HOCHLANDROCK - Welferode



Festival vom 19. - 20.08.22
Bands: TANZMETALL, WARWOLF, SQUEALER, PURPLE RISING, AIRSTRIKE, RANZER, FRAUPAUL

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Hochland Rock Welferode

HOCHLAND-ROCK-Freitag, 19.08.2022
Nach letztjähriger Umverlegung nach Homberg findet das beliebte für Rock, Hard- Rock und Heavy Metalfans bewährte Hochland-Rock Festival wieder im ganz natürlichen Zuhause auf dem Gelände der Welferoder-Festwiesen statt. Auffällig zumal ungewohnt ist diesmal das Fehlen zweier grundlegender Hochland-Rock-Utensilien, die normalerweise zum Festival dazu gehöre, wie die Butter auf's Brot: Der hölzerne Pommesgabel ist leider von innen verfault ein Nachteil, den Holz nun mal so an sich hat) und die in verschiedener Farbvariation leuchtende Hoch-Land-Rock-Gitarre. Die beiden Feuertonnen wurden berechtigterweise nicht aufgestellt, sie fehlen bedingt durch den viel zu trockenen Sommer wegen akuter Brandgefahr. Draußen herrschen zunächst warme, später in der Nacht leicht kühle Temperaturen. Trockenes Wetter, kein Regen, aller beste Voraussetzungen für's Festival. Passt! Die üblichen Standards Bonkasse, Würstchenbude, Cocktailbar und Mechandise-Zelt sind vorhanden. Für Partytische und -sitzgelegenheiten ist ausreichend gesorgt.

FRAUPAUL
Für den knackigen Einstieg in den Festival-Freitag auf dem Hochland-Rock am frühen Abend gegen 19:00 Uhr sorgt das Hamburger Frauen-Rocktrio FRAUPAUL Zwei Fanreihen stehen vor der Bühne und feiern das Trio kräftig ab, was nicht jeder Auftaktband beim Hochland-Rock gelingt. Dafür schon mal ein gebührendes Maß Respekt! Das Hamburger Frauentrio spielt deutschsprachigen Alternative-Rock, mit nachhaltigem Gesang, wobei die Musik manchmal gar ein wenig an 80er Neue Deutsche Welle-Vertreter Marke IDEALerinnert wozu sich leicht räudiger Punkanstrich gesellt. Das Proben im Altonaer Hochbunker trägt zahlreich Früchte.

Frontfrau Lisa verfügt über ein helles, dennoch klar verständliches Organ, ihre dem Wahnsinn des Alltags entnommenen Botschaften verhallen in Welferode nicht ungehört. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen Bassistin Mary und Schlagzeugerin Linda verfügen alle drei Ladys über viel Taktgefühl. Intelligent verpackte Texte und eingängiges Riffing, von feurig rebellischem Unterton gewürztes Textgut plus Ohrwurmfaktor sind Trumpf. Schritt für Schritt erspielen sich FRAUPAUL durch ihren handgemacht ehrliche Rockmischung ihre Sympathien in Welferode.
Bei Rockern vom Typ „Gut Genug“, „Kein Wort“, „Vergiss mich nicht“ und „Es Tut mir Leid“ hat das Trio viel Spaß am Musizieren, was sich auf den Festplatz überträgt. Die Mischung des Damentriples gefällt und ringt außer den Leuten vor der Bühne auch dem Volk auf Sitzplätzen und am Tresen respektvolles Kopfnicken und gelöstes mit dem Finger im Takt wippende Reaktionen ab. Alles Gute weiterhin! Mädels, ihr habt euren Job prima gemacht. Wirklich kein schlechter Auftakt. Davon dürfen auch die Hoch-Land-Rock-Wiesen ihr Liedchen singen...

AIRSTRIKE
Nach dem lockeren Auftakt steigen AIRSTRIKE aus der Stadt von Renaissance-Künstler Philipp-Soldan in den Ring. Wer die Band schon mal auf Rock am Stück gesehen hat, weiß Bescheid. Damit gibt es eine satte Kollission klassischen 70er Hardrock, Blues und 80er Sleaze auf die Ohren. Der krasse Stilrichtungswechsel verströmt angenehm erdiges Rockflair im Ambiente dass es derbe röhrt und kracht! AIRSTRIKE spielen eine bunte Mischung zwischen Acts wie AEROSMITH, GUNS N' ROSES, KISS, CINDERELLA, LA., RATT, L.A. GUNS, THE FREE usw., und schaffen es damit entspannte Stimmung auf den Platz zu bringen.

Sänger Julio zieht durch sein markantes Aussehen irgendwo in der Schnittmenge von AEROSMITH-Gitarrist Joe Perry und RATT-Bassist Juan Croucier und Klaus Meine in jüngeren Jahren (einschließlich markanten Mütze die er zu einigen Songs trägt) liegenden Lockenfrisur mit Seitenscheitel Aussehen Blicke auf sich. Das Frankenberger Quartett bestehend aus Gitarrist Michi Löwe, Bassist Flo Finger, Drummer Johhny und Sänger Julio Mario Noriega Sanchez hat definitiv das Rocker-Gen in den Adern.
Erfrischend knackig Dynamische Rocker mit reichlich Dampf auf dem Kessel vom Typus erdige Rockvibrations en Masse verteilender Nummern wie „Crazy Side“, „Really Liked You“, vom klassischen Blues gestützte Fetzer („One In A Million“) wo einschließlich Sänger Julio Alle 'One in a Million' sindoder das rockige „Love Me, Take Me, Break My Heart“ tragen spürbar die pure Essenz des klassischen Rock n' Rolls in sich, dafür sorgt auch das cool servierte BLACK CROWES-Cover „Hard To Handle“. Oder wie Sänger Julio es während einer Ansage auf den Punkt bringt: „Rock’n’Roll is a Lifestyle, Baby.“ - Definitiv!
AIRSTRIKE werden von einem treuen Bandsupporter per Kamerastab gefilmt, der gesamte Gig auf dem Hoch-Land-Rock wird innerhalb der nächsten Tage per Stream im Internet auf entsprechenden Plattformen (Youtube usw.) zu genießen sein. In Sachen Posing sind die Glam Hard Rocker eine Welt für sich. Sänger Julio Mario Noriega Sanchez verfügt neben irrsinnigem Bühnencharisma über Top-Entertainerqualitäten, wovon sich viele abgehalfterte Frontmänner ehemals bekannter Glam-Sleaze Rock-Acts gern etwas abschauen dürfen. Er klettert auf das Gerüst am linken Bühnenrand zur Decke hoch, kommunziert mit dem Publikum und steigt von dort nach oben auf die Box. Gitarrist Michi Löwe post wie ein Weltmeister kniet sich in tiefer Haltung auf die Bühne und legt fetzige Soli hin, das wirkt konzentriert, sicher und einstudiert, Extraeinlagen besonderer Art gehören dem Namen Rechnung tragend, bei AIRSTRIKE als fester Bestandteil zur Show. Guten Geschmack beweisen AIRSTRIKE mit dem C.C.R.-Cover „Fortunate Sun“.
Im stark Coverstücklastigen Schlußfinale können vor allem der via MTV bekannte AEROSMITH-Klopfer 'Cryin' und die BEATLES-Coversession „Come Together am besten punkten, da die Stücke neben den lockerem Mitsinggehalt griffiger ins Gehör laufen. AIRSTRIKE haben das Publikum zunächst neugierg gemacht und dazu die Bühne amtlich gerockt und am Ende bleibenden Eindruck hinterlassen... Richtig geiler, handgemacht erdiger Hard Rock kommt aus Frankenberg-Eder kommt, weiß jetzt spätestens auch das Hoch-Land-Rock-Publikum. Das knackig rockende Quartett darf gern wieder nach Welferode kommen. - Feiner Gig!

PURPLE RISING
AC/DC-Cover waren angekündigt, SHE'S GOT BALLS können Coronabedingt nicht mitrocken, als Ersatz dafür gibt’s massig DEEP PURPLE-Vibes von dem Bad Homburger Quintett PURPLE RISING was genauso viel wert ist, zumal auf Original Instrumenten - da dürfen Fender Stratocaster und bewährte, den immens nachhallend raumgreifend Atmosphärischen 70er-Sound besser wie jedes andere Instrument krönende Hammond-Orgel nicht fehlen. Für deftig krachenden Einstieg in den Abend sorgt nach Carmina Burana-Intro sofort der kultige mächtig satt rockende, sich auf Motorräder und Rocker-Livestyle konzentrierende On the Road-Hymne „Highway Star“.
Stimmung und Laune im Hochland-Rockpublikum sind sofort geweckt, The Deep Purple Experienze zieht mächtig auf dem Hochland-Rock, der sich anschließende im zeitlosen Mid70er-Spirit schwimmende Classic Rocker „Stormbringer“ hält das vorgelegte Stimmungslevel. Auf die Ansage, das heute eigentlich SHE'S GOT BALLS spielen sollten, Coronabedingt ausgefallen sind, aber bestimmte Arten von Frauen nicht immer lieb und nett, sondern bei Bedarf ziemlich strange sein können, folgt der Klassiker „Strange Kind Of Woman“. Extrem spitze Hochtonschreie zum etwa 12 Minuten oder noch ein wenig länger gedehnten Loserepos „Child in Time“ wecken Nostalgie, können selbst Ian Gillan auf dessen gesanglichem Zenit das Wasser reichen - zum Abrocken, ehrfürchtig Staunen, andächtig niederknieen. Wenn sich Orgel und Leadgitarre duellieren, ist es Augen wie Ohrenschmaus, wenn dieser Part direkt in die Nummer einfließt. Hier sind Könner am Werk, die ihre Kunst lieben, achten und sich auf sie verstehen.
Die ersten Klänge vom nächsten Song verraten, was als nächstes kommt: „Woman From Tokyo“. Danach findet mit 'Into The Fire' erneut ein Track vom 'In Rock' Album Berücksichtigung, jener Wendepunkt in der Geschichte der Rockmusik, zeitloser Hard Rock Klassiker für unzählige Fangenerationen gilt dieser Genremeilenstein als Durchbruch für die Band; 'In Rock' besteht den Test der Zeit selbst 52 Jahre später problemlos (!), womit die fünf Musiker ihre Gesichter monumental in Stein gemeißelt auf dem Mount Rushmore in (South Dakota) verewigten.

„Knocking At Your Backdoor“ lässt - die 80er-DEEP PURPLE-Bandphase revue passieren, ehe der Übergang zum erinnerungsträchtigen WHITESNAKE-Tribut „Don't Break My Heart Again“ wechselt, wohinter sich auch ein gewichtiger Grund verbirgt: David Coverdale half der Band während der 70er durch ihre schwere Zeit nach Ian Gillans Verlust hinweg, servieren PURPLE RISING den AC/DC-Klassiker „TNT“. Die kraftvolle Kompensation für den SHE'S GOT BALLS-Ausfall und das gemässigtere „Don't Break My Heart Again“ zaubern im weicheren Kontrast zur rockigen 70er DEEP PURPLE-Glanz-Ära - Momente zum Genießen auf den Platz. Jedes Bandmitglied bekommt einen kurzen Solopart im Set, Gitarrist Joachim Villwock, die Rhythmusabteilung bestehend aus Bassist Dominik Stotzem und Drummer Volker Stenger und sobald Andreas König auf der Hammondorgel Traumwelten erzeugt, weckt es Gänsehaut. PURPLE RISING bringen 1:1 den magischen Spirit des goldenen 70er DEEP PURPLE-Jahrzehnts auf den Platz. Gemäßigte Tonlagen schlägt „Soldier Of Fortune“ an... jetzt wird’s verträumt episch, bei älteren vor den 70ern geborenen Semestern, die in der Tat die Blütephase von DEEP PURPLE miterlebten, weckt die gewaltige Powerballade Erinnerungen an das 1975er-DEEP PURPLE-Album 'Stormbringer'. Selbst das zweite im Set vertretene 80er Stück der Titelsong des im gleichen Jahr 1984 entstandenen Albumklassikers 'Perfect Strangers' könnte ähnlich wie bereits „Knocking at Your Backdoor“ glatt aus jenen 70er-Tagen entsprungen sein.
PURPLE RISING-Sänger Michael Baum hat es die Gaspreiserhöhung sehr angetan, seine Erläuterungen dazu haben etwas ironisch heiter urkomisch-sympathisches, weshalb sie von manchem Lachen quittiert werden, entbehren sie dennoch nicht einer gewissen Logik die zum Nachdenken anregt. Wenn demnächst die Gaspreise erhöht werden, solltet ihr die Gelegenheit nutzen und noch mal richtig Gas geben...“ Gesagt, getan. Die Ansage zum nächsten Song führt weit über unseren Planet Erde hinaus: „Wir entführen euch jetzt in den Weltraum.Hier ist: Space Truckin'!“Danach den RAINBOW-Klassiker „Difficult to Cure“ ins Geschehen einzuweben, hat etwas exotisches, doch wer dem Original so nahe kommt, darf das! Manche Stimmen auf dem Platz munkeln, sie seien fast besser als das Original, ja mag durchaus etwas dran sein; bezogen auf die Gegenwart sollte das 'fast' vor dem besser wegbleiben, im Hinblick auf die goldenen 70er hingegen ein klares Nein! Die goldene 70er-Ära der Original DEEP PURPLE-Besetzung als die Band aus England zu Helden zahlreicher Generationen wurde kommt nicht wieder, ist und wird stets einmalig bleiben - ein zeitlos heroisches Kapitel klassischer (Hard) Rockgeschichte mit Nostalgiewert.Richtig amtlich klassisch hart wird mit den letzten Fünf für jeden tiefes Purpur-Fan gerockt und Vroni mit ihrer gepflegten Blondhaarmähne tanzt als treuer Fan des tiefen Purpurs begeistert auf der Bühne mit, so gehört sich das auf dem Hoch-Land-Rock! PURPLE RISING-Frontmann Michael Baum deutet mit dem Zeigefinger nach oben und sagt „schaut mal auf den Himmel...“ und kündigt an, dass der nächste Song von einem Loch am Himmel handelt. Nachtschwarzer Himmel trotz Sternen, klar, was kommt: „Black Night“ unverzichtbares Klassikerkulturgut im Set, dem sich das zum nocheinmal richtig Gasgeben geeignete Doppel „Speed King“/„Burn“ anschließt, ehe das Publikum zum großen Schlußakkord „Smoke On The Water“ kräftig mitsingen darf, und die Vorstellung durch Mitsingspielchen von Band und Publikum schrittweise zum Ende kommt. PURPLE RISING bescherten dem Publikum zeitlos magische Momente zur Erinnerung an eine Zeit wo die klassische 70er Rock-Musik geboren wurde, zugleich ihre Sternstunden erlebte, Kulturgut, wovon Generationen später folgender Rock Fangenerationen und Bands heute noch zehren. PURPLE RISING sind nicht die einzige von vielen DEEP PURPLE-Coverbands, doch soviel hat der Auftritt gezeigt: - eine sehr gute!

Fazit: Qualitativ hochwertig nostalgischer Abschluß eines interessanten Hochland-Rock-Freitags. Damit steigt die Vorfreude auf den härteren Metal-Festival-Samstag, doch bevor es soweit ist, müssen die Bilder des ersten Tages verarbeitet werden.

HOCH-LAND-ROCK Samstag, 20.08.2022
Auch wenn's am Nachmittag mal ein Gewitter gab, ist gegen Abend bei unserem Eintreffen nicht viel davon zu spüren, es ist angenehm warm nur in der Nacht dürfte laut Wetteraussichten für den heutigen Abend später noch etwas frischer werden.Regen bleibt aus, dafür gibt’s ne gewaltige Ladung Oldschool-Hardcore/Thrash-gerumpel knochentrockener Sorte, die richtig fett ballernd auf die Mütze geht.

RANZER
Bestehend u. a. aus Ex-MY COLD EMBRACE-Gitarrist Dirk Wettlaufer (Gitarre) und Shouter Kurt am Mikro von den Grind-Deathern PAROXYSM dessen tiefergelegte Growls weit über den Platz hallen, ballert sich die Kasseler Formation durch eine Mixtur aus dreckig rumpeligem Oldschool-Thrash Metal, Death Metal und Crustpunk - genau das richtige um den Wachsamkeitspegel im Hochland am frühen Abend gewaltig zu erhöhen. Bei dieser völlig ungeschliffen rotzräudigen Schnittmenge zwischen CELTIC FROST/HELLHAMMER, SODOM und MISFITS passt auch das SODOM-Cover „Ausgebombt“ hervorragend ins Bild.



Die Aufforderung näher zur Bühne zu kommen verläuft im Sande obwohl sich die Band durch ein mächtig tight abgemischtes, den Arsch versohlendes Brett rumpelt, dass es dauerhaft brutal herb kracht. Schade, dass sich augerechnet bei diesem hervorragend für Pits in Kleinlocations geeigneten Schredderkommando nichts vor der Bühne tut. Ok, die Grasbüschel wackeln von der intensiv räudigen Phonpower heftig angeblasen, kopfnickende Bewegungen und erste Zuckungen, die nicht vor der Bühne stattfinden, lassen zumindest deutlich erkennen: Aufmerksamkeit haben RANZER geweckt. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die Aktivität der Gäste bei den danach folgenden Combos zunimmt... Gelungener Auftakt, der sein Publikum direkt vor der Bühne verdient hätte, nicht nur am Tisch, Tresen und Getränkestand.

SQUEALER
schaffen es nach den drei ersten kurz nach 20:00 Uhr übers Ambiente hallenden Songs erhoffte Stimmung auf die Hochland-Rock-Wiesen zu bringen. In Sebastian Werner haben sie einen tollen Frontmann, dessen vielseitiges Organ einschließlich Shouting verbunden mit einem tollen Bühnen-Charisma alle Qualitäten besitzt, um das Publikum nach vorne zur Bühne zu locken. Der SQUEALER Sänger tut das einzig richtige, indem er laut ins Mikro brüllt: „Hochland Rock wie geht es euch?“ und das Publikum auffordert, näher zur Bühne zu kommen. Wer neben solch einem äußerst Publikumskommunikativen Frontmann ein so hervorragend eingespieltes Top-Gitarrenduo wie Lars Döring/ Michael Schiel in Reihen hat, kann im Prinzip nur gewinnen, dazu kommt mit Schlagzeuger Peter Schäfer und Bassist Manuel Roth eine punktgenau agierende Rhythmussektion. Das SQUEALER weitaus mehr auf der Pfanne haben als klassischen Heavy-/Powermetal zeigt sich daran, dass auf Melodic Passagen öfters ruppige Thrashausbrüche folgen, was nicht nur mit der Vielfalt der aktuellen Alben 'Behind Closed Doors' und 'Insanity' zusammenhängt. Bei ersterem münden harter Thrash und Melodic Metal wie zwei Flüsse ineinander.

SQUEALER endlich (zum ersten Mal!) auf dem Hochland-Rock zu erleben, ist schon etwas besonderes. Zuletzt sind sie vom Rock am Stück-Auftritt in Fritzlar siehe Sommer 2018 in Erinnerung, worüber es auch einen Live-Bericht gibt. Das Schwälmer Heavy Metal-Urgestein zieht eine kunterbunt gemischte Auswahl Bandklassiker und Hits diverser Bandepochen aus dem Hut, deren Bogen sich von frühen SQUEALER Anfangstagen des 1992er 'Make My Day' Debüts („A Little Peace Of Death“) bis zum letzten aktuellen 2020 er 'Inanity'-Release spannend sich schrittweise steigernd Fahrt mit jedem weiteren Stück besser wird.
Das noch etwas Tempogemässigtere „The Circle Shut“ und der schmissige Powerbanger „Under The Cross“ punkten ebenfalls kräftig. Die Maßnahme den fleißig mitrockenden kleinen Lucas vom Publikum getragen, auf's Plateau zu holen, erfreut die Herzen von Band und Besuchern. Das ist wie sein Betreuer im Anschluß erklärt, „genau sein Festival.“ Lucas hat wie Band und Publikum Spaß am Rocken – und ist auf dem Platz mit Feuereifer dabei. Nach dem gemeinsamen Bühnenauftritt mit SQUEALER wird Lucas vom Publikum wieder sanft von der Bühne herunter geholt und auf den Platz zurück befördert, wo das Hochland kräftig weiter rockt. Sanfte Stimmung offenbart die Ballade „Worlds Collide“. Im Kontrast dazu verteilt der danach kommende Thrasher „Dreamshade“ in kräftiger ANTHRAX/EXODUS-Manier mächtig Tritte in den Hintern. Mit ihrer am Schluß vom begeisterten Hochland-Rock-Publikum nocheinmal heftig abgefeierten vielleicht besten Hymne dem druckvollen Melodic Heavy/Power-Metal-Knaller „The Final Daylight“ verabschieden sich SQUEALER vom Hochland-Rock-Publikum, das gerade als sich die Band so richtig in Fahrt spielte noch mehr haben wollte. Ein knapp bemessener Zeitrahmen macht dem Wunsch einen Strich durch die Rechnung.

WARWOLF
Zu bester Abendzeit etwa gegen 21:30 betreten WARWOLF die Bühne, deren aktuelles Album 'Necropolis' meine Feder kürzlich frisch aktuell getragen von einer Welle der Begeisterung für FFM-ROCK reviewte. Die nächsten ca. 80 min sind jener englischen Heavy Metal-Ikone gewidmet, die bereits zu Frühen Heavy Metal-Anfangszeiten in den 80er Jahren mit ihren zwei ersten Releases 'Iron Maiden und Killers' unantastbaren Legendenstatus genoss: IRON MAIDEN. Die entscheidende Frage vor dem Auftritt lautete: Können WARWOLF das Feeling ihres grandiosen MAIDEN-Tribut-Albums 'Necropolis' auf dem Hoch-Land-Rock bestätigen?
Andreas von Lipinski ist ein sympathisch ehrlicher Frontmann, der sein Metier beherrscht, nicht nur gut singt, sondern das Publikum entsprechend zu pushen weiß, dessen Ansagen ihre Wirkung nicht verfehlen. Stimmlich klingt sein Organ mehr nach dem in der Zeit von 1994 – 1999 das Zepter bei den eisernen Jungfrauen schwingenden Blaze Bayley. Das Geständnis mal ein Album zu machen, das ihre Lieblingsmusik aus den 80ern wieder spiegelt, wird mit Begeisterung quittiert. - Die IRON MAIDEN Phase von 1983/84 der starken Klassiker 'Piece of Mind' und 'Powerslave' hat noch heute immensen Einfluss auf Heavy Metalgenre und -Fans. Holger Bloempott haut wuchtig auf sein Schlagzeug, die Gitarrenfraktion bestehend aus Björn Grüne/Frank J. Noras, post zusammen mit Florian Abegg dem einzigen Nicht-Ex-WOLFEN-Mitglied kräftig umd die Wette und liefert sich dabei herrliche Gitarrenduelle. Der Kult lebt. Dies lässt vom ersten Takt weg überhaupt keinen Zweifel daran aufkommen, wem diese Vorstellung ehrenhalber Tribut zollt: Der besten Heavy Metalband der Welt: IRON MAIDEN (!) Mittels Twingitarrenpower, klassischer Grooves und Catchy Refrains wie „In The Dawn of Destiny, We are Prayers of Humanity“ die sich im Schlaf mitsingen lassen, kommt das mächtig aus sich heraus gehende Hoch-Land-Rock-Publikum in Wallung. Wenn eine Band ihren Job noch so hervorragend erledigt wie WARWOLF (die schon mehrfach in der Vergangenheit zu 4/5 als WOLFEN Power-Thrashlastig auf der Hochlandrockbühne standen) fesselt das zeitlose den glorreichen 80er Tagen Tribut zollende Elixier ungemein. Logisch, dass bei so einer packenden Vorstellung Fäuste und Hörnergabeln in die Luft gehen und Wirbelnde Langhaarmatten über des Hochlands Weiten fliegen!



Kreuze, Grabsteine und Zombies gehören zum Heavy Metal. Das eine solche Deko beeindruckend als gespenstische Bühnendeko wirkt, wodurch das Charisma einer in Richtung IRON MAIDEN tendierenden Show einschließlich zeitweise Versprühens von Trockeneisnebel erst recht stilvoll umrahmt wird, kommt bei Heavy Metal und Horrorfans gleichermaßen hervorragend an. Wahrlich in jeder Form aussagekräftig, um den Themenkreis passend zu vervollständigen wird "Witches and Demons"  eröffnet von düsterer Sprechpassage heftig rausgeschmettert um  Armeen von Untoten und Heiden aus ihren dunkelsten Verstecken herbeizurufen. Der Geschwindigkeitsgebremst im Stampfrhytmus gebrachte Albumtiteltrack "Necropolis" sorgt mit prophetisch gesprochener von Akustikgitarre begleitet heldenhafter MANOWAR-Gedächtnispassage für Gänsehaut. Neben IRON MAIDEN erinnert die Musik von WARWOLF hier und da sogar auch ein wenig an GRAVE DIGGER, was nicht allein daran liegt das Andreas von Lipinski in der Vergangenheit schon als Backgroundsänger bei Chris Boltendahls Totengräbern mitwirkte, der neben IRON MAIDEN-Faible manches MEAT LOAF-Stimmtimbre offenbart. Auch die von WARWOLF-Sänger Andreas von Lipinski erzählten Anekdoten sind gehaltvoll, wenn er davon spricht, wie das Hochland-Rock-Team die Band 2008 auf dem Hessentag kennenlernte und sie schließlich 15 Jahre zuvor als WOLFEN auf dem Hochland-Rock spielten. Dazu darf Hochland-Rock-Chef Toto noch selbst ein paar Worte ans applaudierende Publikum richtend ins Mikro sprechen.
Dann wird’s erstmal kurz still, ein Moment zum Luft holen und Verschnaufen, ehe sie ihren vielleicht größten Hit „Nosferatu“ auspacken, das Publikum ballt Fäuste, rockt auf Teufel komm raus, schließt sich zu Gruppen zusammen, singt fleißig mit, feiert denkwürdig Party auf der Hochlandrockwiese. Im düstermelancholischen Epic Hammer "The Priest" bündeln sich Bergeweise Emotionen. Andreas zieht das Schwert und hält es demonstrativ für alle sichtbar in die Höhe, damit es im weiteren Verlauf auf der Bühne versenkt wird. 
Zwei Im Zugabeteil für Aufheiterung sorgende als Backstreet Boys-Coversongs angekündigte MAIDEN-Alltimegassenhauer „The Trooper“ und ein erwartungs gemäß den gesamten Platz von 0 auf 100 in ungezügelten Begeisterungstaumel, und Ecstase versetzendes „Fear Of The Dark“ (diesen Song kennt jeder, selbst Nicht eingeschworene MAIDEN-Fans!) lassen die atemberaubende Session ausklingen. Für den zweiten als dritte Zugabe vorgesehenen Alltime-Klassiker „2 Minutes To Midnight“ bleibt leider kein Platz mehr, da die Spielzeit zu Ende ist und noch eine Band aussteht. WARWOLF haben alles richtig gemacht, ihren Co-Headliner-Slot bestätigt und auf den starken SQUEALER-Gig noch einen draufgesetzt. So wird eine Festivalbühne amtlich zerlegt. - Heavy Metal so true, oldschool and hard as real Heavy Metal can be!
Nach derart eindrucksvoller Liveperformance ist der Merchandise Stand zur Freude von Band und Management gut besucht, was CD und Shirt-Verkäufe begünstigt. Mein Exemplar lasse ich mir noch von Sänger Andreas von Lipinski während lockerer Smalltalk gehalten wird, persönlich signieren.

Der Abend geht in die Verlängerung...
Zeit für Regeneration, zwei Becher Milch sind fällig, die tun amtlich wohl, ebenso einige lockere Gespräche mit Leuten, die man schon lange kennt und interessanten Kontakten jüngster und neuerer Art, die man auf dem Festival so schließt. die am kurzen Freitag (da Tags darauf Arbeit anstand) nicht möglich waren, bevor es weiter geht. Am Hochland-Rock-Samstag stehen statt drei gleich vier Bands auf der Bühne. Früher war es umgekehrt, der härtere Festival-Freitag stand unter dem Schwermetallbanner, während der Samstag  auf klassischen Rock gepolt war. Mittlerweile läuft die Festivalstrukturierung exakt umgekehrt: Freitag steht im Zeichen des Classic Rock, Samstag ist dem Heavy Metal geweiht!

Lust auf Volksmusik oder tanzbaren (Heavy) Metal? Dafür sorgt die nach kurzer Umbaupause den Neue Deutsche Härte bedienenden Sektor letzte Band im Billing.

TANZMETALL
Der Abschluß auf dem Hoch-Land-Rock gehört einer anderen Band. Das zahlreich deswegen auf dem Hoch-Land-Rock erschienene Fanklientel wird mit 'Tanzmetall' versorgt - was zunächst wie ein Modebegriff klingt ist tatsächlich der Bandname! TANZMETALL fahren die bunte Palette zahlreicher am Vorbild RAMMSTEIN ausgerichteter Coverstücke und locken die meisten Besucher des Hoch-Land-Rock-Samstags auf den Platz. Vor der Bühne tut sich nocheinmal richtig was.
Die TANZMETALL-Palette reicht von dem recht früh gebrachten sofort Stimmung bringenden Klassiker „Sonne“, dem u. a. in „Du Hast“, „Amerika“ bis „Engel“ und „Asche zu Asche“. Weitere Hits und Raris folgen, darunter auch der umstrittene Kannibalen-Song „Mein Teil“ gegen den eine Gerichtsklage geführt wurde, die für dessen Urheber (RAMMSTEIN) im Sande verlief, erntet erkennbar gespaltene Publikumsreaktionen, wie auch das blutige Kannibalenkostüm. Was wie ein Horror-Shock-Effekt anmutet, gehört als festes Bestandteil zur Show. Das Programm von TANZMETALL beinhaltet alles was RAMMSTEIN-Fans (meine Wenigkeit gehört nicht dazu!) kennen sollten.



Entsprechend feuchtfröhlich feiert sich das Publikum in exzessiven Rausch was an Bierpilz und Cocktailbar mit heller Freude registriert wird. Neben der Musik wird auch optisch einiges geboten, z. B. kommt der TANZMETALL- Sänger mit von Glühlampen beleuchtetem Engelkostüm bei „Engel“ auf die Bühne. Am Schluß werden auch TANZMETALL für Zugaben auf die Bühne zurückgerufen womit das Hoch-Land-Rock 2022 ausklingt. Danach bleibt etwas Zeit für gepflegten Dialog mit Bekannten Gesichtern, um gegen 2:00 Uhr Nachts den Heimweg anzutreten.

Festival-Nachwort zum Hoch-Land-Rock 2022:
Liebes Hochland Rock-Team: Vielen Dank für ein cremiges Festival-Wochenende, es war mal wieder ein Genuss in Welferode aufzuschlagen, das Wetter stimmte. Licht und Sound beim Festival waren wie jedes Jahr auf dem nach 2021 wieder in ursprünglicher Location ausgetragenen Hochland-Rock Top, die Soundcrew hat wie das gesamte Team an allen Ständen an der Eingangskasse, Cocktailbar, Frittenbude, Getränkebar, das gilt auch für die Security hervorragende Arbeit geleistet, die Songauswahl punktete voll kein Ausfall war im Billing zu verzeichnen, alle aufgetretenen Bands haben das Hochland-Rock erlebenswert gemacht. Ein dickes DANKE für dieses tolle Wochenende im Homberger Ortsteil Welferode geht von meiner Warte an das fleißige 35 köpfige Hochland-Rock Team, das endlich wieder in bewährter Location auffahren durfte, wie in all den vielen Jahren zuvor ganze Arbeit geleistet hat. Der sein Festival mit Liebe, Leidenschaft und Herzblut organisierende Hochland-Rock e. V. hat durch rechtzeitige Kompensation des krankheitsbedingt ausgefallenen SHE'S GOT BALLS-Gigs in höchster Not um den klassischen Hochland-Rock-Freitag zu retten zwei Tage zuvor buchstäglich im letzten Moment durch Verpflichtung der DEEP PURPLE-Coverband PURPLE RISING, die ein phantastisches Gastspiel gab, für grandiosen Ersatz gesorgt!  Auch dafür zeigt mein Daumen klar nach oben. Pandemiebedingt war nicht soviel los in den letzten Jahren, ausverkauft war das Festival mit 250 Besuchern dieses Jahr nicht, doch das Ergebnis war für den veranstaltenden Hochland-Rock Verein der es prächtig organisierte sowie die anwesenden Gäste durchaus ein gutes, zumal noch parallel zumal eine ganze Reihe anderer Events an dem Wochenende liefen. Das Stammpublikum hielt dem Festival wie es sich gehört eisern die Treue, rockte kräftig ab und erfreute sich an einem großartigen Festivalwochenende. Und eines ist sicher: Ohne Hochland-Rock würde Nordhessen gewaltig etwas fehlen; hoffentlich bleibt dieses kleine aber feine Festival noch möglichst lange erhalten. Auf ein weiteres, hoffentlich nicht von der Corona-Pandemie beeinflusstes Hochland-Rock-Festival im kommenden Jahr 2023. Das Hochland – R. O .C .K .T !

Bericht und Fotos: Michael Toscher


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