JOE BONAMASSA - Saarbrücken

joebonamassa tourplakatKonzert vom 27.04.2022

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JOE BONAMASSA

Allzu tief wanderte der Blues-Überflieger während Corona nicht im Tal der Tränen, denn er konnte die Zeit gut für erste Arbeiten als Produzent, den Aufbau eines eigenen Labels und vor allem zwei neuen Studioalben nutzen. Dennoch fühlt sich der Mann auf der Bühne immer noch am wohlsten, oft kam er zweimal im Jahr nach Deutschland, wo er die Hallen zu füllen weiß. Zweimal wurde diese Tour verschoben, auch dieses Mal war es eng, doch nun konnte er endlich wieder auf dem europäischen Festland auf der Bühne stehen. So war die Saarlandhalle bis auf ein paar Restplätze auch wieder komplett ausverkauft.

Als wolle er aus dem Dunklen kommen stiegen die Musiker auf die völlig unbeleuchtete Bühne, einen nach dem anderen sah man oben erscheinen, wobei man gar nicht wusste, ob es nicht ein Techniker ist, da das Line-Up mal wieder durcheinander gewürfelt wurde. Doch mit dem ersten Ton des Opener von „Redemption“, dem letzten Albums vor der Pandemie ging das Licht an, und somit ein langer Weg durch die Dunkelheit zu Ende.
Er stand da livehaftig und bearbeitete sein Instrument bei den Riffs mit Vehemenz. Unterstützt wurde er dabei von Kumpel Josh Smith an der Rhythmusgitarre, dem die Fills zukamen, welche durch den Wegfall der Bläser deren Harmonieparts übernahmen. Hier zeigte sich mal wieder die hohe Arrangierkunst des Mannes, der seine Kompositionen spielerisch in verschiedene Konstellationen übertragen kann. Von der Stimmung ging nichts verloren, aber der Grundton war ein bisschen rockiger.

Der gute Smith durfte auch mal ein Solo übernehmen und wurde vom Meister als der beste Gitarrist auf der Bühne geadelt. Nach dem Genuss dieses Gigs sieht das der Verfasser jener Zeilen ein wenig anders, zumal Smith mit einer Ibanez agierte. Signature-Modell hin oder her, das ist keine klassische Bluesgitarre. Was Bonamassa auf die Bretter brachte war schier unglaublich, er nutzte die technischen Möglichkeiten seines Arsenals an Sechssaitern, darunter legendäre Modelle.
Selbst in den härteren Passage zeigte dieser viel Gefühl und vermochte auch sehr leise Töne anzuschlagen, bei denen das Publikum wie gebannt auf ihn starrte. Klar war er bei seinen langen Soli immer ganz vorne zu finden, beackerte beide Seiten der Bühne, so dass ihn jeder Zuschauer gut zu Gesicht bekommen konnte. Dabei bot er die ganze Palette auf, von lang gezogenen Tönen schaltete er blitzschnell in flotte Wanderschaft über das Griffbrett und ließ auch mal den Shredder raushängen.

Am beeindruckendsten war aber immer noch sein butterweicher klarer Ton, mit dem er so viel Melodie herein brachte, dass die Soli nie in den Selbstzweck abdrifteten. Durch dieses Talent verliert er den Song nie aus den Augen, gibt ihm genau das was er braucht. Interessanterweise waren die beiden Slow Blues-Tunes die beiden einzigen Coverversionen, der gute Joe schöpfte fast vollständig aus dem Fundus der Alben, welche er komplett selbst geschrieben hat.
Bei der brillanten GARY MOORE-Adaption hätte man sich eventuell eine Ansage gewünscht, aber die Interpretation war vor allem mit seinem immer besser werdenden Gesang genial. Über das Solo am Ende des TIM CURRY-Hits muss man ohnehin keine Worte mehr verlieren, die Gitarre sang buchstäblich für uns. Wer da mit trockenen Augen saß, hat den Blues nicht verstanden, tiefer kann man nicht berühren.

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Das hat er auch seiner kongenialen Liveband zu verdanken, die so punktgenau agierte, dass es einfach ein Genuss war zuzuhören, jeden perfekt gesetzten Ton wahrzunehmen. Da die Musiker mit Ausnahme des Mainman nicht so viel auf der Bühne unterwegs waren fiel die Kommunikation eher subtil aus, dennoch waren die Blicke und Zustimmungsbekundungen zu erkennen, die das Gefüge zum gut im Fluss hielten.
Nachdem er beim aktuellen Album nicht mit von der Partie war ist Reese Wynans an den Tasten wieder an Bord. Der ehemalige Sidekick des viel zu früh verstorbenen STEVIE RAY VAUGHN bestach schon alleine durch seine Witz, welcher sich in seinem Spiel wiederfand. Gerade am Piano zelebrierte er Läufe, die so fordernd wie auch gefühlvoll waren. Jenes Feeling legte er auch in seinen Beitrag an der Orgel, die er nie ins Röhren brachte, sondern die Atmosphäre sanft unterlegte.

Auch sonst war Teamwork auf der Bühne geboten, die Mannschaft kennt man aus den jüngsten Studiojobs Bonamassas. Mit Steve Mackey am Bass und Greg Morrow an den Drums spielte man das neue Werk von JOANNE SHAW TAYLOR ein, Jade McCrae wurde diesmal von Danielle DeAndrea bei den Backing Vocals unterstützt, die beide in die Aufnahmen zum jüngsten Werk von LARRY MCCRAY involviert waren. Der Frontmann tut gut an seiner Rotation aus einem festen Stamm von Künstlern, da es einerseits immer frisches Blut auf die die Bühne bringt, aber sich dennoch eingespielt hat.

Mackey gab hinten die angegraute Eminenz am Bass, der ebenso stoisch seine Parts durchzog wie seine beiden glatzköpfigen Vorgänger. Wie auch die hatte immer so ein unterschwelliges Lächeln auf den Lippen, was einen Kontrast zu seiner ruhigen Haltung bildete. Morrow spielte unheimlich konzentriert, erinnerte irgendwie an einen Professor, der sein Kit ganz genau studierte, was vor allem bei den schnellen Shuffles für Präzision sorgte. Mehr im Vordergrund standen dieses Mal die beiden Damen im Hintergrund, wobei sie im Partnerlook unterwegs waren. Öfter durften sie auch Leadpassagen übernehmen und sich dabei gekonnt duellieren, was zusätzliche Dynamik schaffte.

Kaum verwunderlich, dass immer wieder Szeneapplaus aufbrandete, die Zuschauer sich nicht bis zum Ende des Songs gedulden konnten, nur um da weiter diese unglaubliche Darbietung abzufeiern. Viele hatte derartiges schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen, und auch der gute Joe war bewegt über den Empfang nach so vielen Jahren wieder in Saarbrücken. So merkte er an, dass er zeitweise Angst hatte nie mehr da oben stehen zu können, er nie mehr Anzug tragen könne, sondern auf ewig Jeans und T-Shirt.
Mit Ansagen hielt er sich zwar zurück, doch wenn er mal das Wort ergriff, konnten wir fast seine halbe Lebensgeschichte erfahren. So ernst er immer wirkt, so gewitzt ist er eigentlich vom Typ her, der gerne mit seinem Publikum spielt. So auch bei der ersten Zugabe, welche er alleine auf der Klampfe darbot und eine weiter Facette seines Könnens offenbarte. Am Ende ließ er sein Publikum mit seinem Spiel empor steigen auf den Gipfel, wo sie sich noch mehr vom Ballast der letzten Jahre befreien konnten, zumal sie sich nun von den Stühlen erhoben und vor der Bühne versammelt hatten.

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Setlist JOE BONAMASSA:
Evil Mama
Dust Bowl
Love Ain´t A Love Song
Midnight Blues
The Heart That Never Waits
I Didn´t Think She Would Do It
Just ´Cos You Can Don´t Mean You Should
Sloe Gin
A Conversation With Alice
Lonely Boy
The Ballad Of John Henry
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Woke Up Dreaming
Mountain Time

 

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