STRASSENJUNGS – Frankfurt/M.

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Konzert vom 06.09.19
Gäste: DIE TRAKTOR, ENDSPURT, U-BAHN KONTROLLÖRE IN TIEFGERORENEN FRAUENKLEIDERN

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STRASSENJUNGS

Jeder "Dauerlutscher" ist auch mal gelutscht. Zumindest was Konzerte angeht ist nach 42 Jahren nun Schluss - ABER, so der an Lungenfibrose erkrankte Bandleader Nils Selzer (voc.): "Im Studio leben die STRASSENJUNGS weiter, und es wird neue Songs geben".  Ihren Schlusspunkt setzten die Frankfurter Deutschpunk-Rocker mit dem Abschiedskonzert "Adios Amigos" in der Batschkapp mit den noch zahlreich vorhandenen Fans und drei befreundeten Bands, mit denen man gemeinsam auf eine 2 ½-stündige Zeitreise ging. Eine Vorband gab es nicht. Dafür lief zur Einstimmung die DVD „Dauerlutscher Report 1“ aus dem Jahr 2013. Beim genaueren Hinsehen waren in der abgeteilten, dafür aber sehr gut gefüllten Kapp einige Kameras zu erkennen, die auf einen Mitschnitt des heutigen Abends hindeuteten.

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Nils Selzer eröffnete persönlich den Abend und übernahm unter lautem Jubel zum ersten Stück „Komm Tanz“ selbst den Gesang. Hier merkte man bereits, warum heute Abschied von der Bühne gefeiert wurde. Danach übernahm Bassist Volker Picard diesen Part für seinen Chef und zog mit dem Gassenhauer „Birgit O.“ sofort die Sympathien auf seine Seite. Nach insgesamt vier Stücken gab es die erste kurze Umbaupause und DIE TRAKTOR gaben ihr erstes Stelldichein des Abends und eröffneten mit „Bankfurt“, einem weiteren umjubelten Punk-Klassiker. Zwei STRASSENJUNGS-Interpretationen, ein eigener Song (hier die Punkversion von „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ inkl. Einsatz einer Melodica von Sänger Arne Schneider), und schon ging das Staffelholz zurück an die Hauptakteure, bei denen Nils mit der Hamburger Mundart Polka „Äppel Klaun“ wieder einen Kurzeinsatz verbuchte. Mittlerweile mit einem Keyboarder und einem zweiten Gitarristen agierend wurde es mit „Venus im Bus“ obszön, aber schön. Der Aufbau und die Umsetzung solcher Songs haben Bands wie z. B. die SPIDER MURPHY Gang bekannt gemacht. Den STRASSENJUNGS wurde das zumindest überregional verwehrt, da bereits ihre erste LP „Dauerlutscher“ (1977) auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften landete. „Bundeswehr“ sorgte für den ersten richtigen Publikumschor, und „Kerl bist du hohl“ wurde gar mit zwei Schlagzeugen gespielt.

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Jetzt war es Zeit für Jason Fretz (Ex-BORNHEIM BOMBS) und seine neue Kombo ENDSPURT, die sich den Stimmungsgaranten „Fressgass“ und „Spießer am Spieß“ angenommen hatten. Danach schwebte sogar noch das eigene Stück „Parasiten des Planeten“ auf der noch immer andauernden Euphoriewelle. Das nächste Highlight ließ mit den U-BAHN KONTROLLÖREN IN TIEFGEFRORENEN FRAUENKLEIDERN nicht lange auf sich warten. Zum Auftritt der Frankfurter Hardcore a-capella Truppe gab’s nicht mehr zu sagen als: Grandios! Der längere Block glich einem wahren Besetzungskarussell und gipfelte neben dem eigenen Song „Pubertät“, dem Drum Solo mit drei (!) Schlagzeugern gleichzeitig zu „Der Drummer mit dem Holzbein“. Die Wichsanleitung „Jeder Mensch ist mal alleine“ mit Nils und Kontrollör Matthias Keller am Mikro brachte die Kapp fast zum Orgasmus. Steigerungsfähig? Klar, der „Dauerlutscher“ als offizielles Setende! Das Ding hier mutierte zu einem Volksfest. 

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Arne Schneider (DIE TRAKTOR) kam das Los zuteil, die erste Zugabe („Wir ham ne Party“, „Immer weiter gehen“) zu singen. Viele hätten sich die Songs von Nils gewünscht, aber der konnte nicht mehr und hing nur noch an der Sauerstoffflasche. Doch dieser Part wurde auch so ein Fest. Genau wie die zweite Zugabe mit den KONTROLLÖREN und ihrer Version von „Surfin Bird“ inkl. dem großen Finale mit allen Akteuren beim Motto des Abends „Adios Amigos“.

Der Drops war gelutscht. Hier und da war sogar ein feuchtes Auge oder ein Kloß im Hals auszumachen. Die Wehmut bei vielen Akteuren auf und neben der Bühne sowie bei den Fans war deutlich feststellbar. Kein Wunder, eine Band, die wegweisend für eine ganze Welle war -  die „Neue Deutsche Welle“ -, hatte fertig. Auch ich habe danach noch lange darüber sinniert. Hätte es ohne die STRASSENJUNGS Bands wie z. B. die RODGAU MONOTONES, FLATSCH, die CRACKERS oder sogar die BOEHSEN ONKELZ überhaupt in Frankfurt gegeben?
Ich für meinen Teil war froh, ein kleiner Teil dieses denkwürdigen großen Abends gewesen zu sein. Dabei spielte es auch keine Rolle, dass ich in dieser Szene nie zuhause war und der Deutschpunk mir sonstwo vorbeigegangen ist.

Setlist:
Komm Tanz (STRASSENJUNGS)
Birgit O.
Mitternacht Babies
Nachts auf Tour
Bankfurt (DIE TRAKTOR)
Panik in Frankfurt
Drei Chinesen mit dem Kontrabass (eigener Song)
Äppel klauen (STRASSENJUNGS)
Venus im Bus
Ich will was ich seh
Bundeswehr
Immer das Gleiche
Kerl bist du hohl
Fressgass (Jason Fretz mit ENDSPURT)
Spießer am Spieß
Parasiten des Planeten (eigener Song)
Als sie mich küsste (STRASSENJUNGS)
Naturtod
Maria R. (U-BAHN KONTROLLÖRE)
So lang zusammen
Pubertät (eigener Song)
Dany
Dreck (U-BAHN KONTROLLÖRE)
Abwählen
Der Drummer mit dem Holzbein (+ Drum Solo)
Jeder Mensch (U-BAHN KONTROLLÖRE)
Kurz nach 2 (STRASSENJUNGS)
Dauerlutscher
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Wir ham ne Party
Immer weiter gehen
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Surfin Bird (U-BAHN KONTROLLÖRE)
Adios Amigos (mit allen)

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Marc Debus (Promoportal Germany)

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