THRONEHAMMER


Mailer vom 21.10.2026
Interviewpartner Stuart West, 2. v. L. 

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THRONEHAMMER 

FFM-Rock:
Wie ist der Name Thronehammer entstanden, ein ungewöhnlicher Name, der eure Musik treffend beschreibt...
Stuart West:
Der Name THRONEHAMMER verbindet für mich zwei Dinge, die sehr gut zu unserer Musik passen: Macht und Wucht. Ein Thron steht für Herrschaft, während der Hammer etwas Unnachgiebiges und Zerstörerisches hat. Zusammen ergibt das ein Bild, das ziemlich gut zu dem passt, was wir musikalisch machen. Wir wollten keinen Namen, der nach einer gewöhnlichen Metalband klingt, sondern etwas Eigenständiges, das im Gedächtnis bleibt. Und ich denke, das ist uns ganz gut gelungen.
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FFM-Rock:
„Slay | Kill | Erase“ zeigt einen gewaltigen Entwicklungssprung nach vorne. Worin liegen die entscheidenden Unterschiede zu den drei bisherigen Alben?

Stuart West:
Ich denke, der entscheidende Unterschied ist, dass wir uns musikalisch inzwischen deutlich weniger Grenzen setzen. Die ersten drei Alben haben unseren Sound geprägt und waren wichtige Schritte auf unserem Weg. Mit “Slay | Kill | Erase” haben wir diese Grundlage genommen und konsequent weiterentwickelt.

Das Album ist abwechslungsreicher, dynamischer und in vielerlei Hinsicht auch mutiger geworden. Natürlich gibt es weiterhin diese massiven, schweren Riffs und die epischen Doom-Passagen, für die Thronehammer bekannt sind. Aber wir arbeiten inzwischen viel bewusster mit Kontrasten, Melodien, Dissonanzen und atmosphärischen Elementen. Die Post-Rock-Einflüsse spielen dabei eine wichtige Rolle. Für mich muss ein Album eine eigene Reise sein. Es reicht nicht, acht Songs aufzunehmen, die alle nach demselben Muster funktionieren. Auf “Slay | Kill | Erase” gibt es unterschiedliche Stimmungen und Entwicklungen, und mit einer Gesamtspielzeit von 74 Minuten bekommt die Musik den Raum, den sie braucht. Ich würde sogar sagen, dass die Bezeichnung Doom Metal mittlerweile nur noch einen Teil dessen beschreibt, was wir machen. Die Schwere ist weiterhin da, aber unser musikalischer Horizont ist größer geworden. Wir wollten uns nicht wiederholen, sondern ein Album machen, das unsere bisherigen Veröffentlichungen weiter denkt und gleichzeitig neue Türen öffnen.

FFM-Rock:
Wie ist es zur Bandgründung von THRONEHAMMER gekommen? Gebt mal einen genaueren Einblick in die Bandgeschichte
Stuart West:
Thronehammer war von Anfang an ein Projekt, mit dem ich meine Vorstellungen von schwerer, düsterer und epischer Musik verwirklichen wollte. Im Laufe der Jahre hat sich daraus eine eigenständige Band entwickelt, die sich musikalisch und personell immer wieder verändert hat. Die bisherigen Alben waren dabei jeweils wichtige Stationen. Wir haben uns nie besonders dafür interessiert, was gerade angesagt ist. Wir wollten Musik machen, die sich richtig anfühlt und hinter der wir stehen können. Dass wir inzwischen vier Alben veröffentlicht haben und auf Tour gehen, Festivals spielen und Menschen erreichen, die unsere Musik wirklich schätzen, ist natürlich großartig. Auch das Line-up hat sich weiterentwickelt. Nachdem Tim Hammersmith die Band 2024 verlassen hatte, kam Tobias Utz dazu. 2026 ist Daniel Ringl von der Berliner Black-Metal-Band Hæresis als dritter Gitarrist eingestiegen. Damit haben wir noch einmal ganz neue Möglichkeiten, unsere Musik live und im Studio umzusetzen. Aktuell besteht Thronehammer aus Katharina Gillham am Gesang, mir sowie Tobias Utz und Daniel Ringl an den Gitarren, Void und Markus Ströhlein als Rhythmussektion. Wir haben inzwischen einen sehr eigenständigen Bandsound, und ich finde es spannend zu sehen, wohin uns diese Besetzung noch führen wird.

FFM-Rock:
Welche Bands gehören zu den wichtigsten Einflüssen von Thronehammer und warum?
Stuart West:
Da kommen einige zusammen. Paradise Lost gehören definitiv dazu, weil sie es immer verstanden haben, Schwere mit Melodie und Atmosphäre zu verbinden. Katatonia haben eine ganz eigene Art, Melancholie und Dunkelheit musikalisch auszudrücken. Bolt Thrower stehen für diese kompromisslose Wucht und Direktheit, die ich ebenfalls sehr schätze. Anathema sind für mich ein gutes Beispiel dafür, wie sich eine Band musikalisch weiterentwickeln kann, ohne ihre emotionale Intensität zu verlieren. Dazu kommen natürlich zahlreiche andere Einflüsse aus Doom, Death und Black Metal sowie aus dem Post-Rock. Wir hören nicht alle dieselbe Musik, und das ist auch gut so. Entscheidend ist für mich, dass wir nicht versuchen, eine bestimmte Band zu kopieren. Einflüsse sind wichtig, aber am Ende muss etwas Eigenes entstehen. Wenn jemand Thronehammer hört, sollte er nicht einfach sagen können: Das klingt wie Band XY. Wir wollen unseren eigenen musikalischen Kosmos schaffen.

FFM-Rock:
Nennt fünf Alben, die ihr anderen empfehlen würdet, bitte mit kurzer Begründung.

Stuart West: 
Das ist schwierig, weil man sich bei fünf Alben natürlich auf eine winzige Auswahl beschränken muss. Aber diese fünf würde ich definitiv empfehlen:
1. Paradise Lost „Draconian Times”
Ein fantastisches Album, das Schwere, großartige Melodien und eine unverwechselbare Atmosphäre miteinander verbindet. Für mich ein zeitloser Klassiker.
2. Katatonia „Brave Murder Day“
Düster, melancholisch und kompromisslos. Ein Album, das zeigt, wie intensiv und emotional extreme Musik sein kann.
3. Bolt Thrower „Those Once Loyal“
Ein Paradebeispiel für Konsequenz und Wucht. Die Riffs sind massiv, die Songs sitzen und die Band klingt absolut unverwechselbar.
4. Anathema „The Silent Enigma“
Ein Album voller Dunkelheit und Atmosphäre, das eine ganz eigene, emotionale Tiefe besitzt. Gerade die Verbindung aus Härte und Melancholie finde ich faszinierend.
5. Neurosis „Through Silver in Blood“

Ein monumentales Werk, das zeigt, wie weit man mit Atmosphäre, Dynamik und musikalischer Intensität gehen kann. Für mich ein Album, das einen nicht einfach nur unterhält, sondern regelrecht in seinen Bann zieht. Das sind natürlich fünf sehr persönliche Empfehlungen. Es gibt noch unzählige weitere Alben, die hier ebenfalls stehen könnten.

FFM-Rock:
Wie habt ihr eure Sängerin kennengelernt und habt ihr nicht noch einen englischen Gitarristen in der Band?

Stuart West:
Kat habe ich Anfang Mitte der 2000er via MySpace kennengelernt. Eines kam zum anderen und eines Tages habe ich sie nach Deutschland einfliegen lassen.
Und ja, der englische Gitarrist ist tatsächlich noch da! (lacht) Ich bin schließlich Kanadier und spiele nach wie vor Gitarre bei Thronehammer. Ich habe die Band gegründet.

FFM-Rock:
Lyrisch seid ihr, wenn ich das richtig sehe, sehr gesellschaftskritisch eingestellt, hegt allerdings auch einen höheren Anspruch. Wovon handeln eure Texte und was genau wird angeprangert?

Stuart West:
Gesellschaftskritik spielt durchaus eine Rolle, aber ich würde unsere Texte nicht ausschließlich darauf reduzieren. Mich interessieren die dunklen Seiten der menschlichen Natur, Macht, Gewalt, Unterdrückung, Zerstörung und die Frage, warum Menschen immer wieder dieselben Fehler begehen. Vieles, was in der Welt passiert, ist erschreckend. Wir leben in einer Gesellschaft, die sich für aufgeklärt und fortschrittlich hält, während gleichzeitig dieselben Mechanismen aus Gier, Angst, Machtstreben und Ausgrenzung immer wieder zum Vorschein kommen. Das ist ein Thema, das sich natürlich auch in unserer Musik widerspiegelt. Mir geht es allerdings nicht darum, in jedem Song eine fertige politische Botschaft zu präsentieren oder den Leuten zu erklären, wie sie zu denken haben. Texte dürfen Fragen aufwerfen, Bilder erzeugen und Raum für eigene Interpretationen lassen. Ich finde es wesentlich interessanter, wenn sich jemand mit einem Text auseinandersetzt und sich selbst Gedanken darüber macht.

FFM-Rock:
Ich habe den Eindruck, dass neben intensiv atmosphärischem Epic Doom auch immer ein Stück weit Black- oder Death-Metal-Anteile bei euch mit einfließen. Kann das sein?

Stuart West:
Absolut! Wir haben nie versucht, uns ausschließlich auf eine bestimmte Doom-Metal-Spielart festzulegen. Die epische Schwere ist ein wesentlicher Bestandteil von Thronehammer, aber wir mögen auch die Aggressivität des Death Metal und die dunkle, manchmal fast schwebende Atmosphäre des Black Metal. Diese Einflüsse müssen nicht immer in Form eines besonders schnellen Riffs auftauchen. Manchmal reicht eine bestimmte Gitarrenstimmung, eine dissonante Passage oder eine rhythmische Veränderung, um eine ganz andere Atmosphäre zu erzeugen. Auf *Slay | Kill | Erase* kommen außerdem verstärkt Post-Rock-Elemente hinzu. Wir arbeiten gerne mit Spannungsbögen und lassen musikalische Ideen auch einmal länger stehen, anstatt sofort zum nächsten Riff zu springen. Ein ruhiger oder beinahe schwebender Abschnitt kann die Wirkung eines anschließenden massiven Parts enorm verstärken. Ich finde es langweilig, wenn Bands sich zu sehr an Genregrenzen orientieren. Wir machen die Musik, die wir machen wollen. Wenn das am Ende Doom, Death, Black Metal und Post-Rock miteinander verbindet, ist das für uns völlig in Ordnung.

FFM-Rock:
Wie seht ihr die aktuelle Entwicklung in der Metalszene?
Stuart West:
Die Metalszene unglaublich vielfältig, und das ist zunächst einmal etwas Positives. Es gibt viele Bands, die musikalisch interessante Wege gehen, und dank des Internets können auch kleinere Gruppen ein Publikum erreichen, das sie früher vielleicht nie gefunden hätten. Gleichzeitig ist die Menge an Veröffentlichungen enorm. Jeden Tag erscheinen neue Alben, Singles und Videos. Es wird dadurch schwieriger, wirklich wahrgenommen zu werden und eine langfristige Verbindung zu den Leuten aufzubauen. Ich finde außerdem, dass manchmal zu viel Wert auf die Außendarstellung gelegt wird. Social-Media-Zahlen, Reichweite und kurzfristige Aufmerksamkeit können wichtiger erscheinen als die Musik selbst. Natürlich müssen Bands heute irgendwie sichtbar bleiben, aber am Ende sollte ein gutes Album immer noch mehr zählen als ein perfekt inszenierter Online-Auftritt. Was mich optimistisch stimmt, ist die Leidenschaft, die man bei vielen Konzerten und in der Underground-Szene erlebt. Menschen reisen für Bands, kaufen Platten und unterstützen Veranstaltungen, obwohl das alles nicht gerade billiger wird. Gerade diese direkte Verbindung zwischen Musikern und Publikum macht die Szene für mich besonders. Wir wollen unseren eigenen Weg gehen und uns nicht von jedem Trend beeinflussen lassen. Wenn unsere Musik Menschen erreicht und ihnen etwas bedeutet, haben wir unser Ziel erreicht.

FFM-Rock:
Ihr seid schon oft auf Tour gewesen, da kommt natürlich einiges zusammen. Was ist das bisher schönste oder positivste Tour-Erlebnis für euch gewesen? Gab es auch ein negatives Tour-Erlebnis, an das ihr ungern zurückdenkt?

Stuart West:
Das Schöne am Touren ist, dass man immer wieder Menschen trifft, die unsere Musik wirklich zu schätzen wissen. Manchmal spielt man in einem kleinen Club, in dem vielleicht nicht Tausende Menschen stehen, aber die Energie im Raum ist unglaublich. Solche Abende bleiben einem viel länger im Gedächtnis als irgendeine große Zahl auf einem Veranstaltungsplakat. Auch die unterschiedlichen Städte und Szenen machen Touren spannend. Wir haben unterwegs viele tolle Menschen kennengelernt und erleben immer wieder, wie offen und herzlich die Metal-Community sein kann. Der Auftritt in der Goldgrube in Kassel, den du angesprochen hast, ist dafür ein schönes Beispiel. Wenn das Publikum so mitgeht und die Energie zwischen Band und Leuten stimmt, weiß man wieder, warum man sich den ganzen Aufwand antut.  Natürlich besteht eine Tour nicht nur aus solchen Momenten. Lange Fahrten, wenig Schlaf, technische Probleme und die üblichen organisatorischen Schwierigkeiten gehören dazu. Wenn man mehrere Tage unterwegs ist, kann auch die beste Stimmung irgendwann auf die Probe gestellt werden. Ein einzelnes negatives Erlebnis möchte ich gar nicht überbewerten. Solche Dinge passieren, und meistens lacht man später darüber. Wichtig ist, dass man als Band zusammenhält und sich den Spaß an der Sache nicht nehmen lässt. Eine Tour ist schließlich ein Abenteuer, und genau das macht einen Teil des Reizes aus.

FFM-Rock:
Kat ist neben THRONEHAMMER in mehreren anderen Bands aktiv, darunter LUCIFER'S CHALICE, NINE ALTARS, UNCOFFINED und WINDS OF GENOCIDE. Wie bekommt sie das alles unter einen Hut?

Stuart West:
Das stellt im Grunde kein Problem dar, da diese Bands wenig bis kaum spielen. Ich finde es grundsätzlich positiv, wenn Musiker*innen in verschiedenen Projekten aktiv sind. Man sammelt unterschiedliche Erfahrungen, lernt andere Arbeitsweisen kennen und bringt manchmal Ideen mit, auf die man innerhalb einer einzelnen Band gar nicht gekommen wäre. Natürlich müssen wir bei Thronehammer unsere Termine vernünftig planen. Gerade wenn Konzerte, Touren und Veröffentlichungen anstehen, ist eine gute Abstimmung entscheidend. Aber wenn alle wissen, worauf es ankommt, lässt sich vieles organisieren.

FFM-Rock:
Von der Musik allein könnt ihr sicher kaum leben. Geht ihr nicht alle noch einem geregelten Hauptberuf nach?

Stuart West:
Die Realität ist, dass die wenigsten Bands in unserem musikalischen Bereich allein von ihrer Musik leben können. Man muss schon sehr viel Glück haben, um davon dauerhaft seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Und selbst dann steckt oft eine enorme Menge Arbeit dahinter, die von außen gar nicht sichtbar ist. Thronehammer ist für uns eine Herzensangelegenheit, aber natürlich müssen auch wir unseren Alltag organisieren und unsere Rechnungen bezahlen. Musik machen, proben, Konzerte spielen und ein Album veröffentlichen kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld und Energie. Das bedeutet, dass man vieles unter einen Hut bringen muss. Urlaubstage werden für Touren eingeplant, freie Wochenenden sind plötzlich mit Konzerten belegt, und nach einem langen Arbeitstag wartet manchmal noch eine Probe.

FFM-Rock:
Wenn ihr zum Schluss den Fans noch etwas mitteilen wollt, die letzten Worte gehören euch!
Zunächst einmal vielen Dank an Micha und FFM-ROCK für das Interview und natürlich für die netten Worte über unser neues Album und unseren Auftritt in Kassel!

Stuart West:
Ein riesiges Dankeschön geht an alle, die Thronehammer unterstützen, unsere Platten kaufen, zu unseren Konzerten kommen, uns auf Tour besuchen und die Musik mit anderen teilen. Ohne euch wäre das alles nicht möglich. Gerade in einer Zeit, in der es unzählige Bands und Veröffentlichungen gibt, bedeutet es uns viel, wenn Menschen sich wirklich mit unserer Musik beschäftigen. Mit “Slay | Kill | Erase”haben wir ein Album veröffentlicht, auf das wir sehr stolz sind. Wir freuen uns darauf, die Songs live zu spielen und zu sehen, wohin die Reise mit Thronehammer noch führt. Bleibt neugierig, unterstützt eure lokale Szene, geht auf Konzerte und kauft Platten von den Bands, die euch etwas bedeuten. Und vor allem: Lasst euch nicht von anderen vorschreiben, welche Musik ihr hören oder wie ihr leben sollt.

We come to slay !
Stuart West / THRONEHAMMER

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