MAIDEN UNITED – Bad Homburg, Kurtheater

01 Maiden United Flyer

Konzert vom 20.01.18
Support: SNAKE BITE LOVE

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MAIDEN UNITED
SNAKE BITE LOVE

Von Neugier getrieben und gemischten Gefühlen befallen ging ich das heutige Konzert an. Tribut/Cover-Geschichten sind nicht meine Welt. Für keine großen Erwartungen sorgte zudem der Umstand, dass Vorband und Hauptakt rein akustische Shows abliefern würden - wieder nicht mein Ding. So ließ ich alles entspannt auf mich zukommen, parkte meinen Van im Parkhaus direkt unter dem Theater (für nur 2 €! Gebühr und das mitten in der Kurstadt Bad Homburg), fuhr mit dem Fahrstuhl ins Foyer, wurde von einem netten Herrn in Anzug an die Kasse geleitet und nahm die für mich bereitgelegten Karten in Empfang - große Theaterwelt also. So ganz war man allerdings im Kurtheater nicht auf Rockfans eingestellt, denn die Getränkeausgabe war zeitlich begrenzt (vor der Show und zwischen beiden Bands, während und nach dem Mainact nichts mehr, was aber außerhalb der Einflussnahme des Veranstalters lag).

01 Snake Bite Love

In bequemen Sitzen, jedoch mit trockener Kehle (Getränke waren im Zuhörerraum nicht gestattet) überlegte ich mir die ganzen 30 Minuten Showtime lang, ob ich denn SNAKE BITE LOVE als Opening Act jetzt gut finden sollte oder nicht. Unter dem Gesichtspunkt einer MOTÖRHEAD Tributeband mit Frontfrau fiel mir das trotz aller Toleranz wirklich nicht einfach. Zunehmend schwer tat ich mich mit der Eigeninterpretation der Songs. Eine zwar gute Stimme, die hier und da sogar an Alannah Myles erinnerte, auf der einen Seite, dann aber die totale Verfremdung der eigentlichen Stücke, dass man gerade mal bei 2 – 3 Songs („No Class“, Ace Of Spades“) überhaupt erkennen konnte, was da gerade gespielt wurde. Bei den gut 500 Zuschauern fiel daher die Zustimmung nach den einzelnen Liedern auch sehr gemischt aus. Das Quintett aus Holland nahm die Reaktionen trotzdem positiv auf, ließ sich nicht beirren und freute sich sichtlich, vor einem recht vollen Haus gespielt haben zu dürfen.

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Als Special Akustik Show war das heutige MAIDEN UNITED Konzert in Bad Homburg angekündigt und das sollte diese auch werden. Bevor die angekündigten Gastmusiker jedoch an die Reihe kamen, gab Damian Wilson (voc., Ex-Threshold) sein Stelldichein über drei Songs. Hyperaktiv, und für ein Akustikkonzert zu aufgeregt, rannte er auf der Bühne herum. Da kam im Allgemeinen zunächst viel Unruhe und Verwirrung auf, die sich beim vom Publikum lautstark mitgesungenen Refrain von „22 Acacia Avenue“ deutlich legte.

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Für viele Besucher war der erste Gastsänger, namentlich Frank Beck von GAMMA RAY und RED RAVEN, für viele (noch) eine große Unbekannte. Sein Stück („Sun And Steel” vom “Piece Of Mind”-Album) verwandelte er gesanglich in eine Art Musical Song. Das hatte definitiv was eigenes, ohne das Original auch nur ansatzweise außen vor zu lassen. Coole Performance!

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Unter kräftigem Applaus betrat nun die Ex-Eiserne Jungfrau Dennis Stratton die Bühne, schnappte sich eine Akustikgitarre und begleitete die nächsten fünf Stücke als 2. oder 3. Gitarrist, aber auch als Solist. Selbst zu einer kurzen Gesangseinlage ließ er sich unter lautem Jubel hinreißen. Der Mann offenbarte definitiv Entertainerqualitäten, die er über den Abend hinweg noch einige Male einsetzte. Das Highlight dürfte hierbei wohl gewesen sein, als er sich scherzhaft mit Wilson kappelte, ob dieser seine Ausflüge in oder durchs Publikum auch mit seinem heutigen Mikro (mit Schnur) schaffen würde. Kurze Rede, langer Sinn, Wilson schaffte es mit seinem Kabelmikro bis Höhe des Mischpults, lief dann die dortige Sitzreihe entlang, um direkt an meinem Sitz den Außengang wieder zu betreten und zur Bühne zurückzulaufen. Dank dem tatkräftig mithelfenden Publikum wurde durch das Kabel niemand stranguliert - Klamauk pur. Aber auch ernsthaft ging es zur Sache, und hier setzte Wilson mit „Children Of The Damned“ für mich seinen gesanglichen Höhepunkt. Er wuchs hier förmlich über sich hinaus. Nach dem nun folgenden „Charlotte The Harlot” gönnte sich Stratton unter Standing Ovations erst mal eine Pause.

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Ralf Scheepers (voc., PRIMAL FEAR) wurde die eher undankbare Aufgabe zuteil, „Futureal“ aus der BLAZE BAYLEY-Ära zu performen. Kein leichter Job, wie er mir ggü. nach dem Konzert anmerkte, da er dafür mitten aus den Aufnahmen zur neuen PRIMAL FEAR Platte gerissen wurde. Man merkte aber auch ihm an, dass eben die deutschen Sänger für dieses Konzert super vorbereitet an den Start gingen. Da saß wirklich alles.

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Die Übergabe des Gesangsparts von Wilson an den nächsten Gast mutierte zu einer Klamauknummer. Doogie White, Ex-RAINBOW, Ex-CORNERSTONE und die aktuelle Stimme von MICHAEL SCHENKER FEST, betrat die Bühne mit einem Notenständer und Textblättern. Eine Steilvorlage für Wilson, der nun mit dem wortgewandten und einer guten Portion britischen Humors ausgestatteten Schotten einen wahrhaft unterhaltsamen, jedoch auch überlangen Dialog führte, den Dennis Stratton je unterbrach, indem er Wilson am Revers packte und von der Bühne zog. Obwohl Doogie seine beiden Stücke („The Evil That Men Do“ und „2 Minutes To Midnight”) mehr oder weniger vom Textblatt ablas, bewies er, was für ein hervorragender Sänger er doch ist.

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Was wäre ein Damian Wilson Konzert ohne sein berühmtes Stagediving? Über den ganzen Abend hinweg erzählte er immer mal wieder davon. „Die With Your Boots On” schien für ihn dazu gemacht zu sein, wie er ausführte und dirigierte das Publikum aus den ersten Sitzreihen so zusammen, dass er einen Sprung von der Bühne wagen konnte, ohne auf den Sitzlehnen aufzuschlagen.

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Danach ging es nach gut 2,5 Stunden zum großen Finale über. Alle Beteiligten sangen und spielten zusammen „Wasted Years“. Einen würdigeren Abschluss hätte man nicht wählen können.

Setlist MAIDEN UNITED:
Empire Of The Clouds Pt. 1
Only The Good Die Young
22 Acacia Avenue
Sun And Steel
Strange World
Remember Tomorrow
The Trooper
Children Of The Damned
Charlotte The Harlot
Futureal
Infinite Dreams
Revelations
The Evil That Men Do
2 Minutes To Midnight
Die With Your Boots On
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Wasted Years

Fotos by Jan Heesch