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10. MASTERS OF CASSEL - Kassel, Hotel Reiss (Ballsaal)

12 Masters Of Kassel klein

Festival vom 23.12.17
Bands: IRON THOR, MORGOTH, ATTIC, BURDEN OF GRIEF, TYRANEX, MORTAL TERROR, MORAST, CHAOS PATH, WAGNIS.

Homepage:
MASTERS OF CASSEL

Die Konzert-Location, das Hotel Reiss wirkt schon von außen recht einladend um nicht zu sagen gemütlich. Ein Bild, das sich schon beim ersten Blick ins geräumige Ambiente zunehmend manifestiert. Pünktlich angekommen, zieht es mich direkt nach erfolgter Akkreditierung und Bändchenübergabe in den von Teppich überzogenen Ballsaal, vor die Bühne. Um auf dem Teppich zu bleiben: Alle Treppen sind mit Teppich belegt, selbiges gilt für den hell beleuchteten Aufenthaltsraum, wo sich die Theke befindet.

 

WAGNIS



spielen sich gegen 16:00 Uhr beginnend vor einigermaßen passabler Gästezahl im großzügig Platz bietenden Nobel-Ambiente in die Herzen einer kleinen Hand voll auf traditionellen Heavy/Powermetal im Fokus zwischen Accept, Iron Maiden, Judas Priest und Iced Earth schwörender Fans. Der Wagnis-Sänger ähnelt nicht nur optisch Teutonenstahl-Ikone Udo Dirkschneider ein wenig, er besitzt auch leichte Tendenz in Richtung dessen Stimmvolumens. Komisch wirken die öfters nach unten auf den Boden gerichteten Blicke des Sängers, der zum Ablesen seiner Strophen auf Nummer sicher geht, statt das Risiko = Wagnis einzugehen, sie auswendig zu singen. Feine Filigranleadsoli sowie massiv laut durch's Ambiente hallender Groove belegen - gute Ansätze sind bei WAGNIS ohne Zweifel vorhanden. Dabei wird so manche Faust hoch in die Luft gereckt und vor der Bühne von einer kleinen überschaubaren Gruppe Metalheads dynamisch abgebangt. Mit kraftvoll umgesetztem „Follow the Wheel“-Cover, von SWORD, - einer nur echten Szene-Insidern bekannten Perle in Sachen Edelstahl mit Gütesiegel made in Kanada - wird sogar ein kräftiges Ausrufezeichen kurz vor Schluß gesetzt. Dreißig Minuten Traditions-Heavy/Powermetal, der mit anerkennendem Beifall bedacht deutlich aufzeigte, wie ein Anheizerjob mehr als ordentlich erledigt wird! Fein.

CHAOS PATH


Mit CHAOS PATH folgt eine aus gestandenen Musikern bestehende Fusion von Ex-My Cold Embrace, Ancient Wargod, Gymir und Reflector-Bandmitgliedern. CHAOS PATH geben ihren Live-Einstand auf dem MASTERS, haben zu Beginn mit einigen Soundproblemen zu kämpfen, die im Laufe der Spielzeit behoben werden, was der Stimmung im Publikum keinen Abbruch tut. Die Kasseler wissen eine größere, unüberhörbare Fankulisse hinter sich, was den frühen Support-Slot der Kaotysk-Metaller als zweite Band wesentlich erleichtert. Frontmann Dirk lässt sich bei seinen Ansagen gern etwas Zeit, dessen vielseitiger Gesang einschließlich ausdrucksstarker Gesten in Mönchskutte mit über den Kopf gezogener Kapuze souverän tönt. Das Publikum befindet sich im Fadenkreuz von CHAOS PATH, deren melodischer durch nordische Strukturen geprägter Death/Black-Metal verstärkt durch den intensiven Ruppigkeitsfaktor teutonischer Oldschool-Thrash-Metal-Schule für heftig im Ballsaal pulsierende Liveatmosphäre sorgt. Das Spektrum reicht von Bathory, Cradle of Filth, Darkthrone, Destruction, Grotesque, (ganz frühe) über In Flames, Iron Maiden, Mayhem, Paradise Lost, Satyricon, Sepultura bis Venom. Für die größte Überraschung sorgt ausgerechnet ein „Chaos is My Live“-Cover von den Punk-Haudegen THE EXPLOITED, womit man stilsicheren Geschmack beweist. So nebulös der Gig begann, so schnell ist die knapp vierzig Minuten-Darbietung wieder zu Ende. Bei der mystischen End-Prozession „The Awakening“ drehen CHAOS PATH noch einmal  richtig auf und das Publikum völlig ab! Ergo: CHAOS PATH haben trotz Soundproblemen dank ihres Heimvorteils ein kleines Signal gesetzt: Alle nach ihnen folgenden Bands sind gefordert, ihr Bestes zu geben. Auf die versprochene Mini-LP der ein Auftritt beim Metal Diver-Festival 2018 vorausgeht, freue ich mich schon jetzt. - Well done, - CHAOS PATH!

MORAST


haben es danach schwer, die gute Vorgabe der Kasseler Kaotysk-Metaller zu halten. Bestehend aus Mitgliedern von Serpent Eater, Grim Van Doom und Blackwhole schwimmen MORAST bis zu den Knien im Sumpfgewirr zwischen depressivem Funeral-Doom und brutalem Deathmetal. Das nach einem selbst gecoverten Bathory-Titel ('Morast - Armageddon') benannte Quartett zieht neugierige Blicke auf sich, fesselt die vorderen drei bis vier Reihen, ist jedoch abgesehen davon viel zu speziell um weiträumige Fan-Reaktionen hervor zu rufen. Fünfundfünzig Minuten macht sich ein alles wegreißender Sog beklemmender Finsternis geprägt von intensiv boshafter Atmosphäre bei „Crescent“, „Ancestral Void“, „Loss“ oder „Sakkryfyzed“ im Ambiente breit. Ahab, Morgoth, Necros Christos treffen Bathory... Morast-Shouter F. wirkt hoch konzentriert wirft sich öfters in geschulter Bühnenpose zur Seite, wobei er sich so fest mit beiden Händen an den Mikroständer klammert als wolle er das Schallwandlergerät malträtieren oder sich gar in Manier des ROSE TATTOO-Sängers Angry Anderson selbst damit erwürgen, um seiner passend zum Inhalt extrem aggressiven Stimmlage Ausdruck zu verleihen. Tief gestimmte Gitarrenriffs bilden wechselhaft zentnerschwer doomgroovend rollende Brücken auf denen sich zornig angeschwärzte Deathmetalraserei brutal austobt. Dahinter breitet sich der unterkühlte Mantel frostklirrend beißender Kälte aus. MORAST sorgen für gespaltene Meinungen, nutzen die ihnen zur Verfügung stehende Gesamtspielzeit vollständig, hinterlassen angefeuert von ihrem restlos überzeugten Fanblock in den vorderen drei Reihen eine dichte Spur der Bedrückung, die wie bleierne Schwere im Saal schwebt. Trotz gespaltener Kritiken haben die Doom-Deather MORAST ihr machbares Pensum gebracht, dabei nicht unbedingt eines jeden Hoffnung erfüllt, (was bei zermürbendem Doom-Deathmetal auch keineswegs zu erwarten ist!), zumindest innerhalb der Extrem-Härtnerschaft haben die Düsseldorfer mit ihrer beklemmend frostigen Düster-Doom-Death-Kälte gepunktet.

MORTAL TERROR



alle zwei Jahre wieder... sind MORTAL TERROR immer gern gesehene Stammgäste auf dem MASTERS OF CASSEL. Entsprechend gut ist mir deren Gig im K 19 vor zwei Jahren als sie die Bude gnadenlos zerlegten in Erinnerung. Die Lokalmatadore haben sich intensiv weiter entwickelt. Das thrasht, rollt, groovt auf technisch gutem Niveau, zieht das so zahlreich wie bei keiner der drei Vorgängerbands anwesende Publikum insgesamt nun stärker mit. „Violent Years“ markiert sofort den flotten Einstieg, es wird drauflosgeholzt, was die Instrumente hergeben. MORTAL TERROR geben erneut eine starke Figur ab, werden verdient gefeiert, sorgen für gewohnt straight nach vorn preschendes Thrash n' Roll-Inferno. Bandmotor ist Sänger Stefan „Charlie“ Kuhn, der ein fleißiges Bewegungspensum absolvierend seine Locken im Takt rotieren lässt, dabei häufig ein kräftig Köpfe schüttelndes Publikum und seine Nebenleute anfeuert. Die Gitarrenfront erledigt ihren Job hoch konzentriert, beständig vorangetrieben vom Schlagzeug bei weiteren Thrash n' Roll-Geschossen Marke „Creating Destruction“, „Speed Demon“, „The Beast“, „Too Old, to Die Young“ oder „Mortal Terror“. MORTAL TERROR ziehen ihren Gig konsequent durch. Die Kasseler Oldschool-Thrash-Abteilung hat bis zu diesem Zeitpunkt den besten Gig aller aufgetretenen Bands geliefert. Lautstark donnernder Beifall gegen Ende der Vorstellung bestätigt es: MORTAL TERROR sind und bleiben für das MASTERS OF CASSEL eine sichere Bank. - Gut so!

Nach dem Doppelpack mit Wortlaut Mo beginnender Combos steigt umso mehr die innerliche Spannung auf den schwedischen Festival-Geheimtipp:

TYRANEX
Noch am Vortag in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen tourend, ist dem schwedischen Speed-Thrashmonster TYRANEX kein Kräfteschwund anzumerken.Angeführt von der tätowierten in schwarzem Sexy-Spandex-Outfit mit ärmellosem Top gekleideten ICE AGE/ Ex-GOATSODOMIZER -Gitarristin Linnea Langstedt, entfacht das Speed/Thrash-Quartatt ein gnadenloses Hölleninferno, das alles zerlegt. TYRANEX schonen sich ebenso wenig wie ihr Publikum. Das Flying V-Zweiergespann feuert serienweise Riffkaskaden ins Publikum; Filigrane Geschwindigkeitssoli mit harrschen Schredderriffs kombiniert blasen ausnahmslos alles weg. TYRANEX-Frontfrau Linnea Langstedt präsentiert mitsamt Crew in top fitter Verfassung, liefert sich wahnwitzige Gitarrenduelle an der Seite von Bandpartner Nino Vukovic, unterstützt von Bassistin Maysan Lindberg, während Schlagzeuger Pontus Pettersson Gull hinter seiner Schießbude aus allen Rohren feuert. Quirliges Stageacting auf hohem Energielevel rundet eine gnadenlose Killersession ab, die in zahlreich schwitzende Gesichter blicken lässt. Das Programm rotz räudig dem goldenem 80er-Einfluss-Spektrum huldigender Nackenwirbelzerstörer von „Fight Them Back“, „Unable to Tame“, „Tormentor“ bis „Death Roll“ und „Blade
of the Sacrificer“. Kein Wunder, das die unter heftigen Adrenalinrausch stehende Menge komplett durchdreht! TYRANEX haben einen Hammer Gig abgliefert, hinterlassen ein sich die Kehle heißer brüllend unter tobendem Beifall Zugabe forderndes Auditorium. Schade, das „Take the Torch“ wegen des engen Zeitrahmens entfällt. - Was für ein mörderischer Abriss!

Danach werden es die auf TYRANEX folgenden Bands gewaltig schwer haben, diese Leistung zu toppen.

Am Rande bemerkt:
Ein (ge)wichtiger Grund, warum das MASTERS OF CASSEL immer einen Besuch lohnt, besteht neben den auftretenden Bands in der Tatsache, das einem lange Zeit nicht mehr gesehene Gesichter begegnen. Heute ist sogar mein früheres Team vom Met@llic-Zine vollständig anwesend, was die Jubiläums-Ausgabe im Hotel Reiss dem entsprechend zu einem ganz besonderen Erlebnis macht. Vergangenheit wird in Bildern lebendig, es weckt Erinnerungen an eine schöne Zeit voll abenteuerlicher Erlebnisse.

BURDEN OF GRIEF



halten das von Tyranex vorgelegte Level. Die von Beginn an komplett geforderten Melodic-Deathmetaller ziehen eine große Zahl Anwesender in den Saal (Kassel gilt als Thrash/ Deathmetal-Hochburg!) , und machen ihre Sache wirklich gut. BURDEN OF GRIEF sind in und um Kassel eine unverzichtbare Größe der härteren Gangart, mit der stets gerechnet werden muss. Entsprechend prächtig gefüllt ist das Ambiente. Shouter Mike vergisst wie er bereit willig zugibt, den Namen der neuen BURDEN OF GRIEF-Cd, deren Vorstellung im Mai 2018 im Fiasko erfolgt, was für einige Lacher sorgt. Zeitweise überlässt Mike Bandsprecher Florian das Mikro, der seinen Dank an Veranstalter sowie für Licht & Ton verantwortlichen Technikercrew richtet, der die Vorankündigung folgt, das es mit den letzten drei Bands im Billing hochkarätig weitergeht. Wie viel harte Arbeit die 'Burdens' auf der Bühne leisten, wird am fleißigen Stageacting bei druckvoll kompakten Dampfhämmern (BURDEN OF GRIEF haben einen Top-Sound erwischt, der kraftvoll aus den Verstärkern donnert) wie dem brandneuen „Unchained“, „Nightmare“, „Killing Spree“ usw., erkennbar. Der heftige Melodic-Deathmetal des Fünfers kommt einschließlich SEPULTURA-Cover „Refuse/Resist“ bombig im Ballsaal an. Gefesselt von einer hoch motiviert aufspielenden Combo lassen zahlreiche Metalheads in Serie nebeneinander stehend ihre Mähne fliegen, während ab der Raummitte wo das Mischpult steht, bis in den hinteren Bereich viele aufmerksam beobachtende neugierigen Blicke gen Bühne gerichtet sind. BURDEN OF GRIEF gehen nach sechzig Minuten verdient mit kräftigem Applaus verabschiedet von der Bühne. Unüberhörbare Zugaberufe hallen ebenfalls durch den Saal. BURDEN OF GRIEF haben ihre Position im Jubiläums-Billing eindrucksvoll bestätigt. - Klasse!

Die nächste Umbaupause dauert ein klein wenig länger, ATTIC sind als nächstes dran. Das Vorbereiten der aufwändigen Bühnendeko erfüllt in Bezug auf den musikalischen Inhalt der Gelsenkirchener ihren Zweck.

ATTIC



ATTIC zeigen, wie man mit gerade einmal acht Stücken (plus drei Intros) innerhalb von 60 Minuten Spieldauer ein Publikum völlig außer Rand und Band bringt. Schon die Bühnendeko verspricht ein gewaltiges Spektakel! Von zwei Kerzenleuchtern Links und Rechts umflankt steht der als Bühnendeko fungierende Altar, auf dem sich diverse Ritual-Utensilien,
Totenköpfe sowie das für eine schwarze Messe unübersehbar deutlich umgedrehte Kreuz aufgestellt befinden. Eingeleitet vom düsteren an Mercyful Fate erinnernden Intro „Ludicium Dei“ geht danach bei ATTIC nur noch die Post ab. Frontsänger Cagliostro schafft es mit seinem feinfühlig hohen stark an King/Diamond erinnernden Organ, einschließlich theatralischer Mimik und Gestik mühelos in kaum erreichbare Mercyful Fate-Hochtonlagen vorzudringen. Das dynamische Saitenhexer-Duo Katte/Rob liefert packende Riffdynamik, und saubere Filigran-Leadsoli einschließlich effektivem Stageacting. Chris am Bass- und Schlagzeuger J. P. legen ein massives Rhythmus-Fundament. Die überwiegend in Grünlicht getauchte Bühne versprüht inklusive dekorativ geschmückten Altar geisterhaften Atmosphärenzauber. ATTIC geben eine Lehrstunde in Sachen düsterer Okkult-Horror-Metal-Fantasien. Perlen wie „The Sanctimonious“, „A Serpent in the Pulpit“, „Join The Coven“, „Dark Hosanna“, „Satan's Bride“ und „There's No God“ sorgen inklusive zwei stimmungsvoller Intros („“A Quest For Blood“, Black Mass“) für mächtig Stimmung im Fanpulk. - Hymnenhafter geht’s nicht mehr! Das völlig austickende Publikum schädelt sich gnadenlos exzessiv in einen Rausch! Es wirkt fast so, als seien ATTIC der heimliche Headliner des M. O. C. Jubiläums-Festivals. „The Headless Horseman“ löst zum Schluß erneut immensen Adrenalinschub aus. ATTIC haben damit alle Erwartungen ausnahmslos erfüllt. Zahlreich geschaffte oder erfreute Gesichter nach Beendigung der Okkult-Session sprechen für sich. Düster-Messe vom Feinsten!

Leider hat sich der Zeitplan etwas zu weit (etwa eine halbe Stunde) nach hinten verschoben, womit das Restprogramm erst später zu nachgerückter Stunde erfolgt. 

MORGOTH


Erwartungsgemäß geht's mit dem Headliner kompromisslos brutal zur Sache. MORGOTH waren die erste reguläre Death Metalband hierzulande ich erinnere mich gut an die beiden 1989/90 ein Jahr vor dem Cursed-Album erschienen EP's "The Eternal Curse" und "Ressurrection absurd", die mächtig viel Staub im extrem Metallischen Underground aufwirbelten. Binnen kurzer Zeit nach Erscheinens besaßen MORGOTH bereits ohne ein volles Longplaydebüt einen mehr als beachtlichen Bekanntheitsgrad.  Die immens zahlreich versammelte Deathmetal-Anhängerschaft weiß was Fakt ist und bekommt nun richtig schwer auf die Glocke. Im Ambiente hallt der Sound so brachial fett durchs Gebäude, das selbst draußen auf der Teppich-Treppe vor den WC's gepflegte Unterhaltung unmöglich ist, wenn vom Innenraum die Tür aufgeht. MORGOTH machen keine Gefangenen. Crowdsurfer lassen sich von der Menge tragen, ein Circle Pit bildet sich im Laufe der Zeit auch. Marc Grewes Stelle hat seit 2014 Disbelief-Shouter Jagger eingenommen, der ein Shirt seiner eigenen Band tragend langgezogen kehlig tiefe Death Growls von sich gibt. Sein Gegurgel kann es mit etablierter Kollegenschaft vom Kaliber Morbid Angel, Asphyx, Obituary oder Grave aufnehmen. Der Grewe- Ersatz hat sich in Reihen der MORGOTH-Fans längst etabliert. MORGOTH werden ihrem Ruf wie schon auf der Tour 1990 mit Obituary und Demolition Hammer (- war das ein Killerpackage in Sachen Death/ Thrash!) gerecht. Todesblei-Granaten vom Kaliber „Suffer Live“, „Burnt Identity“, „Under The Surface“, „Nemesis“ für Glücksgefühle bei der Die-Hard Deathmetalanhängerschaft, ein Mattenmeer ist kräftig am rotieren, wohin das Auge blickt Propeller-like im Takt, womit der Headliner seine Position deutlich bestätigt. Auf die 90 Minuten Gesamtspielzeit wird noch eine weitere Viertelstunde draufgepackt, drei frenetisch geforderte Zugaben „White Gallery“, „Pits of Utumno“ und „Isolated“ gibt’s ebenfalls, danach sind alle Deathmetal-Lunatics endgültig bedient. Der 105 minütige Auftritt hat den hohen Stellenwert von MORGOTH für die Deathmetal-Szene eindrucksvoll untermauert.

Nebenbei bemerkt:
Im Prinzip ist es ein Trauerspiel, dass ein Großteil des Publikums noch vor den bis um 2:00 Uhr (!!) nachts auf der Bühne stehenden IRON THOR bereits die Location verlässt. Nach der viel zu langen Doppel-Verzögerung bedingt durch die uneingeplant längere Zeitverschiebung sollte verständlich sein, dass Gäste, wenn sie einen weiten Heimweg anzutreten haben oder zeitlich bedingt vorher den Nachhauseweg wählen müssen, weil sie mit der Familie zu Heiligabend Weihnachten feiern wollen, früher abreisen. Erstaunlicherweise füllt sich der Ballsaal trotz zunächst deutlich geleertem Anblick kurz vor der IRON THOR-Show zu solch später Stunde noch etwas mit partywütigen Heavy Metal-Volk, um den 80er-Jahre US-Hard n' Heavy-Kult vertreten durch die legitimierten THOR-Erben in Kassel gebührend aufleben zu lassen.

IRON THOR

IRON THOR sind stets ein sicherer Garant für pures 80er-Jahre Hard n' Heavy-Partyenterteinement. „Anger“, „Thunder on the Tundra“ , „Knock 'em down“, Now comes the Storm“, erweisen sich als weitere unverzichtbar einzustufende Rock n' Roll-Smasher im Programm. Tief in die End70er-Kiste wird bei „Keep The Dogs away“ - begleitet von zwei im Sexy Outfit tanzenden Schönheiten gegriffen, wobei die Uraltkamelle von der textsicheren Die Hard-Fanschaar locker mitgesungen wird. „Rock the City“ ebenfalls unverzichtbar, lässt den Faustreck- und Mitsingfaktor erneut potentiell in die Höhe schnellen. Verblüffenderweise kriegt es der mächtige Thor bei „Ride of the Chariots“ plötzlich mit zwei Gegnern zu tun; Gladius hat einen Zwillingsbruder bekommen, die nach hartem Kampf außer Gefecht gesetzt werden, und es soll nicht die einzige Überraschung bleiben. „Only The Strong“ eröffnet vom heroischen Intro '2045' schließt sich dem Klassiker-Reigen an. Beim unerwartet gebrachten Manowar-Cover „Thor, The Powerhead“ reicht der muskulöse IRON THOR-Fronthüne Didi das Mikro ans Publikum, und besorgt sich weil kein Bier mehr vorhanden ist, da der Vorrat an Gerstensaftkaltschale verbraucht ist, (!) kurzerhand Bier von gerne etwas abgebenden Fans in der ersten Reihe. Fehlt denn da nicht noch etwas? Welcher Zugabe bleibt es vorbehalten, die Helden-Party amtlich zu beenden, außer dem vehement geforderten als letzter Song angekündigten Reisser „Let The Blood Run Red?“ IRON THOR bedanken sich zu guter letzt beim die Band kräftig abfeiernden Publikum für dessen tatkräftige Unterstützung. Damit findet ein gelungen das MASTERS OF CASSEL 2017 beschließender Auftritt sein Ende.

Zum Gedenken in Erinnerung an...
Beim Verlassen habe ich noch einmal in Gedanken das Bild vom Ballsaal im Kopf, den es künftig zum Bedauern vieler M.O.C.- Gäste nicht mehr geben wird. Aufgrund von Umbaumaßnahmen zu Hotelzimmern fällt die schöne Räumlichkeit spätestens im nächsten Jahr der Abrissbirne zum Opfer. Traurig und schade zugleich, das die besten Dinge häufig aufgrund finanzieller Interessen kaputt gemacht werden. Was hätte die Stadt Kassel mit dem Ballsaal des Hotel Reiss für ein superbes Live-Ambiente gehabt, das weit über die Grenzen der Stadt hinaus Bekanntheit erlangt hätte... Immerhin wurde dem MASTERS OF CASSEL zusammen mit den Heavy Metal-Fans der Region in und um Kassel die Ehre zu Teil, im superben Ambiente kräftig sein grandioses 10-Jahres-Jubiläum zu feiern. Eine würdigere Konzertlocation hätte das M.O.C. nicht finden können!

Festival-Nachwort:
Ein dickes Lob und DANKE an Dirk Schneider, und seine gesamte 98-RecordsCrew für 10 Jahre MASTERS OF CASSEL – ein Jubiläum, das in richtig edlem völlig aus dem Rahmen fallenden Nobel-Ambiente stattfand. Die Eckberts sorgten mit warmen Schmeckewöhlerchen in Form von verschiedenen Suppen, Chili und Reisgerichten für den Gaumen für eine hervorragende Bewirtung. Hotel Reiss war den Besuch des MASTERS OF CASSEL absolut wert. Ambiente, Orga, Licht & Sound waren (mit minimalen Abstrichen) Top! Einzig die immens großen, den Zeitrahmen weiter als eingeplant nach hinten schiebenden Verzögerungen gaben einige Rätsel auf, wodurch wir eine spätere so nicht eingeplante Rückreise in Kauf nehmen mussten. IRON THOR haben um 2:00 Uhr nachts aufgehört zu spielen (!!), kein Wunder das viele Gäste die IRON THOR zum Schluß noch hätten sehen wollen, beim Blick auf die Uhr gezwungen waren, vorher den Heimweg anzutreten. Location, Bandbilling, Bewirtung, Techniker-Crew, Security sowie die treu das Festival rockenden MOC-Fans ließen überhaupt nichts zu Wünschen übrig.

Auf ein neues mit hoffentlich ebenso lukrativem Billing und nach Möglichkeit wenn das elfte MASTERS OF CASSEL in anderer Location statt Luxus-Ambiente, dafür auf bewährten Boden (im K 19?) zurück greifend zum weihnachtlichen Heavy Metal-Showdown ruft!

Fotos:  Michael Toscher und Melissa Hart

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