMING noch ein wenig ausbauen, gerade auch um das Projekt noch etwas mehr von meiner Hauptband ELVENPATH abzugrenzen.
Inhaltlich geht es dort weiter, wo das zweite Album mit einem Cliffhanger endete (zumindest für die Leute, die das Buch nicht kennen). Taran befand sich ja auf der Suche nach dem Geheimnis seiner Herkunft und fand den Hirten Craddoc, welcher sich als sein Vater ausgab. Nun stellt sich heraus, daß dies nicht der Wahrheit entspricht. Taran setzt also seinen Weg fort und beschließt, nicht mehr nach seiner Herkunft zu suchen sondern sich seinen Platz in der Welt selbst zu erarbeiten. Dabei trifft er auf so manche interessante Person und lernt so manche Lektion. Und das Ende ist dann natürlich doch nochmal anders als erwartet. Das erfährt aber nur, wer das Album kauft, hehe.

FFM-Rock:
Wie viele Musiker hast du im Gesamten auf den drei Teilen eigentlich eingesetzt?

Till:
Puh, da muss ich erstmal nachzählen. An Instrumentalisten hätten wir: einen Schlagzeuger, eine Harfenistin, einen Violinisten und insgesamt sechs Sologitarristen. Alles andere habe ich eingespielt.
Und die Sangesriege besteht aus insgesamt 21 Sängerinnen und Sängern. Das ist schon eine Menge, haha. Na gut, bei AYREON oder LEGEND OF THE VALLEY DOOM wäre dies das Aufgebot für ein einziges Album. Aber rückblickend ist es schon irgendwo irre, daß so viele Leute bei LUCID DREAMING mitgemacht haben. Und ich bin über jeden einzelnen von ihnen glücklich und dankbar, daß sie alle ihren Teil beigetragen haben.

FFM-Rock:
Gab es eigentlich eine feste Besetzung bei den unterschiedlichen Sängern/innen der einzelnen Charaktere und an den Instrumenten oder waren das jedes Mal Gastbeiträge einzelner Musiker?

Till:
Grundsätzlich ist LUCID DREAMING ein Soloprojekt, auch wenn das bei derart vielen Beteiligten paradox klingt. Aber es gibt eben keine Bandbesetzung, alle haben den Status von Gastmusikern/-sängern, auch wenn sie teilweise auf allen Alben vertreten waren. Das mindert natürlich nicht die Wichtigkeit ihrer Beiträge. Es war mir aber natürlich wichtig, daß die Rollen der Charaktere auf allen Alben von den gleichen Personen gesungen werden. Ein Wechsel der Stimme für einen Charakter von Album zu Album wäre irritierend und störend gewesen, daher bin ich froh, daß das nicht notwendig war.

FFM-Rock:
Gibt es, über alle drei Teile gesehen, einen Song dessen Entstehung oder Umsetzung dich am meisten berührt oder gefreut hat? Wenn ja welcher und warum?

Till:
Ich habe länger über diese Frage nachgedacht, aber ich kann tatsächlich keinen herausheben. Zum einen stellt jedes Album für mich ein Gesamtkunstwerk dar, das ich für mich nicht in Stücke unterteile, sondern am Stück genieße. Zum anderen sorgen eher einzelne Parts bei mir für Begeisterung, wenn z.B. wieder ein Sänger seine Sachen zuschickt oder aufnimmt.
Ein Album im Studio wachsen zu sehen, ist immer ein interessanter Prozess – wie ein Bild, das nach und nach entsteht, von der nackten Leinwand bis zum fertigen Gemälde. Das ist schon bei einem „normalen“ Bandalbum der Fall, aber bei einem derartigen Flickenteppich mit so vielen Beteiligten verstärkt sich dieses Empfinden natürlich nochmal um einiges. Jedes Mal, wenn ein Gastbeitrag eintrudelt, ist das dann, als ob man ein Geschenk auspacken darf. Da zieht sich der Geburtstag über Monate oder gar Jahre hin, hehe. Besonders toll ist es natürlich, wenn bestimmte Parts besonders gelungen sind oder ich bei mancher Person, von der ich seit langem Fan bin, dann denken darf: Unglaublich, XY singt auf meinem Album!

FFM-Rock:
Dazu drängt sich natürlich die Frage auf, welcher der mitwirkenden Musiker dich besonders Stolz gemacht hat oder über dessen Teilnahme du dich am meisten gefreut hast?

Till:
Ich habe ein wenig Angst, daß sich manche vielleicht auf den Schlips getreten fühlen, wenn ich jetzt bestimmte Namen hervorhebe. Daher möchte ich nochmal deutlich sagen, daß ich mich über jeden Beitrag sehr gefreut habe und jedem für seinen Teil dankbar bin. Es gibt keinerlei Grund zur Unzufriedenheit.
Aber zwei Personen kann ich nennen: Zum einen Jutta Weinhold, weil ich von ihr Fan bin, seit ich 14 war. Weil sie die beste Rock-/Metalsängerin ist, die Deutschland je hervorgebracht hat und ich sie immer verehrt habe. Das sie LUCID DREAMING mit ihrer Stimme veredelt hat, ist für mich immer noch ein Traum, der wahr geworden ist.
Und zum anderen BigBoss. Weil er eine Legende ist und bei LUCID DREAMING mitgemacht hat, obwohl es weit von seiner üblichen musikalischen und thematischen Heimat abweicht. Auch das ist ein Traum, der Realität geworden ist.

FFM-Rock:
Du bist beim aktuellen Cover Artwork wieder zum Künstler Felipe Machado Franco zurückgekehrt, der auch schon für Teil I verantwortlich zeichnete. Gab es dafür einen bestimmten Grund oder war das geplant?

Till:
Im Nachhinein mochte ich das Cover des ersten Albums mehr als das des zweiten. Markus Vesper hat beim zweiten Album wie immer hervorragende Arbeit geleistet, und die Idee für das Motiv kam auch von mir. Trotzdem fand ich das Cover des ersten Albums, welches Felipe gezeichnet hatte, passender für Lucid Dreaming. Daher wollte ich mit dem dritten Album dorthin zurück. Da Markus ja bei ELVENPATH seit Jahren unser Stammzeichner ist, fand ich es sinnvoll, auch optisch LUCID DREAMING und ELVENPATH nochmal mehr voneinander abzugrenzen.

FFM-Rock:
„Never Cange a winning team“ könnte man im Bezug zu dir und Uwe Lulis (ACCEPT, Ex-REBELLION, Ex-GRAVE DIGGER) als Produzenten anführen. Habt ihr im Vergleich zu den ersten beiden Teilen an der Produktion etwas ge- bzw. verändert?

Till:
Beim ersten Album war Uwe ja noch gar nicht involviert, beim zweiten haben die Schlagzeugaufnahmen und der Mix bei ihm stattgefunden. Diesmal war er von Anfang an involviert und ich habe auch Gitarren und Bass bei ihm aufgenommen. Außerdem musste er natürlich all die Daten, die von all den Sängern und Instrumentalisten geschickt wurden, zusammenfügen und den Flickenteppich zu einem Album machen. Das hat er wie gewohnt souverän und sehr gut gemacht. Mittlerweile hat er ja schon einige ELVENPATH- und LUCID-Veröffentlichungen produziert und wir arbeiten sehr gut zusammen, daher lege ich auch gerne weiterhin mein akustisches Wohl in seine Hände.

FFM-Rock:
Gibt es eigentlich schon einen Plan, wie es mit LUCID DREAMING weitergeht? Vielleicht auch schon eine feststehende nächste Vertonung eines Buches, einer Geschichte etc.?

Till:
Du kannst mich jetzt gerne für wahnsinnig halten, aber tatsächlich habe ich bereits mit den Aufnahmen zum vierten und fünften Album begonnen. Das war so schnell nicht geplant, aber durch Corona wurde das begünstigt. Während des Lockdowns im Frühling saß ich sechs Wochen lang zu Hause und hatte sehr viel Zeit, die ich zum Songwriting genutzt habe. Zum einen konnte ich auf viele Ideen zurückgreifen, die ich noch in der Schublade hatte, zum anderen hat die Situation offenbar einiges an kreativer Energie freigesetzt. Und da ich bis zum Spätsommer mit der Schreibarbeit durch war, habe ich jetzt im Herbst schon wieder Uwes Studio aufgesucht. Wie ich eingangs schon sagte; der Blick geht immer nach vorne.
Das vierte und fünfte Album werden thematisch zusammenhängen, daher arbeite ich auch parallel an beiden. Es geht diesmal zurück in die deutsche Geschichte, genauer gesagt ins 19. Jahrhundert. Da ist ja hierzulande einiges passiert – von der Gründung des Deutschen Bundes über die Märzrevolution und die Einigungskriege bis zur Gründung des Deutschen Reichs und dem Weg in den Ersten Weltkrieg. Die beiden Alben werden sich dieser Thematik annehmen und eine Epoche beleuchten, welche im Heavy Metal bislang meines Wissens noch nicht behandelt wurde. Bis zur Veröffentlichung wird es aber sicherlich noch lange dauern, haha.

FFM-Rock:
So, dann sind wir auch schon wieder am Ende der Fragerei. Zum Schluss bitte noch einige persönliche Worte an unsere Leser und die LUCID DREAMING Fans.

Till:
Ich danke Dir für den Platz und die Möglichkeit, mich hier zu Wort melden und das neue Album vorstellen zu können. Und natürlich allen, die sich für LUCID DREAMING interessieren und das Projekt unterstützen. Hört mal in die neue Scheibe rein und kauft Euch ein Exemplar, wenn es gefällt. Streaming ist kein Metal!

Danke für das Interview. Alles Gute für die Zukunft und bleib gesund!

Mike von FFM-Rock                                                                                                     Foto by LUCID DREAMING


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