KING KING - Freudenburg

09 kingking tourflyerKonzert vom 23.09.2022

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KING KING

Endlich wieder Ducsaal, das Wohnzimmer im Niemandsland zwischen Pfalz und Saarland war Schauplatz meines letzten Konzertes vor dem Lockdown, dann war lange Schicht und zu den wenigen Frühjahrs-Konzerten war ich anderweitig verplant. Da traf es sich gut, dass an dem Abend nach einem guten Schnitzel oben im Restaurant einer der Lieblingsacts von Chef Manfred Weber zu Gast war. Der Termin der Schotten wurde ja nun oft genug verschoben, das letzte Konzert von ihnen war dort fünf Jahre her. Nun konnten KING KING mit viel Verspätung ihr Album „Maverick“ vorstellen, kein Wunder dass der Laden gut gefüllt war.

In der Tat hat man so einen Andrang dort selten erlebt, man musste sich seinen Weg nach vorne freibahnen. Beengte Verhältnisse herrschten auch auf der Bühne, Jonny Dyke hatte mächtig Tasten aufgefahren und Frontmann Alan Nimmo ist ohnehin eine Präsenz, die den Raum alleine füllt. So stand Bassist Zander Greenshields ziemlich weit links außen, was ihm aber wenig auszumachen schien. Vergnügt grinste er die ganze Zeit vor sich hin, zupfte stoisch die dicken Saiten und genoss den lauten Zuspruch, welcher der Band von Beginn an entgegen blies.

Sie sind eben eine der Truppen, die auf jeder Rundreise gerne im Ducsaal Halt macht und dadurch eine Bindung zu dessen Publikum hat. Mit dem einzigen Beitrag aus „Exile And Grace“ ließen es die Fünf direkt einmal richtig krachen, so dass die Menge gleich voll mitging. Natürlich war der gute Alan das Zentrum des Geschehens, er verkörpert das ehrliche Rockhandwerk wie kaum ein anderer. Irgendwelche Showelemente oder große Posen, für welche die Bretter ohnehin zu begrenzt waren sind KING KING fremd, hier wird der Rock noch gearbeitet. Auch ohne große Ausflüge lief der Schweiß auf der Bühne.

Jene Malocherattitüde wurde vom Auftreten Nimmos unterstrichen, unter simplem Shirt saß der landestypische Kilt, die stämmigen Waden steckten in wuchtigen Caterpillar-Boots. So kräftig wie sein Klangkörper war auch die Stimme, die zu den Zuschauern rüber kam. Der Mann besitzt eine schöne Röhre, mit der die rockigen Stücke so richtig Dampf bekamen. Schön auch dass er sich zurück zu nehmen wusste, wenn es der Song verlangt, der wilde Rocker hatte immer genug Gefühl am Start und vermag auch soulig zu schmeicheln. Nicht nur bei seinem Gesang brachte er die komplette Palette an Emotionen und Ausdrucksformen, sondern auch an seinem Stratocaster.

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Die Riffs schüttelte er locker aus dem Handgelenk, mit der selben Lockerheit glitten seine Finger auch bei den ruhigen und atmosphärischen Parts über das Griffbrett. Noch mehr Dynamik legte er in seine Soli, die mal schön deftig waren, dann aber auch ganz sanft bis kurz vor der Stille, um dann wieder langsam anzuschwellen. Dann wenn er die Augen schloss und entweder die Töne ganz lang zog oder sich komplett in einen Rausch fiedelte, war er völlig bei sich und die Fans auch. Trotz aller Hemdsärmeligkeit nimmt er seinen Vortrag sehr ernst. Als bei einem ganz ruhigen Abschnitt Zuschauer dazwischen redeten, gab es prompt eine kernige Ansage ob Rücksicht auf diejenigen die zuhören wollen.

Seinem Bruder Stevie überließ er ebenfalls ein paar Soli, in denen dieser aufging. Nicht fehlen durften die Twinlead-Einsätze, bei denen die beiden ebenso perfekt harmonierten wie bei einigen Gesangsarrangements. Gerade bei der ersten Zugabe, die nur vom Piano begleitet wurde, konnte man hören, was wirklich in ihren Stimmen steckte. Überhaupt war das Zusammenspiel sehr dicht und diszipliniert, Dyke legte immer wieder schöne Hammond-Flächen unter die Leads seiner Kollegen und bekam auch einige Solospots. Vielleicht nicht so spektakulär konnte er die Lücke füllen, die Bob Frizdema hinterließ.

Hinten hielt Andrew Scott den Laden zusammen, groovte immer wieder cool zu den Riffs. Seine Stärken liegen aber darin, wie er die Dynamik zu befeuern wusste, wie er die Soli akzentuierte, egal in welchem Tempo diese angeschlagen wurden. So variabel wie seine Vorderleute, so war sein Spiel, sein Drumming kam immer wohldosiert. Wenn die Saiten nur noch ganz sanft gepickt wurden, strich er mit seinen Sticks die Felle, bei den Steigerungen hielt er konzentriert den Takt, forcierte dabei stetig, um dann richtig wild auszubrechen. Dabei mimte er auch noch den Spaßvogel, machte Faxen und zerlegte sogar einen Drumstick.

Für Stageacting war ansonsten wenig Platz, ab und an fanden die Brüder vorne zusammen, wenn sie gemeinsam zockten, um sich so noch mehr anzustacheln. Einmal reihte sich der gute Zander von der Seite aus ein, und drehte mit seinem Langholz den Mikroständer auf halb acht, so geht Clubatmosphäre. Kein Wunder, dass die Anwesenden bei jedem Stück aus dem Häuschen waren, teilweise Szeneapplaus spendeten und mitsangen, speziell wenn sie der Frontmann forderte. Alan Nimmo nahm die Fans gerne mit, plauderte launig und entschuldigte sich für seine derbe Ausdrucksweise, was den kernigen Hünen noch sympathischer machte.

Die Thekenpause tat da keinen Abbruch, wenn man dann direkt einen feinen Riffrocker ins Set einbaut. Jedes der insgesamt fünf Alben wurde bedacht, „Maverik“ und „Reaching For The Light“ kamen am meisten zum Zug. Diese Titel zeigten die Bandbreite der Formation, wobei das ganze Spektrum der Spielart nicht einmal abgedeckt wurde. Allzu funkige oder verspielte Elemente blieben außen vor, KING KING gehen gerne geradlinig zur Sache, ein eingängiger Refrain ist ihnen wichtiger. Das machte sie noch nahbarer, gemeinsam feierte man das ERIC CLAPTON-Cover, mit dem die Musiker am Ende nochmal alles gaben.

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Setlist KING KING:
(She Don´t) Give Me No Lovin´
Fire In My Soul
One World
Waking Up
Rush Hour
Coming Home (Rest Your Eyes)
A Long History Of Love
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Lose Control
Whatever It Takes To Survive
Stopped The Rain
I Will Not Fall
Stranger To Love
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When My Winter Comes
Old Love


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